Online-Kommentare

02. Januar 2018 08:02; Akt: 02.01.2018 08:34 Print

Woher kommt eigentlich der ganze Hass im Netz?

Deplatzierte Online-Kommentare nehmen zu, auch auf heute.at. Unlängst wurde sogar ein Baby zur Zielscheibe. Woher kommt dieser Hass im Netz?

Zielscheibe des Hasses: Naime und Alper Tamgac mit ihrer Tochter Asel, dem Wiener Neujahrs-Baby 2018. (Bild: KAV / Martin Votava)

Zielscheibe des Hasses: Naime und Alper Tamgac mit ihrer Tochter Asel, dem Wiener Neujahrs-Baby 2018. (Bild: KAV / Martin Votava)

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Kürzlich haben wir über das Wiener Neujahrsbaby Asel berichtet, das am Neujahrstag um 0.47 Uhr das Licht der Welt erblickte. Während sich viele Leser mit der jungen Familie über ihr Glück freuten und gratulierten, herrschte bei anderen Nutzern vor allem auf Facebook absolut blanker Hass. Beschimpfungen, Beleidigungen, Rassismus und sogar Todeswünsche fanden sich in den Kommentaren.

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Wo findet man Sie auf Social Media hauptsächlich?

Um die Frage zu klären, warum es sowohl bei Medien als auch im Netz allgemein vermehrt deplatzierte Kommentare gibt, haben die Kollegen von "20 Minuten" mit Manuel P. Nappo, Leiter der Fachstelle Social Media Management an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich, gesprochen.

Manuel, unsere Freischalter berichten von einem klar spürbaren Anstieg rassistischer, sexistischer, ehrverletzender und anderer beleidigender Kommentare. Kannst du uns erklären, woran das liegt?

Ich glaube, dass das ein Zeitgeist-Phänomen ist. Der Umgang miteinander hat sich in den letzten Jahren extrem verändert, der Ton ist rauer geworden. Die Kommentarspalten und das Internet allgemein sind nur ein Abbild unserer Gesellschaft.

Wie meinst du das?

Man verspürt allgemein sehr viel Negativität, Frustration, Angst. Wir leben in unsicheren Zeiten: Brexit, die Flüchtlingskrise, Korea, Trump. Die westliche Welt steckt offensichtlich in einer Sinnkrise.

Und deshalb lässt man seinen Frust in Online-Kommentaren raus?

Wenn man früher an eine kritische politische Demo ging, hat man sich noch vermummt. Heute outet man sich ganz öffentlich auf Facebook und ruft Parolen auf der Straße, die sich seit 1945 keiner mehr getraut hat, laut auszusprechen.

Zudem scheint es irgendwie schick, unzufrieden zu sein. Ich meine, wir leben im besten Land der Welt, und trotzdem sind wir mit allem unzufrieden: den Spießbürgern, den Ausländern, den Linken, den Rechten, den ausländischen Medien, der Radio- und Fernsehgesellschaft … Das Internet ist weder schlecht noch gut, es ist nur eine Plattform.

Dazu kommt: Wenn selbst der Präsident des mächtigsten Landes der Welt im Netz regelmäßig austeilen kann und damit davonkommt, ist das ja auch eine Ansage. So bekommt das Ganze noch eine absurde Legitimität aus den obersten Reihen. Nach dem Motto: "Wenn der Frauen beleidigen oder rassistische Kommentare aussprechen darf, dann darf ich das ja wohl auch."

Können wir dem Ganzen irgendwie entgegenwirken?

Ja. Eine Bekannte von mir hat angefangen, andere Social-Media-User, die unter der Gürtellinie angegriffen wurden, in den Kommentaren zu verteidigen. Sie wurde dadurch selbst dumm angemacht, dabei hat sie nur "das Richtige" getan und sich für die Schwächeren eingesetzt. Das ist der Weg.

Das Problem sind die vielen stillen Beobachter, die sich lieber nicht einmischen, um keinen Shitstorm zu kassieren. Was absolut menschlich und verständlich ist. Vor allem, weil die Trolls ja immer Zeit zu haben scheinen, im Gegensatz zu uns, die nicht 24/7 im Netz hängen können. Aber damit tun wir unserer Gesellschaft keinen Gefallen.

