Doktor Sex

10. Januar 2018 07:46; Akt: 10.01.2018 07:50 Print

"Hilfe, mein Freund will eine offene Beziehung!"

Zwei Jahre war in der Beziehung von Nicoletta alles in Butter. Doch nun möchte sich ihr Freund in fremden Betten sexuell weiterentwickeln.

 (Bild: iStock)

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Frage von Nicoletta (20) an Doktor Sex: Mein Freund und ich sind seit bald zwei Jahren zusammen. Vor einem Monat nun hat er die Möglichkeit angesprochen, eine offene Beziehung zu führen. Im ersten Moment habe ich darauf total geschockt reagiert. Und bis heute weiß ich immer noch nicht, was ich davon halten soll. Er stellt es sich so vor, dass er mit anderen Frauen Sex hat, um sich so persönlich weiterentwickeln zu können. Ich dürfte umgekehrt auch mit anderen Männern schlafen. Das will ich jedoch gar nicht. Ich verstehe zwar sein Anliegen und grundsätzlich möchte ich eigentlich auch, dass er sich ausleben kann. Aber ich kenne mich und weiß, dass ich einfach zu eifersüchtig bin. Ich liebe ihn sehr und auch er empfindet tiefe Gefühle für mich. Was kann ich tun, um eine Lösung zu finden?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Nicoletta

Die offene Beziehung, so scheint mir, wird zunehmend ein Allerheilmittel für alle erdenklichen Probleme und Einschränkungen in Zusammenhang mit dem Sexualleben eines Paares. Nicht, dass ich dies stoßend fände oder grundsätzlich etwas gegen diese Form des sexuellen Zusammenlebens einzuwenden hätte. Aber so ganz einfach, wie sich manche Männer – und ja, es sind meiner Erfahrung nach mehrheitlich Männer, die auf diese Idee kommen – das vorstellen, ist die Sache halt doch nicht.

Mit einem Menschen Sex haben ist mehr, als sich mal kurz und unverbindlich ein bisschen an- und ineinander zu reiben bis zur neuronalen Entladung und dann das Weite suchen. Sogar dann, wenn es sich bei der sexuellen Aktivität um die Dienstleistung einer Sexarbeiterin handelt und Geld dafür bezahlt wird. Man begegnet sich, man spricht zusammen und man lässt sich in einer Art aufeinander ein, die in unserer Kultur nicht einfach selbstverständlich ist. Prostituierte berichten immer wieder davon, wie Kunden nach dem Sex das Gespräch suchen und über ihre Sorgen und Nöte sprechen wollen.

Trotzdem glauben manche Männer, sie könnten den Sex mit einer real anwesenden Frau gleich handhaben wie den mit sich selber vor dem Computer: aufgeilen, abspritzen, abwischen und ausschalten. Tatsache ist jedoch, dass in der realen körperlichen Begegnung ein Mensch anwesend ist. Dadurch kommen Unwägbarkeiten ins Spiel – Leidenschaften und Emotionen beispielsweise. Und diese können schnell dazu führen, dass die Sache aus dem Ruder läuft und die Zustände chaotisch werden. Eine offene Beziehung zu leben, erfordert Selbstbewusstsein, Erfahrung und Sicherheit im Umgang mit sich selbst und anderen. Daher ist sie eher eine Meisterprüfung und nichts für Jungspunde, die eine Begründung suchen, um sich austoben zu können, ohne auf die Vorzüge einer Partnerschaft verzichten zu müssen.

Dein Freund scheint überzeugt zu sein, dir ein faires Angebot zu machen, indem er dir die gleichen Rechte einräumt, die er für sich in Anspruch nimmt. Da du diese jedoch gar nicht in Anspruch zu nehmen gedenkst, macht sein Vorgehen absolut keinen Sinn. Statt dir den Kopf zu zermartern und die Liebe zu bemühen, die hier absolut keine Rolle spielt, da es "nur" um Sex geht, solltest du deinem Freund gegenüber klare Ansagen machen. Und dazu gehört, ihm zu sagen, dass du sein Ansinnen nicht teilst und eine offene Beziehung für dich nicht infrage kommt. Es ist dann an ihm, zu entscheiden, was ihm wichtiger ist: Die persönliche Entwicklung, die er sich vom Sex mit anderen Frauen verspricht oder die geschlossene Beziehung mit dir.

Ihre Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Milton am 10.01.2018 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Er ist immerhin ehrlich...

    90 % der Männer möchten das gleiche. Nur sagen sie es nicht. Liegt nun mal tief in den Genen. Viele Frauen übrigens auch.

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  • TantePaula am 22.01.2018 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ich rate dazu, solche Freiheiten nur in

    entsprechender räumlicher Distanz zu genießen, sodass der/die Dritte für den anderen Partner nur eine hypothetische, unbekannte Person bleibt. Ansonsten droht wegen Vergleich der Eigenschaften mit dem/der Dritten Eifersucht. Übrigens: Warum spricht man zwischen zwei Paaren immer nur von einem Frauentausch und nicht von einem Männertausch?

  • Einfühlsam am 11.01.2018 02:58 Report Diesen Beitrag melden

    Mr.

    Kein guter Rat "Dr." Paartherapie ist, was die brauchen. Er glaubt, er bräuchte es für seine "persönlichen" Entwicklung, aber vlt muss man eigentlich an der Beziehung arbeiten. Ein Beispiel, warum viele betrügen, weil denen in der Beziehung etwas fehlt (ist aber keine Rechtfertigung für dieses falsche Handeln).

Die neusten Leser-Kommentare

  • TantePaula am 22.01.2018 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ich rate dazu, solche Freiheiten nur in

    entsprechender räumlicher Distanz zu genießen, sodass der/die Dritte für den anderen Partner nur eine hypothetische, unbekannte Person bleibt. Ansonsten droht wegen Vergleich der Eigenschaften mit dem/der Dritten Eifersucht. Übrigens: Warum spricht man zwischen zwei Paaren immer nur von einem Frauentausch und nicht von einem Männertausch?

  • Einfühlsam am 11.01.2018 02:58 Report Diesen Beitrag melden

    Mr.

    Kein guter Rat "Dr." Paartherapie ist, was die brauchen. Er glaubt, er bräuchte es für seine "persönlichen" Entwicklung, aber vlt muss man eigentlich an der Beziehung arbeiten. Ein Beispiel, warum viele betrügen, weil denen in der Beziehung etwas fehlt (ist aber keine Rechtfertigung für dieses falsche Handeln).

  • John Milton am 10.01.2018 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Er ist immerhin ehrlich...

    90 % der Männer möchten das gleiche. Nur sagen sie es nicht. Liegt nun mal tief in den Genen. Viele Frauen übrigens auch.

    • Einfühlsam am 11.01.2018 03:01 Report Diesen Beitrag melden

      Mr.

      Seine ehrlichkeit finde ich auch gut. Du vergisst, aber dass das Mädchen sagte "sie will eigentlich auch". Allgemeine Aussagen finde ich falsch. Ob Mann oder Frau, als Mensch generell sind wir so. Ich denke nur durch Paartherapie können die herausfinden, was an dem Jungen fehlt, entweder in der Beziehung oder in seiner psychischen Entwicklung.

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