Game Review

06. November 2017 12:17; Akt: 06.11.2017 12:22 Print

Call of Duty: WWII im Test - bildgewaltiger Weltkrieg

von Rene Findenig - Activision kehrt mit Call of Duty: WWII nicht nur zu den Wurzeln des Weltkriegs zurück, sondern auch der Heldenlegende den Rücken.

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Spieler schlüpfen in die Rolle von Ronald "Red" Daniels, einem Mitglied der 1. US-Infanteriedivision. Er arbeitet mit den britischen Streitkräften und der französischen Resistance zusammen, um sich von der Normandie bis nach Deutschland durchzukämpfen. Kurz vor dem Sturm auf die Normandie schwelgt "Red" in Erinnerungen an seine Liebsten und mit jedem Meter Richtung Strand nimmt das Entsetzen des jungen Soldaten zu. "Red" ist wie der Spieler in gewissem Maße hilflos ob der Schlacht, die seine Kameraden verschlingt und ihn schutzsuchend zurücklässt. Es sind Bilder, die sich ins Gehirn brennen: Am Strand liegen Leichen und zerfetzte Körperteile, man hört Schreie, Kugeln und Explosionen. Dass sich Activision zwischenzeitlich vom futuristischen Setting der Vorgänger verabschiedet, war eine weise Entscheidung. Die Kernelemente der CoD-Reihe findet man allerdings auch in WWII wieder. Call of Duty: WWII profitiert deutlich davon, dass nicht mehr vorwiegend auf gewaltige Gegnermassen geschossen wird, sondern immer wieder Einzelbegegnungen hervorstechen. Besonders bei den Charakteren haben die Entwickler dieses Mal den Nerv getroffen. Die Kameraden und Mitstreiter von Daniels wurden mit detaillierten Hintergrundgeschichten versehen und wachsen dem Spieler sofort ans Herz. Neben der gut zehn Stunden langen Kampagne bringt Sledgehammer Games den Nazi-Zombie-Modus zurück. Hier sind (vorerst) zwei Karten zu finden, auf den der ohnehin hohe Schwierigkeitsgrad halsbrecherisch wird. Anders als jüngere Serienableger hat Sledgehammer keinen überdrehten oder satirischen Zombie-Modus entwickelt, sondern einen harten, direkten und ziemlich nervenzerreißenden Schocker. Abgerundet wird der Modus durch wählbare Spezialfähigkeiten, die sich darum drehen, wie sichtbar man für die Zombies ist und im Gegensatz dazu wie viel Schaden die eigenen Waffen anrichten. Bleibt noch der Multiplayer, der unglaubliche neun Varianten auf neun Karten von "Deathmatch" bis hin zu "Abschuss bestätigt" birgt. Episch zeigt sich vor allem der "Krieg"-Modus. Bis zu sechs Spieler kämpfen sich darin durch drei Karten und haken Missionaufgaben ab. Call of Duty: WWII setzt sich zurecht an die Spitze der CoD-Spiele und glänzt sowohl mit einer exzellenten Kampagne, als auch mit einem grandiosen Multiplayer mit dem "Krieg"-Modus als Sahnehäubchen.

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Die Call-of-Duty-Reihe glänzte immer mit großartigen Szenarien, feierte dabei die Hauptfigur aber bis auf wenige Ausnahmen als abgebrühten oder blitzsauberen Helden ab. Damit macht WWII nun Schluss. Spieler schlüpfen in die Rolle von Ronald "Red" Daniels, einem Mitglied der 1. US-Infanteriedivision. Er arbeitet mit den britischen Streitkräften und der französischen Resistance zusammen, um sich von der Normandie bis nach Deutschland durchzukämpfen.

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Schon der Beginn zeigt, dass WWII kein Gewaltepos sein soll, sondern ein tiefgründiges Drama, das Zocker nicht zum Ballermann, sondern vielfach zum schockierten Zuschauer macht. Kurz vor dem Sturm auf die Normandie schwelgt "Red" in Erinnerungen an seine Liebsten und mit jedem Meter Richtung Strand nimmt das Entsetzen des jungen Soldaten zu.

"Red" ist wie der Spieler in gewissem Maße hilflos ob der Schlacht, die seine Kameraden verschlingt und ihn schutzsuchend zurücklässt. Es sind Bilder, die sich ins Gehirn brennen: Am Strand liegen Leichen und zerfetzte Körperteile, man hört Schreie, Kugeln und Explosionen. Auch wenn es Daniels schafft, sich den Weg freizusprengen, bleibt doch der Eindruck, der sich durch das Spiel ziehen wird: Das ist das grausame Gesicht eines Krieges, in der es keinen Helden geben wird und man ums nackte Überleben kämpft.

