Detroit: Become Human

24. Mai 2018 14:00; Akt: 25.05.2018 14:39 Print

Der größte Androiden-Thriller seit Blade Runner

von Rene Findenig - Der Vergleich mit Blade Runner hinkt nicht: Auch wenn Detroit: Become Human ein PS4-Spiel ist, ist es auch ein Film-Epos der Sonderklasse.

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Detroit: Become Human versetzt uns ins Jahr 2038, in dem Androiden längst am Massenmarkt gekauft werden und Millionen menschengleiche Maschinen als Arbeiter, Einsatzkräfte oder Haushaltshilfen tätig sind. Die Gesellschaft sieht in ihnen offenbar Sklavenpotential - auch wenn sie wichtige Aufgaben übernehmen, sie werden meist als "Dinge" behandelt. Detroit: Become Human beschäftigt sich im Verlauf nicht nur mit der Frage, ob Androiden Gefühle entwickeln können. Der Science-Fiction-Thriller geht einen Schritt weiter. In den verschiedenen Kapiteln übernimmt der Spieler die Rolle der drei Protagonisten Markus, Connor und Kara und kann mitverfolgen, wie die Maschinenwelt ein Eigenleben entwickelt. Im Stile der Vorgänger-Titel "Heavy Rain" und "Beyond: Two Souls" ist das Spiel nicht nur Spiel, sondern auch eine Art interaktiver Film. Und bei weitem ausführlicher, grafisch opulenter und eindrucksvoller als die bisherigen Machwerke. Die drei Androiden werden abwechselnd gesteuert und ihre Geschichten überschneiden sich immer wieder. Besonders: dieses Mal sind die vom Spieler zu treffenden Entscheidungen bedeutender. Im Erstfall sterben nämlich alle drei Androiden einen vorzeitigen Bildschirmtod. Das Gameplay beschränkt sich meist auf Quicktime-Events und Dialogoptionen sowie das Durchsuchen der Umgebung oder das Berechnen von Situationen. Was spielerisch wenig eindrucksvoll klingt, hat aber durchaus seinen Reiz. Denn die dramatischen Wendungen der Geschichte, die vielen Handlungsstränge und die emotionale Story machen Detroit: Become Human zu einem Film, den man immer wieder spielen kann und will, denn mit jeder Entscheidung ändert sich die Handlung zum Teil dramatisch. Die Figuren wurden stark und überzeugend umgesetzt, Grafik und Musik sind Spitzenklasse. Da macht es auch nichts, dass sich bei den vielen Handlungssträngen manchmal zwangsläufig kleine Logikfehler einschleichen oder die "Android entwickelt Gefühle"-Thematik an der Oberfläche bleibt. Egal ob man beim Gameplay reduzierte und dafür stark handlungsgetriebene Spiele mag oder nicht, Detroit: Become Human ist ein Titel der Extraklasse. Nicht nur, dass das Spiel mit Grafik, Sound, Story und Handlungsmöglichkeiten überzeugt. Es ist ein Androiden-Thriller, der so wie damals der Film "Blade Runner" begeisterte. Nur dieses Mal kann man den "Film" Mal um Mal von vorne beginnen, und er wird immer anders, aber immer sensationell gut sein.

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Während Androiden-Filme wie "I, Robot", "Ghost in the Shell", "Automata" und zum Teil auch "Avengers: Age of Ultron" zwar solide Science-Fiction-Kost bieten, bleiben die Handlung und die dahinterliegenden Motive an der Oberfläche. Die Frage, ob hochentwickelte Künstliche Intelligenz auch Gefühle und eigene Motivationen entwickeln kann, wird dafür eindrucksvoll in Filmen wie "Blade Runner" oder Serien wie "Westworld" diskutiert.

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Den qualitativen Vergleich nicht zu scheuen braucht der PS4-exklusive Titel Detroit: Become Human des französischen Entwicklerstudios Quantic Dream. Das Game versetzt uns ins Jahr 2038, in dem Androiden längst am Massenmarkt gekauft werden und Millionen menschengleiche Maschinen als Arbeiter, Einsatzkräfte oder Haushaltshilfen tätig sind. Die Gesellschaft sieht in ihnen offenbar Sklavenpotential – auch wenn sie wichtige Aufgaben übernehmen, werden sie meist als "Dinge" behandelt.

Detroit: Become Human beschäftigt sich nicht nur mit der Frage, ob Androiden Gefühle entwickeln können. Der Science-Fiction-Thriller geht einen Schritt weiter. In den verschiedenen Kapiteln übernimmt der Spieler die Rolle der drei Protagonisten Markus, Connor und Kara und kann mitverfolgen, wie die Maschinenwelt ein Eigenleben entwickelt und sich die Androiden mit ihrem neuen Bewusstsein entweder gegen ihre Schöpfer auflehnen oder versuchen, sich in die Gesellschaft einzugliedern.

