Österreicherin über Sexismus

17. Dezember 2017 18:28; Akt: 17.12.2017 18:44 Print

"Mach mal die Bluse auf, man sieht ja gar nichts!"

Eine 30-jährige Grazerin dokumentiert auf Twitter ihre Begegnungen mit Alltagssexismus in der Arbeitswelt. Tausende Menschen teilen ihre Tweets.

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Ashley Winkler aus Graz arbeitet als freiberufliche Art Directrice und Grafikerin und engagiert sich aktiv in der Flüchtlingshilfe. Außerdem twittert sie. Und zwar regelmäßig. Über ihr Leben, ihren Job, ihre Höhen und Tiefen. Und über "sexistischen Bullshit", der ihr in der Arbeitswelt begegnet, wie sie selbst sagt.

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Sexismus ist leider noch Alltag

"Wenn du nur 8 bis 10 Stunden am Tag arbeiten willst, dann such dir doch was anderes. Putzen oder so", soll man ihr beim Job in einer Werbeagentur an den Kopf geworfen haben. Sie solle doch mehr Haut zeigen, die Kaffeemaschine reinigen oder sich doch nicht "so" haben, wenn sie ihren Unmut über unerwünschte körperliche Annäherungen äußert.

Mehr als 50 solcher Beispiele hat die junge Frau bisher gepostet, die von fast 3.000 Leuten gelikt und 2.000 Menschen geteilt wurden. Mit ihrem Thread will Ashley darauf aufmerksam machen, wie alltäglich und normal Sexismus – gerade in der Arbeitswelt – noch immer ist.

Dein Thread mit sexistischen Sprüchen und Aussagen, die du selbst erlebt hast, ist ja ziemlich lang. Über welchen Zeitraum hinweg hast du gesammelt?
Ich habe diese Aussagen über einen Zeitraum von mehr als 12 Jahren gesammelt, in Agenturen und Unternehmen, bei denen ich entweder fest angestellt war oder als Freelancer gearbeitet habe.

Kommen da noch weitere dazu?
Ja, leider. Die Aussagen, die es auf Twitter geschafft haben, sind nur die Spitze des Eisberges. Sexismus in der Arbeitswelt fängt schon bei scheinbar ganz harmlosen Aussagen und Taten an und manifestiert sich in einem ständigen Kampf ums Ernstgenommenwerden.

Was war das Schlimmste, das dir bisher im Arbeitsumfeld passiert ist?
Eine Aussage, die tatsächlich erst vor Kurzem geschah. Ich war auf einer Weihnachtsfeier von einer kleinen Agentur. Der Chef, Mitte 50, schon gut einen sitzen, steht plötzlich neben mir, lobt meine Arbeit und dann habe ich auf einmal seine Hand auf meinem Rücken, die sich ganz langsam nach unten bewegt. Er beugt sich zu mir runter, lächelt süffisant und meint: "Du, bei Deinem Stundenlohn, da müsst schon noch was extra dabei sein, was?" und ich hatte seine Hand auf meinem Hintern. Meine Antwort darauf: "Ein Schlag ins Gesicht ist noch immer drin."

Wie sind die Reaktionen auf deine Sammlung bisher?
Einmal quer durch die Bank. Ich habe unzählige Mails – nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern, Menschen mit Migrationshintergründen und aus der LGBTQ-Community – bekommen, die mir ihre Erlebnisse von Alltagssexismus und -rassismus geschildert haben. Und natürlich eine Menge negativer Kommentare: Das ging von Beleidigungen über Unterstellungen ich hätte das alles nur erfunden bis zu sehr gewaltvollen, sexuellen Sprüchen. Ich müsste doch nur mal zum harten Sex genötigt werden, damit ich den ganzen Feminismus-Scheiß vergesse und so.

Wie reagierst du, wenn beim Bewerbungsgespräch jemand so einen Spruch fallen lässt?
Unterschiedlich. Wenn wage Aussagen kommen, wie etwa die Aussage, dass Frauen ja eine Woche pro Monat nicht arbeitsfähig sind und deswegen weniger Geld verdienen sollten, frage ich ganz naiv: "Welche Woche wäre das denn? Habt ihr da ein genaues Datum?" Wenn sich die Fragen auf Familienplanung beziehen, gebe ich gerne die Frage zurück und frage ganz plump, ob sie Männern das gleiche fragen würden. Wenn das alles nichts hilft, stehe ich auf und gehe.

Hast du Tipps - vor allem für Frauen - wie man sich in solchen Situationen verhalten sollten?
Ich bin jemand, der gerne das Gespräch sucht und sagt, was nicht passt. Oft geht das natürlich nicht. Vermeiden mit den Tätern alleine zu sein, ist ein guter Anfang. Zeugen sind in den meisten Fällen nötig. Ganz wichtig aber: Abstand nehmen! Vor allem emotional. Nicht aus dem Affekt handeln, sondern sich erst beraten lassen, was man tun kann.