Wir müssen auch im Online-Diskurs mehr Zivilcourage zeigen, denn wie schon Einstein sagte: "Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen."

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(lia/rfi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans am 02.01.2018 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ich versuche mal eine Antwort

    Zuerst mal, das Kind kann nix dafür. Das Problem ist aber: die Österreicher sind mit Einwanderung aus fremden Ländern konfrontiert, die viele in dieser Größenordnung bei den Kulturen, die gekommen sind, nie wollten. Das wurde einfach über ihre Köpfe hinweg durch lasche Aufnahmekriterien und Nichtstun entschieden. Probleme wurden und werden schön geredet. Das Leben, besonders in Wien, hat sich stark zum Negativen WEGEN DER EINWANDERUNG verändert. Leider projizieren viele ihren Ärger auf die Einwanderer, anstatt auf die richtigen Adressaten: Eliten, Politiker, Künstler, Meinungsmacher.

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  • waldquelle_sanft am 02.01.2018 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die Realität setzt sich immer durch

    Die Politik steuert eine Gesellschaft! In Österreich wurde in den letzten Jahren alles dafür getan, dass die Leute immer mehr frustriert wurden. Da kann man noch so oft sagen, dass wir im allerbesten besten Supertraumland im ganzen Universum lebt. Die Realität schaut halt dann wieder anders aus! Kommt mal aus der rosaroten Blase heraus, die euch eh fast niemand mehr abnimmt.

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  • Aufmerksamer Beobachter am 02.01.2018 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Tja.......

    Wenn ich bedenke, welcher Hass seinerzeit Jörg Haider medial entgegenschlug, der auch noch von den Höchstgerichten abgesegnet wurde, dann kann ich nur sagen, diese Malaise hat man sich selber eingebrockt. Das Pendel schlägt halt zurück.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bramann Iris am 06.01.2018 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Überteibung

    Das Baby sieht aus, wie jedes andere auch. Nicht besonders entzückend. Hier wird jetzt wieder als Gegenreaktion überzogen, statt die Ängste und Sorgen vieler Bürger ernst zu nehmen.

  • Lola am 06.01.2018 00:24 Report Diesen Beitrag melden

    Asel

    Ich habe mit großer Verwunderung gelesen, dass viele hasserfüllte Botschaften zur Geburt des ersten Wiener Kindes von 2018 gesendet wurden. Weil Deutsch nicht meine Muttersprache ist, kann ich mich nicht so gut ausdrücken, wie ich es möchte. Und ich möchte nicht so hasserfüllt sein wie manche Leute. Was ist schöner als die Geburt eines Kindes? ein Kind, das glücklicherweise keine Ahnung von der Grausamkeit mancher Menschen hat. Aus den Niederlanden möchte ich Ihnen viel Glück, Liebe und gute Gesundheit wünschen. Lass deine Mutterschaft nicht durch Negativität ruinieren.

    • YaredZsilberstayn am 06.01.2018 14:59 Report Diesen Beitrag melden

      Respekt und Dank, Alles Gute

      Auch ich kann mich in Deutsch nicht so gut ausdrücken. Dennoch wünsche ich der Kleinen Alles Gute für Integration und sie soll nicht wie ihre Eltern werden, sondern ein freies und selbstbestimmtes Leben führen. Jetzt geht das noch. Mit Toleranz und Respekt, der Kultur des Gastlandes gegenüber. Love&peace forever, Shalom !

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  • Anna am 05.01.2018 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Glückwunsch

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburt dieses Kindes.

  • Ertan am 05.01.2018 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ertan

    Stolze Eltern, Ein niedliches süßes Kind. Das ist einer der schönsten Momente im Leben. Genießt das Leben als Familie. Ihr seid eine Bereicherung für die Gesellschaft, ihr bringt Licht und Farbe in unser Dasein. Seid glücklich stolz auf euch. Frohes Neues Jahr

    • Eveline am 05.01.2018 22:07 Report Diesen Beitrag melden

      Viel glück

      So eine schöne Tochter, viele gluckwunschen. Grüsse aus die Niederlande

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  • kajla am 05.01.2018 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen

    der Gott schuf Menschen. Keine Weissen Schearzen oder mit andere Hautfarbe. Einfach Menschen.