Spiel und interaktiver Film

Die Ausgangslage ist sehr differenziert, Morde an Androidenbesitzern häufen sich und jemand mit dem Decknamen "ra9" scheint dahinterzustecken. Markus ist ein so genannter "Abweichler", der bereits die Grenzen seiner Programmierung hinter sich gelassen hat und dem Vorhaben nachgeht, eine Untergrundvereinigung rebellischer Androiden anzuführen. Gejagt werden "Abweichler" unter anderem vom Androiden Connor, der als Spezialermittler der Polizei bisher den Regeln der Menschheit folgt. Besonders spannend ist die Handlung rund um Kara, die als "Abweichlerin" eingestuft wird, nachdem sie ein menschliches Kind vor ihrem gewalttätigen Vater schützt und fortan auf der Flucht vor den Behörden ist.

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Im Stile der Vorgänger-Titel "Heavy Rain" und "Beyond: Two Souls" ist das Spiel nicht nur Spiel, sondern auch eine Art interaktiver Film. Und bei weitem ausführlicher, grafisch opulenter und eindrucksvoller als die bisherigen Werke. Die drei Androiden werden abwechselnd gesteuert und ihre Geschichten überschneiden sich immer wieder. Besonders: Diesmal sind die vom Spieler zu treffenden Entscheidungen bedeutender. Im Ernstfall sterben nämlich alle drei Androiden einen vorzeitigen Bildschirmtod. Ein einfacherer Spielmodus greift dabei Neulingen unter die Arme. Das Gameplay beschränkt sich meist auf Quicktime-Events und Dialogoptionen sowie das Durchsuchen der Umgebung oder das Berechnen von Situationen.

Dramatische Wendungen, tolle Grafik

Was spielerisch wenig eindrucksvoll klingt, hat aber durchaus seinen Reiz. Denn die dramatischen Wendungen der Geschichte, die vielen Handlungsstränge und die emotionale Story machen Detroit: Become Human zu einem Film, den man immer wieder spielen kann und will, denn mit jeder Entscheidung ändert sich die Handlung zum Teil dramatisch. Die Figuren wurden stark und überzeugend umgesetzt, Grafik und Musik sind Spitzenklasse. Da macht es auch nichts, dass sich bei den vielen Handlungssträngen manchmal zwangsläufig kleine Logikfehler einschleichen oder die "Android entwickelt Gefühle"-Thematik an der Oberfläche bleibt.

Besonders die Beziehung zwischen Androiden-Ermittler Connor und seinem Menschen-Kollegen ist emotional sehr mitreißend und eines der Highlights des Titels. Den realistischen Eindruck verstärkt die unfassbar gute Grafik. Spielwelt, Figuren, Lichter und Wasser wurden unglaublich gut umgesetzt und lassen staunen. Nicht viele Spiele schafften es bisher, einen derart hohen Grad an "Motion Capture"-Qualität anzubieten. Und einige Szenen werden, ohne zu übertreiben, als (wenngleich möglicherweise auch inhaltlich verstörende) Musterbeispiele für Game-Sequenzen eingehen.

Immer anders, immer gut

Gut 30 Stunden muss man für einen Durchgang von Detroit: Become Human einplanen. Realistisch wird man sich weit länger mit dem Spiel beschäftigen, denn im Gegensatz zu den Quantic-Dream-Vorgänger ist hier die Zahl der möglichen Spielverläufe fast unendlich. Schon aus den getroffenen Anfangsentscheidungen im Spiel ergeben sich immer neue Handlungsstränge, die mehr als eine billige Ablenkung sind, sondern jeder für sich seine eigene Geschichte erzählt. Zum Ende jeder Episode bekommt man zumindest einen minimalen Überblick darüber, was hätte passieren können. Der Wiederspielwert jedenfalls ist enorm.

Wem die Bombast-Grafik, der passende Sound und die packende Geschichte nicht reicht, der bekommt zum Ende einer Episode auch Punkte, mit denen sich der Soundtrack oder Zusatzvideos freischalten lassen. Eine nette Dreingabe. Ebenso das Menü, das von einer Androidin namens Chloe betreut wird, die auf den Spieler mit verschiedenen Emotionen reagiert. So geht Menüführung heute! Egal ob man beim Gameplay reduzierte und dafür stark handlungsgetriebene Spiele mag oder nicht, Detroit: Become Human ist ein Titel der Extraklasse. Nicht nur, dass das Spiel mit Grafik, Sound, Story und Handlungsmöglichkeiten überzeugt. Es ist ein Androiden-Thriller, der so wie damals der Film "Blade Runner" begeisterte. Nur dieses Mal kann man den "Film" Mal um Mal von vorne beginnen, und er wird immer anders, aber immer sensationell gut sein.

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