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"Ein Familienporträt"

Winehouse-Schau im Jüdischen Museum

Eine außergewöhnliche Ausstellung ist ab sofort im Jüdischen Museum am Wiener Judenplatz zu sehen. "Amy Winehouse: Ein Familienporträt" widmet sich der 2011 viel zu früh verstorbenen Sängerin Amy Winehouse. Beleuchtet wird vor allem ein bisher eher unbekannter Aspekt - ihr Bezug zum Judentum.


Am Montag wurde die Ausstellung im Jüdischen Museum eröffnet. Bis 20. August sind am Standort Judenplatz nicht nur jede Menge Familienfotos, Winehouses 50ies-Kleider oder ihre Gitarre zu sehen, dem Besucher soll auch Einblick in die jüdische Londoner Identität der Künstlerin und ihr Umfeld gegeben werden.

Blick hinter die Bühne
"Amy Winehouse war immer stolz auf ihre jüdische Identität", erklärte Direktorin Danielle Spera anlässlich der Eröffnung. "Sie hat die jüdische Tradition er- und gelebt, etwa wenn sie bei ihrer Großmutter im Londoner Eastend den Sabbat gefeiert hat." "Es ist ein Blick, den wir nicht kennen - denn meistens war das Bild von Amy Winehouse durch Medienberichte und Skandalmeldungen überlagert", sagte die Kuratorin der Ausstellung, Astrid Peterle.

Winehouse habe sich zwar nicht an die strengen Gesetze des Judentums gehalten, wie Peterle erzählte. Denn Eingriffe in den Körper wie etwa Tätowierungen oder Piercings seien im jüdischen Glauben verboten. Dennoch habe vor allem ihre Großmutter Amy Winehouse stark beeinflusst: Sowohl in religiösen Fragen als auch mit ihrer großen Liebe zu Jazz. "Sie hat ihre jüdischen Wurzeln vor allem in Verbindung mit ihrer Familie gesehen, beispielsweise bei der Bar Mitzwa ihres Bruders", so Peterle.

Wien zweite Station der Ausstellung
Vor allem die enge Zusammenarbeit mit Winehouse-Bruder Alex und seine Ehefrau Riva brachten die raren Einblicke zu Tage. Diese erarbeiteten die Schau in enger Zusammenarbeit mit dem Jewish Museum London und stellten die Erinnerungsstücke zur Verfügung - auch wenn die Ausstellung nicht als "Schrein für eine Verstorbene" gedacht ist, wie Alex Winehouse in seinem Begleittext präzisiert. Nach London ist Wien die erste Station der Ausstellung, danach wird sie nach Israel und weitere jüdische Museen weltweit wandern.

Den "ganz gewöhnlichen" Menschen Amy Winehouse zeigen laut Kuratorin Peterle gleich drei Stimmen: Durch die Ausstellung führen sowohl ein Essay der Sängerin, den sie im Teenageralter für eine Aufnahmeprüfung schrieb und die Erinnerung ihres Bruders Alex, die Objekte wie etwa die Darstellung des Familienstammbaums, ihre Sudoku- und Kreuzworträtselbücher, die sie nicht gerne in der Öffentlichkeit präsentierte, oder ihre Lieblingsschallplatten und -CDs zwischen Ray Charles, Offspring und dem Micky Mouse-Club runden das Bild ab.

Die Familiengeschichte der Winehouses stehe "stellvertretend für viele jüdische Migrationsgeschichten", wie Direktorin Spera betonte. In den späten 1890er-Jahren flüchtete die Familie aus Weißrussland, wo antisemitische Pogrome immer mehr zunahmen. Auf dem Weg nach New York blieben sie in London hängen, wo Amy Winehouse 1983 geboren wurde.
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Personen: Amy Winehouse

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