Unheimliche Zockerei

13. Februar 2018 06:00; Akt: 12.02.2018 12:39 Print

Wissen Games bald, wann Frauen ihre Tage haben?

Eine geleakte Präsentation zeigt neue Strategien von Game-Entwicklern, um Geld zu scheffeln. Und sie sind verdammt schräg.

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Dass wir für die großen Unternehmen der Welt ein offenes Buch sind, sollte uns allen bewusst sein. Klar, man kann die Webcam abkleben und keine Produkte von Facebook, Google oder Apple nutzen. Aber um wirklich sicher vor Überwachung zu sein, müsste man sich erstmal ein Jahr tief in die Materie vergraben, bevor man überhaupt begreift, wo und wie man überwacht wird.

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Kürzlich machte im Netz eine angeblich geleakte Powerpoint-Präsentation des Datenhandelsunternehmens Data Broker die Runde. Darin wird erklärt, wie man Gamern am besten zum Geldausgeben bewegen könnte. Und die Methoden sind gar noch um einiges verwerflicher als das Fiasko rund um "Star Wars: Battlefront II", das dem Gamehersteller den Reddit-Kommentar mit den meisten Downvotes jemals einbrachte.

Big Data trifft Games

Die zündende Idee: Mit Hilfe von Big Data und künstlicher Intelligenz soll die "Werbeerfahrung" möglichst präzise auf jeden einzelnen Spieler zugeschnitten werden. Anhand der Spielweise, der Spielzeiten, des Geschlechts, des Alters, des Einkommens oder des Aufenthaltsorts verändert sich das Spiel so, dass man möglichst wahrscheinlich In-Game-Käufe tätigt.

Die Präsentation erläutert gar, anhand von Veränderungen in der weiblichen Stimme das Ende der weiblichen Periode erkennen zu können und dementsprechend Werbung auszuspielen – weil man dann tendenziell empfänglicher für Käufe ist. Auch wenn man derzeit nicht auf die Schnelle passende Algorithmen finden kann – die Möglichkeit, dies mit genügend Daten und Rechenpower erkennen zu können, besteht.

"Eines der mächtigsten Werkzeuge der Welt"

In der Game-Welt ist das Thema rund um die personalisierte Blase noch jungfräulich, aber dank Facebook und Google wissen wir: Die Daten dazu sind zumindest in vielen Fällen bereits vorhanden. Wenn man nicht gerade Edward Snowden ist, weiß das Handy – und somit auch viele Apps –, wo man wohnt, wann man schlafen geht und wer die engsten Freunde sind. Oder um es mit den Worten des Unternehmens hinter der geleakten Präsentation zu sagen: "Daten sind eines der mächtigsten Werkzeuge der Welt. Wenn du sie hast, solltest du daraus Geld machen. Viel Geld."

Das Resultat dieser Entwicklung könnte die verhassten Microtransaktionen in Games noch verbreiterter machen. Und wenn keine entsprechenden Gesetze erlassen werden, werden Game-Unternehmen zu Datenkraken und kaufen sich Facebook-Likes ein – wenn sie die nicht eh schon haben. Danach werden sie Spieler genau dann zum Kauf eines witzigen "GTA"-Outfits überreden, wenn sie ihren Lohn bekommen, statistisch gesehen wahrscheinlich noch zwei Stunden am PC sitzen und das Handy gerade nicht in Greifnähe liegt.

Ist der Leak real?

Wie bei vielen Leaks, die im Netz auftauchen, ist es natürlich schwierig, den Dokumenten vollständig zu trauen. Dass genügend Fachwortschatz und Detailtiefe vorhanden ist, liefert aber bereits einen ersten Hinweis. Außerdem sind die technologischen Möglichkeiten für eine Umsetzung dieses Modells bereits gegeben. Ob die Powerpoint-Präsentation tatsächlich so gehalten wurde oder nicht, spielt demnach gar nicht so eine große Rolle – wir müssen so oder so lernen, mit dieser Zukunft klarzukommen.

(dan/red)