Welchen Stellenwert hat Feminismus für dich persönlich?
Ich weiß nicht, wie oft ich gehört habe, dass Feminismus diese radikale Einstellung wäre, die versucht Frauen über Männer zu stellen. Was totaler Schwachsinn ist. Auch finde ich die Formulierung "Alle sollten die gleichen Rechte wie Männer haben" ein wenig schwammig. Wenn wir hier Männer sagen, reden wir vor allem von einer Gruppe an weißen, privilegierten, heterosexuellen Männern, die zwar nur einen kleinen, aber sehr mächtigen Teil der Gesellschaft ausmachen. Feminismus kämpft nicht nur für Frauen, sondern für eine Gleichberechtigung aller Menschen.

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(ben/red/Tilllate)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Meyer am 17.12.2017 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Doc

    Des nimmt aber schon sehr kranke Züge an.... körperliche Übergriffe müssen geahndet werden.... Keine Frage! Aber jetzt jedes Wort das jemand sagt und irgendwie gemeint haben könnte als #metoo Anlass zu nehmen is krank...

  • Na bitte am 17.12.2017 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    an Cappucino

    Ups.. Hab ich (männlich) meinen Arbeitskollegen (männlich) auch sexuell belästigt? Ich fragte ihm doch glatt " Machst mir einen Kaffee? " - echt a Wahnsinn was die so abgibt :)

  • SockenRambo am 17.12.2017 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5 Minuten Ruhm

    Na ganz genau... die nächste die sich einen Namen machen will, um einen Job, oder 5 Minuten Ruhm einzuheimsen... Verstehen solche Frauen nicht das sie damit ECHTE Opfer dem allgemeinen Verdruss über dieses Thema, Preis geben?

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Max Mustermann am 18.12.2017 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Twittern über Sexismus

    Twittern, ja genau! Der muß auch ein bissl fad sein. Wen kümmert, was irgendwann einer zu ihr gesagt hat?

  • Waldemar Sokolov am 17.12.2017 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Grenze finden ist schwierig

    Ich habe sehr viel mit Frauen gearbeitet in Restaurant und Hotelgewerbe. Komplimente haben ihre Grenzen. Ich hatte nie Probleme. Aber es kann auch was ganz harmlos gesagtes schlecht aufgefasst werden. Je nach Person. Ich selbst bekam nie Komplimente. Bin ja auch kein Frauenschwarm. Hätte ich mich drüber gefreut? Ja. Bin ja auch ein Mann. Bei Frauen ist das anders. Wenn der Mann gut aussieht, vielleicht noch singel, jung und erfolgreich ist, dann nehmen Frauen (nicht alle) gerne eine leicht überzogene sexistische Aussage hin. Aber wenn man nicht ihr Typ ist, dann ist es sexuelle Belästigung.

  • myopinion am 17.12.2017 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Gesammelte Sprüche

    Ich bin davon überzeugt, dass ein Mann das auch sammeln könnte, wenn Frauen ihre Ziele erreichen wollen. Da setzen Frauen gerne ihre weiblichen Reize ein. Dieses #metoo ist nicht hilfreich in der Beziehung zwischen Mann und Frau. Und Dinge wie Weinstein sie vermutlich gemacht hat, gehören natürlich bestraft. Aber wenn jetzt alles auf die Waagschale gelegt wird, dürften wir nur noch über Anwälte miteinander kommunizieren.

  • Das Christkind am 17.12.2017 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Worte

    Ja das Geld ist schon Geil.

  • Anton am 17.12.2017 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    priveligiert?

    Weiße, heterosexuelle Männer sollen priveligiert sein? Glaube eher, dass das Gegenteil der Fall ist. Wer muss zum Bundesheer? Wer hat es bei Scheidungen schwerer? Wie oft gewinnt ein Mann beim Sorgerecht für die Kinder? Für wenn gibt es Quoten? Gibt es einen Männerminister? Oft gibt es Tage für Damensauna, aber nicht für Männersauna. Wer darf früher in Pension? Wird ein Mann, der von einer Frau gestalkt wird, oder von einer belästigt wird ernstgenommen?

    • Pepi am 18.12.2017 08:33 Report Diesen Beitrag melden

      Alternative?

      Anton, es gibt in Wien, falls Sie dort leben, die Möglichkeit, ein Hamam zu besuchen, ein orientalisches Bad mit meistens drei Temperaturstufen. Bietet auch Massagen und man kann sich wunderbar entspannen.

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