"Keine Scham und keine Grenze"

13. September 2016 16:11; Akt: 25.09.2016 03:40 Print

18-Jährige verklagt Eltern wegen Facebook-Fotos

Eine 18-jährige Kärntnerin hat ihre Eltern verklagt. Weil die seit 2009 ständig Fotos von ihr auf Facebook gepostet haben. Da das ohne die Zustimmung des Mädchens passierte, müssen sie sich nun vor Gericht verantworten.

 (Bild: Fotolia)

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Eine 18-jährige Kärntnerin hat ihre Eltern verklagt, weil die seit 2009 ständig Fotos von ihr auf Facebook gepostet haben. Da das ohne die Zustimmung des Mädchens passierte, müssen sie sich nun vor Gericht verantworten.


"Sie kannten keine Scham und keine Grenze. Ob ich auf dem WC saß oder nackt im Kinderbettchen lag - jeder Schritt wurde fotografisch festgehalten und nachträglich öffentlich gemacht", beschreibt die nun 18-Jährige die Scham über die von ihren Eltern geposteten Fotos gegenüber der . 

700 Freunde zählt der elterliche Account auf Facebook. Der Aufforderung, die rund 500 Fotos, auf denen das Mädchen zu sehen ist, zu löschen, sind die Eltern nicht nachgekommen. Deshalb habe sich die Tochter entschlossen, bei Erreichen der Volljährigkeit zu klagen.

"Ich habe es satt, von meinen Eltern nicht ernst genommen zu werden", ist die Kärntnerin wütend. Der Vater sieht das Problem seiner Tochter nicht ein. Da er die Fotos gemacht hat, sieht er sich im Recht, diese Bilder auch zu veröffentlichen.

Wer nun schlussendlich im Recht ist, wird sich in einigen Wochen zeigen. Denn dann wird der Fall vor einem Richter landen. Im Falle eines Urteils könnte auf die Eltern eine saftige Strafe von mehreren tausend Euro oder Haft von bis zu einem Jahr zukommen.


Kinder und Jugendliche im Alter von 10 – 17 Jahren sind heutzutage laut Studie der  darüber besorgt, was ihre Eltern an Kinderfotos so posten, während viele Eltern dies als ihr "Recht" betrachten.

 

Die Gesetzgebung ist bei uns weniger restriktiv als beispielsweise in Frankreich, das besonders restriktive Gesetze zum Schutz der Privatsphäre hat. Fotos von Kindern auf Facebook können mit bis zu 45.000 Euro Strafe oder einem Jahr Haft belegt werden. Nun wird auch in anderen Ländern darüber diskutiert, solche hohen Strafen zum Schutz von Kindern zu ermöglichen. Denn irgendwann werden auch diese Kinder größer und wollen dann nicht gehänselt werden, weil die Eltern vor Jahren ein Foto posteten, die das Kind als Baby auf dem Pinkeltopf sitzend zeigen, wie die Autorin und Kinderpsychologin Catherine Steiner-Adair betont.

 

Es macht auch einen Unterschied, ob man ein Babyfoto mit 50 Freunden oder 500 Zufallsbekannten teilt, die man teils gar nicht kennt. Laut einer Studie von Nominet im Vorjahr über Kinderfotos auf Facebook posten Eltern in Großbritannien jedes Jahr rund 200 Fotos von ihren Kleinen. Bis zu ihrem fünften Lebensjahr kursieren also bereits im Schnitt rund 1.000 Fotos eines Kindes im Netz. Übrigens: Laut Noment haben 17% aller Eltern in Großbritannien noch nie ihre Sicherheitseinstellungen auf Facebook überprüft.

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