Cutscenes und Interaktionen

Dass sich Activision zwischenzeitlich vom futuristischen Setting der Vorgänger verabschiedet, war eine weise Entscheidung. Die Kernelemente der CoD-Reihe findet man allerdings auch in WWII wieder. So stehen wieder Skript-Geschenisse, meist inklusive Videosequenzen, als wichtiges Story-Tool bereit. Dazu kommen Quicktime-Events, die gut platziert wurden.

Ein Beispiel: "Red" nimmt Gegner von einem Kirchturm aus ins Visier, in einer Sequenz wird dieser bombardiert und im darauf folgenden Quicktime-Event muss sich "Red" mit einem Sprung vom einstürzenden Gebäude retten. Alles fügt sich fast nahtlos zusammen und wirkt so äußerst realistisch. Neu ist, dass der Spieler oft zum geschockten Beobachter wird und die wichtigen Szenen verpflichtend beobachten muss. Das hat den Effekt, dass kein grausames Detail in der Hektik des Gefechts verpasst wird.

Einzelbegegnungen statt Massengefecht

Call of Duty: WWII profitiert deutlich davon, dass nicht mehr vorwiegend auf gewaltige Gegnermassen geschossen wird, sondern immer wieder Einzelbegegnungen hervorstechen. Wenn ein Soldat aus einem Panzer springt und seine Waffe auf einen von "Reds" Kameraden richtet oder eine Zeitlupeneinstellung die Kugeln an "reds" Freund vorbeirauschen lassen, ist das deutlich nervenzerfetzender als das Schießen auf Dutzende heranstürmende Gegner.

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Nicht nur Ronald Daniels ist vom Spieler steuerbar, sondern auch seine Mitstreiter. So schleicht man sich später als Résistance-Kämpferin Camille "Rousseau" Denis undercover in ein deutsches Hauptquartier und kann die gesamte Mission auch unerkannt bleiben, statt auf Waffengewalt zu setzen. Solche optionalen und mitunter auch verpflichtenden Schleichpassagen treten immer mal wieder im Verlauf des Spiels hervor.

Abwechslungsreich und spannend

Die Story-Kampagne von Call of Duty: WWII ist unglaublich spannend und abwechslungsreich gestaltet und avanciert im Verlauf zur besten Erfahrung, die Activision je in einem Call-of-Duty-Titel abgeliefert hat. Und das will was heißen, waren die bisherigen CoD-Kampagnen fast durchwegs grandios umgesetzt. In WWII tut aber neben der Action zu Fuß, in steuerbaren Panzern und Fliegern sowie packenden Szenarien die Grafik ihr übriges. Mehr als nur einmal fragt man sich, ob da schon Filmszenen oder noch Gamegrafiken zu sehen sind.

Besonders bei den Charakteren haben die Entwickler dieses Mal den Nerv getroffen. Die Kameraden und Mitstreiter von Daniels wurden mit detaillierten Hintergrundgeschichten versehen und wachsen dem Spieler sofort ans Herz. Zudem wirken alle Figuren glaubwürdig – Vorgesetzte versprühen Härte und Kampfgeist, Kameraden versuchen Angst und Schrecken mit Humor und persönlichen Geschichten zu überspielen. Kalt lässt das keinen. Vor allem: Keiner der Figuren wird als unbesiegbarer Held gefeiert, vielmehr steht die Kameradschaft im Mittelpunkt, über die Mann im Weltkrieg zu überleben versucht.

So politisch wie nie

Bis auf einige Szenen-Ausreißer war Call of Duty nie berühmt dafür, politische Botschaften zu senden. Auch hier wirft WWII alles über den Haufen. Schonungslos gibt es den Völkermord an den Juden und die Massenvernichtungspläne der Nazis zu sehen. Erhängte Zivilisten, verrottende Kadaver, verzweifelt schreiende Verwundete, WWII scheut es nicht, die Grausamkeiten des Krieges zu zeigen und den Spieler darüber nachdenken zu lassen.

