Game Review

27. August 2018 22:19; Akt: 27.08.2018 22:19 Print

Bad North lässt den Tod vom Meer aus kommen

von Rene Findenig - Die Grafik täuscht: so niedlich ist der Inhalt von Bad North gar nicht. Im Echtzeittaktik-Roguelite geht es um einen Überlebenskampf.

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Von der Story bekommt man zuerst aber einmal so gar nichts mit. Denn Bad North wirft den Spieler mitten ins Geschehen. Handlung? Fast Fehlanzeige, hier hätten sich wohl einige Spieler etwas mehr Story und Präsentation gewünscht. Der Stil passt aber zum übrigen Game, denn hier geht es überall minimalistisch zu. Man eilt über das Meer von Insel zu Insel vor den Angreifern davon, um irgendwo eine sichere neue Heimat zu finden. Jeder neue Ort, an dem man landet, bietet nämlich nur für eine Spielrunde Schutz, da die Wikinger mit Schiffen auf jedem Eiland einfallen. Bad North beschreibt sich selbst als "minimalistisches Echtzeittaktik-Roguelite". Heißt für den Durchschnittsgamer: es geht gnadenlos zu, obwohl es der simple Eindruck und der Spielbeginn anders darstellen. es sind erst die späteren Inseln, die Spieler verzweifeln lassen. Anfangs startet man mit einem Trupp Figürchen auf der ersten Insel. Diesen kann man über Felder entweder per Button oder Touchscreen auf der ganzen Insel beliebig weit bewegen. Dreht man die Insel in der Ansicht mit dem Stick, sieht man kleine Schiffe darauf zufahren. Darin sind die Angreifer, die das Eiland kapern und alles niederbrennen wollen. Die Aufgabe ist simpel: der Trupp soll an den Anlegepunkt der Insel geschickt werden, um die Angreifer zu meucheln. Die Strategieelemente sind dabei einfach, aber clever: der jeweilige Truppenkommandeur und seine Soldaten attackieren Gegner automatisch, wenn diese in Reichweite sind. Am Anfang schickt man also einen Trupp an einen Anlegepunkt, tötet die Angreifer und hat die Runde gewonnen. Komplex ist das System nicht, aber der Einsatz der knappen Ressourcen möchte geplant sein. Setzt man gut aufgerüstete Kommandeure oder doch Neuankömmlinge ein? Und welche Truppen rüstet man wie auf? Wer beinharte Echtzeit-Strategiespiele mag, wird von Bad North jedenfalls nicht enttäuscht sein. Mitbringen muss man dazu allerdings die Fähigkeit, Dutzende Züge im Voraus zu denken und sich von wiederholenden Fehlschlägen nicht frustrieren zu lassen.

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Mit Bad North hat Entwickler Plausible Concept ein Strategiespiel für Nintendo Switch vorgelegt, das im hohen Norden spielt. Im Game, das auch auf PS4, Xbox One und später auf PC und Mobile erscheint, wurde der Spieler aus seiner Heimat vertrieben und muss mit einem klapprigen Kahn vor den Wikingern auf die nächstgelegene Insel fliehen. Dort beginnt das Taktieren.

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Von der Story bekommt man zuerst aber einmal so gar nichts mit. Denn Bad North wirft den Spieler mitten ins Geschehen. Ohne großes Drumherum wählt man den Schwierigkeitsgrad (normal oder schwer) und schaltet das Tutorial an oder aus. Handlung? Fast Fehlanzeige, hier hätten sich wohl einige Spieler etwas mehr Story und Präsentation gewünscht. Der Stil passt aber zum übrigen Game, denn hier geht es überall minimalistisch zu.

So verwechselt man anfangs gerne, um was es geht: was aussieht, als ob man Insel für Insel einnehmen muss, ist in Wahrheit eine Flucht. Man eilt über das Meer von Insel zu Insel vor den Angreifern davon, um irgendwo eine sichere neue Heimat zu finden. Jeder neue Ort, an dem man landet, bietet nämlich nur für eine Spielrunde Schutz, da die Wikinger mit Schiffen auf jedem Eiland einfallen.

Anfangs eintönig, aber clever

Bad North beschreibt sich selbst als "minimalistisches Echtzeittaktik-Roguelite". Heißt für den Durchschnittsgamer: es geht gnadenlos zu, obwohl es der simple Eindruck und der Spielbeginn anders darstellen. es sind erst die späteren Inseln, die Spieler verzweifeln lassen. Doch der Reihe nach. Anfangs startet man mit einem Trupp Figürchen auf der ersten Insel. Diesen kann man über Felder entweder per Button oder Touchscreen auf der ganzen Insel beliebig weit bewegen. Dreht man die Insel in der Ansicht mit dem Stick, sieht man kleine Schiffe darauf zufahren. Darin sind die Angreifer, die das Eiland kapern und alles niederbrennen wollen.

