Doktor Sex

14. November 2017 07:52; Akt: 14.11.2017 07:56 Print

"Wegen ihres Verhaltens habe ich einen Schaden"

Matthias wurde von seiner Frau enttäuscht. Um sich zu schützen, zeigt er sich ihr gegenüber seither oft kalt und gefühllos. Aber eigentlich will er das gar nicht.

 (Bild: iStock)

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Frage von Matthias (35) an Doktor Sex: Ich bin seit fünf Jahren mit meiner Frau zusammen. Vier davon sind wir verheiratet. Durch unsere Liebe sind zwei wundervolle Kinder entstanden. Ich weiß ja eigentlich schon, dass sie mich über alles liebt. Nur tue ich mich manchmal echt schwer damit, ihr zu vertrauen, da ich schon einmal enttäuscht wurde und davon ein bisschen einen Schaden davongetragen habe.

Jetzt bin ich oft ziemlich kalt und gefühllos zu ihr, um mich so selbst zu schützen. Ich habe mit ihr sogar schon über mein Verhalten gesprochen und ihr dabei klargemacht, dass ich einfach nur Schiss davor habe, sie zu verlieren. Sie kann das nachvollziehen. Es schmerzt mich ja selbst jedes Mal, wenn ich merke, dass ich mich wieder hinter meinem Panzer verstecke. Wie kann ich besser mit der Angst umgehen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Matthias

Für Menschen, die an Verlustängsten leiden, ist eine Beziehung eine Quelle von Leid. Alles, was der Partner oder die Partnerin macht, wird auf die Möglichkeit hin geprüft, ihn oder sie zu verlieren. Und da Menschen ständig jemandem begegnen, in den oder die sie sich theoretisch auch verlieben könnten, stehen Betroffene im Alltag unter Dauerstress.

Auch Eifersucht entsteht aus Verlustangst, ist aber nur ein Symptom davon. Es macht daher auch keinen Sinn, sie unterdrücken oder mittels Regeln für den Partner oder die Partnerin in den Griff kriegen zu wollen. Und deshalb kann es für dich auch kein Ziel sein, besser mit deiner Angst umzugehen. Erstrebenswert wäre, dich davon zu befreien.

Dies setzt aber voraus, dich mit dem zu konfrontieren, was Sache ist. Dazu gehört auch die Tatsache, dass alles, was in dieser Welt einen Anfang hat, irgendwann auch zu Ende gehen wird. Dir bewusst zu werden, dass alles immer zu verlieren ist, gehört zum Prozess, an dessen Ende die Freiheit steht – auch von deiner Verlustangst.

Eine der Hauptursachen der Angst liegt darin, dass wir uns nicht so sehen wollen, wie wir sind. Wir vermeiden es, zu erkennen, dass wir nach bestimmten Konzepten leben und in Schablonen denken. Schon die Vorstellung, dies aufzugeben oder auch nur in Ansätzen zu verändern, ruft einen Zustand der Unsicherheit hervor.

Sofort kommt das Denken und will Sicherheit schaffen. Aber das Denken ist das Vergangene, die Erinnerung. Und das, wovor wir Angst haben, ist die Wiederholung dessen, was wir bereits erlebt haben. Darum ist das Denken für die Furcht verantwortlich: Es erschafft sie, indem es das Vergangene in die Gegenwart holt beziehungsweise in die Zukunft projiziert.

Erkenne, dass du das Problem erschaffst, indem du dich mit Gedanken – also der Vergangenheit – identifizierst und dann versuchst, dich durch dein Verhalten vor etwas zu schützen, das zurzeit nicht der Fall ist und nur in deinem Kopf existiert. Sei im Hier und Jetzt; gestalte das Leben – und zwar an dem Ort, wo deine Füsse auf der Erde stehen, statt dich um etwas zu sorgen, das zwar sein könnte, aber in der Art, wie du es dir vorstellst, bestimmt niemals sein wird. Alles Gute!

Ihre Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(wer)