Traditionell grandios wurde die Steuerung und das Ausrüstungssystem umgesetzt. Hier gibt es nur kleine Änderungen. So gibt es nun Medikits statt des automatischen Regenerationssystems und diese können nicht nur gefunden, sondern in gewissen Missionen auch von einem Begleiter angefordert werden. Ein anderer Begleiter wiederum kann zur Aufklärung eingesetzt werden und markiert Gegner, die er ausgespäht hat. Oder aber, man lässt sich von Kollegen mit Munition, Sprengstoff und Luftunterstützung versorgen. Ein gelungenes Unterstützungsfeature.

Keine dummen Feinde

Verbessert zeigt sich in WWII sowohl die Begleiter-, als auch die Gegner-KI. Begleiter sorgen für gute Unterstützung, ohne dabei den Großteil der Arbeit zu machen. Feinde zeigen sich beim Schießen präzise und gehen auch gekonnt in Deckung, wenngleich sie auch immer wieder auf Fallen und Überraschungsangriffe hereinfallen. Aber auch dann kommt es immer mal wieder vor, dass sie sich überraschend heftig gegen den Hinterhalt wehren und unseren Trupp zurückdrängen können.

Grafisch zeigen sich vor allem Verbesserungen bei den beeindruckend realistischen Gesichtsanimationen und den Umgebungen, die man teils auch umgestalten, sprich zerstören kann. Effekte können dabei nicht ganz mithalten, vor allem Rauchschwaden wirken etwas gekünstelt. Dennoch: So schön hat sich noch kein CoD präsentiert und in Verbindung mit dem zur jeweiligen Situation toll gewählten Sound zeigt sich ein gutes Gesamtbild.

Die Nazi-Zombies kommen

Neben der gut zehn Stunden langen Kampagne bringt Sledgehammer Games den Nazi-Zombie-Modus zurück. Hier sind (vorerst) zwei Karten zu finden, auf den der ohnehin hohe Schwierigkeitsgrad halsbrecherisch wird. Gespielt wird solo oder mit bis zu drei Kollegen im Koop. War der Modus in der Vergangenheit Garant für Humor, ist er dieses Mal stark Horror-orientiert. Dass immer mehr Wellen an Untoten auftauchen, blieb hingegen gleich.

Abgerundet wird der Modus durch wählbare Spezialfähigkeiten, die sich darum drehen, wie sichtbar man für die Zombies ist und im Gegensatz dazu wie viel Schaden die eigenen Waffen anrichten. Auch drei tragbare Mods für mehr Waffenplatz oder Gesundheit sowie temporäre Effekte sorgen für Abwechslung. Bleibt noch der Multiplayer, der unglaubliche neun Varianten auf neun Karten von "Deathmatch" bis hin zu "Abschuss bestätigt" birgt. Episch zeigt sich vor allem der "Krieg"-Modus. Bis zu sechs Spieler kämpfen sich darin durch drei Karten und haken Missionaufgaben ab. Dabei wechseln die Rollen von Angreifer und Verteidiger in zwei Runden. Hier kommt mit dem richtigen Team ein spannendes Gameplay zustande, das in keinem CoD mehr fehlen darf.

Bildgewaltiger Weltkrieg

Call of Duty: WWII setzt sich zurecht an die Spitze der CoD-Spiele und glänzt sowohl mit einer exzellenten Kampagne, als auch mit einem grandiosen Multiplayer mit dem "Krieg"-Modus als Sahnehäubchen. Während Action, Sound und Steuerung weiter ihre Stärken ausspielen, wurden Handlung und Charaktergestaltung gut verbessert. Kleine Neuerungen wie das Unterstützungssystem und das schonungslose Zeigen der Kriegsschrecken passen sich lückenlos in den Shooter ein.

Entsprechend brutal geht es auch im Zombie-Modus zu. Anders als jüngere Serienableger hat Sledgehammer keinen überdrehten oder satirischen Zombie-Modus entwickelt, sondern einen harten, direkten und ziemlich nervenzerreißenden Schocker. Verpassen sollte Call of Duty: WWII kein Shooter-Fan, weder Single-, noch Multiplayer. Egal in welchem Modus, Call of Dutys langerwartete Rückkehr zu den Zweiten-Weltkriegs-Wurzeln ist überragend gelungen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yve Stritzi am 06.11.2017 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wuhuu

    I muss zuerst die PS4 gewinnen dann kann ichs auch testen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Yve Stritzi am 06.11.2017 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wuhuu

    I muss zuerst die PS4 gewinnen dann kann ichs auch testen