Kognitives Power-up

14. Dezember 2017 13:54; Akt: 14.12.2017 14:15 Print

Action-Spiele verbessern die Gehirn-Leistung

Das menschliche Hirn lernt und passt sich an. Besonders stark profitiert es von Kriegsspielen, wie Genfer Forscher berichten.

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Regelmässiges Gamen verändert den Spieler. Das ist bekannt, doch häufig werden vor allem die negativen Auswirkungen genannt. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille, wie ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Genf durch die Auswertung von wissenschaftlichen Daten aus den Jahren 2000 bis 2015 herausgefunden hat. Demnach steigert besonders das Spielen von Kriegs- und Action-Games die kognitiven Fähigkeiten und damit die Informationsverarbeitung. Oder anders ausgedrückt: Die Studie zeigt, dass Action-Spiele den Weg für die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten ebnen. Die Studienautoren betonen aber, dass diese positiven Effekte bei Gamern beobachtet wurden, die gleichmässig über mehrere Wochen und Monate gespielt hätten. Sie wurden keinen intensiven Game-Sessions wie bei LAN-Partys ausgesetzt. Doch nicht nur auf das Individuum hat Gamen einen Einfluss, sondern auch auf die ganze Gesellschaft, wie Daniel Süss vom Psychologischen Institut an der ZHAW erklärt. Er spielt dabei auf Folgendes an: Vermessung: Regelmässige Spieler kontrollieren oft auch den Erfolg eigener Handlungen in der Realität. Erreichte Leistungsziele werden wie abgeschlossene Levels eines Spiels erlebt. Fehlertoleranter: Spiele wie «Mirror's Edge» verlangen von Gamern eine hohe Frusttoleranz und wiederholte Versuche, die Levels zu meistern. Team- und führungsstark: In Online-Multiplayer-Games wie «World of Warcraft» können Gamer lernen, im Team zu funktionieren und Führungsaufgaben zu übernehmen. Gamification: Das Punktesystem bei Grossisten und anderen Dienstleistern entspringt dem spielerischen Prinzip von Sammeln und Belohnen. Verspielte Suche: Auch Online-Dating-Plattformen bedienen sich spielerischer Prinzipien. Starre Bilder: Games können aber auch stereotype Rollenmodelle festigen. Games nehmen indessen nur bei bestimmten Konstellationen, z. B. fehlendem Selbstwertgefühl und anderen negativen Erlebnissen, einen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft, wobei ... ... festgestellt wurde, dass zum Beispiel ein Game wie «Fifa» aggressiver machen kann als ... ... «Call of Duty».

Zum Thema
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Seit den 1980er-Jahren wurde der Einfluss von Videospielen auf das menschliche Hirn immer wieder untersucht. Ein internationales Team unter der Leitung der Universität Genf hat nun alle verfügbaren Daten von 2000 bis 2015 ausgewertet.

Umfrage
Wie oft bist du am Gamen?
24 %
24 %
43 %
9 %
Insgesamt 37 Teilnehmer

"Das ist der einzige Weg, um ein Gesamtbild des tatsächlichen Einflusses dieser Spiele zu bekommen", wird Daphné Bavelier, Professorin der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaft der Universität Genf, in einer Mitteilung zitiert.

Informationsverarbeitung untersucht

Während eines Jahres gingen die Genfer Psychologen zusammen mit Kollegen der Universitäten Columbia, Santa Barbara und Wisconsin allen Artikeln, Thesen und Konferenzen nach und kontaktierten über 60 Forscher, um weitere Daten zu erhalten. Daraus folgten zwei Metaanalysen.

Insgesamt absolvierten 8970 Personen im Alter zwischen 6 und 40 Jahren psychometrische Tests, bei denen ihre kognitiven Fähigkeiten beurteilt wurden. Diese Fähigkeiten dienen zusammengefasst der Informationsverarbeitung.

Bessere Fähigkeiten bei Gamern

Zum Beispiel mussten sie auf einem Bild einen Hund neben anderen Tieren so schnell wie möglich finden. Zudem mussten sie zeigen, wie gut sie mehrere Sachen gleichzeitig erledigen und mit vorgegebenen Regeln umgehen können.

Dabei zeigte sich, dass die kognitiven Fähigkeiten der Gamer einen halben Variantenkoeffizient höher als jener von Nicht-Gamern war. Diese Ergebnisse wurden im Fachblatt "Psychological Bulletin" publiziert.

Zweite, vertiefende Analyse

Die Frage, ob diese Fähigkeiten schon vor dem Gamen da waren oder erst während des Spielens entwickelt wurden, blieb offen. Deshalb wurde eine zweite Metaanalyse erstellt, ebenfalls aufgrund von Daten aus früheren Studien.

Damals wurden 2883 Männer und Frauen, die maximal eine Stunde pro Woche gamten, auf ihre kognitiven Fähigkeiten getestet. Danach wurden sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste spielte Kriegs- und Zombie-Spiele. Die zweite spielte als Kontrollgruppe Sims, Puzzle oder Tetris. Und das während acht Stunden in acht Tagen und bis zu 50 Stunden in zwölf Wochen.

Jede Person wurde danach erneut getestet. Die Action-Gamer wiesen eine höhere Entwicklung bei den kognitiven Fähigkeiten als die Spieler der Kontrollgruppe auf.

Effekt bewiesen

Die Forschungsergebnisse zeigten, dass Action-Spiele den Weg für die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten ebnen würden, fasst Benoît Bediou, Forscher der psychologischen Fakultät der Universität Genf, zusammen.

Die Studienautoren betonen, dass diese positiven Effekte bei Gamern beobachtet wurden, die gleichmäßig über mehrere Wochen und Monate gespielt hätten. Sie wurden keinen intensiven Spielsitzungen ausgesetzt. Wie bei jeder Lernaktivität wiesen kurze Sitzungen und Wiederholungen die höchste Wirksamkeit auf.

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(Red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laka am 15.12.2017 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EgoShooter

    dank der ganzen ego-shooter spiele kann ich jetzt in 10 verschiedenen sprachen f d mutter sagen, in russisch sogar akzentfrei

  • John Milton am 15.12.2017 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    War schon lange klar

    Und die nächste politisch installierte Lüge bricht zusammen...

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  • Stefan V. am 16.12.2017 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues...

    Es gab dazu vor Jahren schon ein Welt der Wunder mit dem Titel "Wie uns Games stark machen" - schon damals kamen Studien zu dem Schluss, dass besonders Egoshooter die Gehirnleistung (räumliches Denken, Reaktionszeit, etc..) fördern.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Stefan V. am 16.12.2017 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues...

    Es gab dazu vor Jahren schon ein Welt der Wunder mit dem Titel "Wie uns Games stark machen" - schon damals kamen Studien zu dem Schluss, dass besonders Egoshooter die Gehirnleistung (räumliches Denken, Reaktionszeit, etc..) fördern.

  • Laka am 15.12.2017 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EgoShooter

    dank der ganzen ego-shooter spiele kann ich jetzt in 10 verschiedenen sprachen f d mutter sagen, in russisch sogar akzentfrei

  • John Milton am 15.12.2017 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    War schon lange klar

    Und die nächste politisch installierte Lüge bricht zusammen...

    • Geri am 15.12.2017 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @John Milton

      Ist doch immer so ! Ich muss immer etwas Lachen wenn die Politiker bei einem Amoklauf die Schuld auf die Ego-Shooter schieben. In solchen Fällen sollten sie einfach selber ein paar Runden Battlefiel und Co. spielen !

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