Abzocke mit Loot-Boxen

27. November 2017 07:08; Akt: 28.11.2017 05:52 Print

So rauben uns die Game-Entwickler den Spielspaß

von Jan Graber - In der Gamewelt ist eine heftige Diskussion um Mikrotransaktionen entbrannt. Die Branche macht sich damit einen zu kurzsichtigen Gefallen.

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Das Action-Adventure-Game "Mittelerde: Schatten des Krieges" steckt voller Loot-Boxen mit Goodies. Nur sind diese immer schwieriger zu erreichen - bis Spieler ins Portemonnaie greifen. Rückzieher: Nach heftiger Kritik entfernte Electronic Arts die Mikrotransaktionen aus dem Spiel "Star Wars: Battlefront 2" wieder. "Guitar Hero Live" knöpfte Spielern Geld für Songs ab, die sich nur während 24 Stunden spielen ließen. Das Basketballspiel "NBA 2K18" lässt Spieler bluten, die im "My Career"-Modus eine eigene Figur mit individuellem Aussehen und Fähigkeiten aufbauen wollen. Leichter tödlich: Im Prügelspiel "Mortal Kombat X" lassen sich mit realem Geld leichter auszuführende "Fatalities" (besonders brutale Abschluss-Moves) kaufen. Geld für Gegner: Im Sci-Fi-Actionspiel "Mass Effect 3" gelingt die Freischaltung von neuen Charakteren im Co-op-Multiplayermodus nur mit unendlicher Geduld, enorm viel Glück oder dem Griff ins Portemonnaie. Verlor auf der ganzen Länge: Das vielversprechende Multiplayer-Actiongame "Evolve" wollte Spielern so viel Geld für Skins, Monster und Charaktere abknöpfen, dass sich die meisten schließlich vom Spiel abwendeten. Im Singleplayer-Game "Dead Space 3" versuchten die Entwickler den Spielern Geld für Waffenupgrade-Komponenten aus der Tasche zu ziehen - für Aufrüstungen, die am Ende wenig brachten. Überblick nur für Cash: In "Assassin's Creed Unity" gabs gewisse Sammelstücke nur gegen die extrem rare In-Game-Währung Helix. Diese ließ sich freilich auch durch reales Geld besorgen. Einige rennentscheidende Modifikationen der Bolliden in "Forza Motorsport 7" sind nur in sogenannten Preiskisten enthalten. Diese gibts natürlich nur gegen reales Geld - oder viel Glück und Geduld. Kohle zum Verpulvern: Im Actionspiel "Deus Ex: Mankind Divided" zogen die Entwickler den Spielern Geld für Objekte aus den Taschen, die sich nur einmalig verwenden ließen, wie zum Beispiel Munition oder Aufrüstungsgegenstände. Bei einem zweiten Spieldurchlauf waren die erstandenen Goodies wieder weg. Spielversicherung: Im Multiplayermodus des Actionspiels "Metal Gear Solid 5" konnten Spieler ihre Online-Basisstation für reales Geld gegen Beschädigungen versichern lassen.

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Stellen Sie sich vor, sie kaufen sich Wellness-Ferien in einem Luxushotel direkt am Meer mit allem, was Sie sich wünschen: Einen makellosen Strand, Saunen und Bäderlandschaften, Massage- und Beauty-Angebot sowie erstklassige Restaurants und eine Cocktail-Bar. Sie haben viel Geld dafür bezahlt, stürzen sich ins Vergnügen – und stellen fest, dass Sie zu all den schönen Orten nur gegen Geld Zugang haben. Oder nur dann, wenn Sie genügend Treuepunkte gesammelt haben.

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In dieser Lage sehen sich derzeit Gamer, wenn sie ein Spiel wie "Mittelerde: Schatten des Krieges" oder "Call of Duty: WWII" kaufen. Sie blättern fürs Spiel 40 bis 60 Euro und mehr hin (für die Deluxe-Edition auch mal 90 Euro). Beim Spielen stellen sie aber fest, dass das Beste – die großen Helden, die besten Waffen, die epischen Momente – entweder nur gegen zusätzliches Geld oder sehr viel Geduld zu haben ist: Wenn sie das Game so lange spielen, bis genügend Punkte für die Freischaltung der Goodies gesammelt sind – was dauern kann. Die Rede ist vom Geschäft mit den Mikrotransaktionen und Loot-Boxen und dem Sturm der Entrüstung, den die neueste Erfindung der Gamebranche ausgelöst hat.

Fiese Tricks

Selbstverständlich gehören Herausforderung mit anschließender Belohnung zu einem Game, wie die rote Mütze zu Super Mario. Auch verschlingt die Herstellung von Blockbuster-Games bis zu dreistellige Millionenbeträge und irgendwie muss das Geld wieder eingespielt werden. Fließt der Cash, lassen sich allfällige zukünftige Flops abfedern – und zudem wollen auch die Aktionäre bei Laune gehalten werden. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, das sehen wohl auch diejenigen Gamer so, die bereit sind, fürs schnellere Spielvergnügen in die Tasche zu greifen.

Im Grunde aber handelt es sich um ein hinterhältiges Game mit Lust und Frust. In der Free-to-Play-Welt (von der die Idee stammt) nennt man es "Fun Pain" – ein Trick, der Spieler genau so viel leiden lässt, bis sie zum Geldbeutel greifen, um den Schmerz zu lindern. Da sich Spieler aber oft nicht sicher sind, welches Game-Goodie sie gegen ihr Geld erhalten, wird die Praxis von kritischen Seiten als Glücksspiel bezeichnet – etwas, das unters Glückspielgesetz fällt.

