Psychospiele

25. Mai 2017 10:29; Akt: 25.05.2017 10:40 Print

Werden Online-Gamer bald zwangstherapiert?

Die Weltgesundheitsorganisation und eine psychologische Vereinigung wollen Gamen möglicherweise zur Sucht erklären.

Die WHO und die APA wollen die Online-Gamesucht als Krankheitsbild bestimmen. Sind damit e-Sportler, die ausgiebig viel spielen, ebenfalls potenziell krank? (Bild: Reuters/Jean-Paul Pelissier)

Die WHO und die APA wollen die Online-Gamesucht als Krankheitsbild bestimmen. Sind damit e-Sportler, die ausgiebig viel spielen, ebenfalls potenziell krank? (Bild: Reuters/Jean-Paul Pelissier)

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Wenn eine Person ausgiebig spielt, und sich besonders oft in Online-Games vergnügt, ist das Wort Spielsucht jeweils schnell zur Hand. Während der Verdacht bislang auf wackeligen Beinen Füßen stand und für exzessives Online-Spielen kein offizielles Krankheitsbild existierte, könnte sich dies laut der Technologie-Plattform "Golem.de" bald ändern.

Umfrage
Empfinden Sie die Bemühungen der WHO und APA, Online-Gamen als Sucht zu definieren, als richtig?
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Demnach arbeiten die American Psychological Association (APA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit, von der Öffentlichkeit mehr oder weniger unbemerkt, an der Definition neuer Krankheitsbilder – darunter Facebook-, Twitter- und Social-Media-Sucht sowie eben Online-Spielsucht. Diese wird als spezifische, eigenständige Störung definiert und unterscheidet sich grundlegend von der bekannten Spielsucht, zum Beispiel im Casino und im Glücksspiel.

Neue Geldmaschine?

Sollten diese Krankheitsbilder den Weg in die offiziellen Listen finden, würden sich für Ärzte und Psychologen bald neue Geschäftsfelder auftun und die Dienstleistungen – Therapien, akute Behandlungen – ließen sich verrechnen. Damit würde laut Thorsten Quandt, Professor und Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster, der den Artikel für "Golem.de" verfasst hat, eine substanzielle neue Risikogruppe erschlossen.

Zwar sei es noch nicht so weit und die Definition der Krankheitsbilder befände sich noch in der Ausarbeitung. Dennoch regt sich bereits Widerstand. So warnen Wissenschaftler vor einer Pathologisierung alltäglicher Mediennutzung. Auch weist Quandt darauf hin, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung zur Online-Spielsucht dürftig sind. Besonders neuere Studien namhafter Journale seien nicht berücksichtigt worden. Weiter hätten großangelegte Studien zum Thema nur wenige Betroffene gefunden, die zudem selbst kaum Probleme mit ihrem Zustand gehabt hätten.

Still und heimlich krank

Quandt zählt die Bemühungen, die Online-Spielsucht zu definieren, zur sogenannten "moralischen Panik", die bereits bei anderen Medien wie der Literatur, bei Comics und der Rockmusik zu Überreaktionen geführt hätte. Zwar sehen auch Wissenschaftler die ungebremste Nutzung von Onlinemedien als gesellschaftlich relevantes Problem. Sie werfen aber die Frage auf, wonach die Spieler eigentlich wirklich süchtig sind: Online-Nutzung, spezifische Genres, Videospiele oder etwas anderes?

Diese Wissenschaftler befürchten, dass keine offene Debatte mehr geführt werde, sondern eine "Hardliner-Fraktion" (Quandt) in der APA und der WHO ihre Überzeugungen durchsetzen würde. Das Problem liege darin, dass von heute auf morgen viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene plötzlich therapiebedürftig wären – obwohl kein offensichtliches Problem bestehe. Würde das Online-Gamen plötzlich als mögliche psychische Krankheit definiert, stünden repressive Maßnahmen gegen Einzelne bald auch im Raum.

Quandt sieht deshalb die Möglichkeit, dass hier unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit und der Wissenschaft ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen wird, bei dem es um weit mehr geht als nur um das Hobby von Gamern.

(jag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Just_sayin am 25.05.2017 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ob

    Also, ob ich jetzt den ganzen Abend blöd vorm TV rumknotz, oder halt eben game, is doch egal?! Im Gegenteil. Macht sogar noch mehr Spaß. Daraus jetzt eine Krankheit machen, ist einfach nur dumm.

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  • Pferdetaxi am 26.05.2017 00:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeiten muss man auch ...

    20-40 und mehr Stunden! Ist das dann auch "Sucht"?

  • Activision am 26.05.2017 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cod

    Wenn gamen jetzt zur sucht wird kann ich viell bald in Pension gehen- Alkoholismus ist ja auch ein Pensionsgrund in Österreich...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Activision am 26.05.2017 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cod

    Wenn gamen jetzt zur sucht wird kann ich viell bald in Pension gehen- Alkoholismus ist ja auch ein Pensionsgrund in Österreich...

    • Nörgelino am 26.05.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Activision

      Du hast recht aber das war einmal. Jetzt mußt Du schon im sterben liegen, sonst kriegst Du sie nicht mehr vorzeitig.

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  • Pferdetaxi am 26.05.2017 00:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeiten muss man auch ...

    20-40 und mehr Stunden! Ist das dann auch "Sucht"?

  • Just_sayin am 25.05.2017 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ob

    Also, ob ich jetzt den ganzen Abend blöd vorm TV rumknotz, oder halt eben game, is doch egal?! Im Gegenteil. Macht sogar noch mehr Spaß. Daraus jetzt eine Krankheit machen, ist einfach nur dumm.

    • Nörgelino am 25.05.2017 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Just_sayn

      Wen man sich nicht mehr wäscht, isst nichts mehr mitkriegt was um einen passiert. Dann ist das Sucht.

    • silver. am 25.05.2017 19:18 Report Diesen Beitrag melden

      Why not?

      Seine ganze Freizeit mit dem Anglotzen eines Bildschirms zu verbrauchen (obs nun Fernseher, Computer, Handy oder Tablet), ist aber das klassische Erscheinungsbild einer Sucht. Vor allem wenn Entzugserscheinungen auftreten, wenn man das eine Zeit lang nicht kann. Wenn man junge Menschen durch Therapien helfen kann zu verhindern, dass dieses Hobby mehr und mehr ihrer Zeit wegfrisst, warum nicht?

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