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Die Aufgabe ist simpel: der Trupp soll an den Anlegepunkt der Insel geschickt werden, um die Angreifer zu meucheln. Die Strategieelemente sind dabei einfach, aber clever: der jeweilige Truppenkommandeur und seine Soldaten attackieren Gegner automatisch, wenn diese in Reichweite sind. Am Anfang schickt man also einen Trupp an einen Anlegepunkt, tötet die Angreifer und hat die Runde gewonnen. Simpel und nach gut fünf bis acht Inseln etwas eintönig. Doch wer danach glaubt, alles läuft so weiter, hat den Kern des Spiels verschlafen.

Schwerter, Schilder, Piken, Bögen

Je nach der Anzahl der auf einer Insel geretteten Gebäude hat man Münzen zur Verfügung, die man den immer zahlreicher werdenden Kommandeuren zukommen lassen kann. Zudem sind Gegenstände, meist Waffen, auffindbar. Die Aufgabe des Spielers ist es, die Kommandeure einerseits mit den Münzen hochzuleveln und andererseits zu spezialisieren. So wird aus einem Anfangstrüppchen schnell entweder ein mit Schilder und Schwertern ausgerüsteter Angriffstrupp, eine Weg-versperrende Verteidigungstruppe mit Piken oder eine Bogenschützengruppe, die Angreifer und deren Schiffe von weiter entfernt mit Pfeilen eindecken kann. Bis zu vier Truppen kann man später zeitgleich steuern.

Pro Trupp hat man zwischen den Runden drei Upgrade-Felder. Gefundene Gegenstände können im ersten Feld ausgerüstet werden und beispielsweise einen zusätzlichen Angriffsbonus geben. Die Spezialisierung wählt man im mittleren Feld: hier kann man meist zwischen zwei Fähigkeiten wählen, die man mit dem erspielten Gold erkaufen muss. Truppen werden dadurch immer besser bewaffnet und gepanzert. Spezialfähigkeiten schaltet man im dritten Feld frei, etwa, dass eine Piken-Gruppe in einer Linie angreift und so ein Boot schon vor dem Anlegen versenken kann.

Planung absolut erforderlich

Komplex ist das System nicht, aber der Einsatz der knappen Ressourcen möchte geplant sein. Setzt man gut aufgerüstete Kommandeure oder doch Neuankömmlinge ein? Und welche Truppen rüstet man wie auf? Das sind die entscheidenden Fragen, denn brennen die Angreifer regelmäßig die Gebäude auf unserer Insel nieder, sind die Upgrade-Münzen futsch und wir werden im Angesicht der zahlreicher werdenden Schiffe immer unterlegener. Erschwerend kommt hinzu, dass die Angreifer unsere Truppen komplett auslöscht, wenn man nicht fliehen kann. Und ausgelöschte Truppen sind mit allen Upgrades für immer verloren.

Vermissen könnte man, dass Bad North nichts in eine neue Kampagne mitgibt. Hat man sich in anderen Spielen nach einem Durchgang Upgrades oder Gegenstände freigeschaltet, startet man hier immer in der gleichen Ausgangslage ohne Verstärkung. Außerdem bedeutet der Verlust eines Kommandeurs meist das unweigerliche Spielende, da man mit einem ausgebildeten Trupp weniger keine Chance mehr hat. Gerade Profi-Strategiespieler wird's freuen: Bad North ist brutal hart im "Schwierig"-Modus und noch immer sehr, sehr anspruchsvoll im "Normal"-Modus.

Fazit

Im Rahmen des minimalistisch inszenierten Games wird der ein oder andere Spieler sicherlich eine größere Story, eine leichter zugängliche Einführung und ein paar spannende Zwischensequenzen vermissen. Auch jene, die einen leichtem Schwierigkeitsgrad suchen, werden hier nicht bedient, denn das Spiel kennt kein Erbarmen. Es kann schon Frust aufkommen, wenn man einen Trupp verliert und dadurch dann eine ganze Kampagne in die Tonne treten kann. Und gerade zu Beginn übersieht man durch die vermeintliche Eintönigkeit schnell das tiefergehende Erlebnis, das Bad North zu bieten hat.

Auf der Haben-Seite ist Bad North nämlich ein absolut faires Spiel, das gute Vorbereitung benötigt. Der Stil ist trotz der minimalistischen Umsetzung einzigartig und hübsch, und auch wenn nur Pixel-Pfeile und -Schwerter zu sehen sind, lässt sich die Brutalität der Schlachten erahnen. Wer beinharte Echtzeit-Strategiespiele mag, wird von Bad North jedenfalls nicht enttäuscht sein. Mitbringen muss man dazu allerdings die Fähigkeit, Dutzende Züge im Voraus zu denken und sich von wiederholenden Fehlschlägen nicht frustrieren zu lassen.

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