Kurzsichtiges Denken

Mit der Idee, so ans schnelle Geld zu kommen, schießt sich die Branche ins eigene Knie. Sie gibt sich zwar nahe an der Game-Community, profitiert von ihren Ideen und Anregungen, ist sich gleichzeitig aber nicht zu schade, sie für den schnellen Cash zu melken. Dass hier die Wogen hochgehen und beispielsweise Electronic Arts fürs Game "Star Wars: Battlefront II" ins Kreuzfeuer geraten ist, versteht sich von selbst.

EA hat denn auch bereits reagiert und die Idee mit den Mikrotransaktionen vorerst wieder fallen gelassen. Andere fangen gar nicht erst damit an: So sagte der Studiochef von CD Project RED ("Witcher"-Serie), Adam Kicinski, er überlasse die Gier lieber den anderen. Sein neuestes Werk "Cyberpunk 2077" solle ein ehrliches Werk bleiben.

Abschließend handelt es sich bei den Mikrotransaktionen um ein kurzsichtiges Denken: Zwar sind Spieler bereit, fürs Vergnügen zusätzlich in die Tasche zu greifen, das Vertrauen geht langfristig aber verloren. Wer will wirklich Geld für ein Spiel ausgeben, dessen Inhalt vielleicht unvollständig ist und wofür mit zusätzlichen Ausgaben zu rechnen ist? Oder würden Sie ein Wellness-Hotel buchen, wenn Sie nicht wissen, unter welchen Umständen Sie die Sauna benutzen dürfen?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Berta am 27.11.2017 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Glückspiele eindeutig...

    Genau aus den Gründen kaufe ich keine Spiele mehr, zb EA.. Generell dürften diese Spiele eher in den Bereich Glücksspiel fallen, das heißt der Gesetzgeber sollte hier eine Überprüfung machen ob Glücksspiel oder nicht. Meiner Meinung nach ja, viele haben alles verzockt und haben durch das massive Probleme..

  • Alex am 27.11.2017 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin ein Zocker, aber ..

    für "Mikrotransaktionen" habe ich KEIN Verständnis. Wenn ich ein Game kaufe dann MÜSSEN auch alle Inhalte freigeschalten sein. Diese "Loot-Boxen" sind glatter BETRUG. Anders sehe ich die Sache bei den sogenannten "DLC"-Erweiterungen, aber der Vergleich zw DLC und LOOT hinkt nicht nur sondern ist unzulässig.. Und DLS's habe ich auch schon welche dazu gekauft (FABLE 2 und 3), #XBOX

  • lack macke am 27.11.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin ein game-kind

    seit den ende 70gern, jede konsole bis vor 3 jahren durch genommen, ich habe gehakt, gecrackt und vieles mehr und sicher ohne hilfe 5000 titel zu ende gespielt! heute gamen heisst für mich frust, genervt und extremen unkosten ausgesetzt sein, schon darum SOLLTE man spiele heute cracken, die geld geilheit der spieleanbieter ist ins unermessliche gestiegen, das gamen aber nur noch frust....schon früher hiess es immer Raubkopien und cracken treibt die firmen unweigerlich in den ruin! komisch, es gibt sie ja immer noch und grösser den je!!!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Alex am 27.11.2017 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin ein Zocker, aber ..

    für "Mikrotransaktionen" habe ich KEIN Verständnis. Wenn ich ein Game kaufe dann MÜSSEN auch alle Inhalte freigeschalten sein. Diese "Loot-Boxen" sind glatter BETRUG. Anders sehe ich die Sache bei den sogenannten "DLC"-Erweiterungen, aber der Vergleich zw DLC und LOOT hinkt nicht nur sondern ist unzulässig.. Und DLS's habe ich auch schon welche dazu gekauft (FABLE 2 und 3), #XBOX

  • Raphael am 27.11.2017 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die neuen, guten Spiele?

    Es ist sehr bezeichnend für die Branche, dass in der Ranglieste der besten 20 Spiele in der Regel die grosse Anzahl der Spiele 15-20 Jahre alt sind. Und wenn mal ein neueres Spiel (Skyrim, Witcher usw.) die Ranglieste anführt, bleibt es jahrelang dort. Etwas neues, gescheites kommt fast nicht mehr auf den Markt. Es geht offenbar nur noch ums Geld machen und nicht mehr um Qualität.

  • lack macke am 27.11.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin ein game-kind

    seit den ende 70gern, jede konsole bis vor 3 jahren durch genommen, ich habe gehakt, gecrackt und vieles mehr und sicher ohne hilfe 5000 titel zu ende gespielt! heute gamen heisst für mich frust, genervt und extremen unkosten ausgesetzt sein, schon darum SOLLTE man spiele heute cracken, die geld geilheit der spieleanbieter ist ins unermessliche gestiegen, das gamen aber nur noch frust....schon früher hiess es immer Raubkopien und cracken treibt die firmen unweigerlich in den ruin! komisch, es gibt sie ja immer noch und grösser den je!!!

  • Berta am 27.11.2017 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Glückspiele eindeutig...

    Genau aus den Gründen kaufe ich keine Spiele mehr, zb EA.. Generell dürften diese Spiele eher in den Bereich Glücksspiel fallen, das heißt der Gesetzgeber sollte hier eine Überprüfung machen ob Glücksspiel oder nicht. Meiner Meinung nach ja, viele haben alles verzockt und haben durch das massive Probleme..