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08.07.2012

"Ich werde sagen: Hi!"

50-jährige Russin gewinnt Bachmann-Preis

Olga Martynova wollte, seit sie von Sibirien nach Deutschland zog, schon immer am Bachmann-Preis teilnehmen

Olga Martynova wollte, seit sie von Sibirien nach Deutschland zog, schon immer am Bachmann-Preis teilnehmen (© Robert-Bosch-Stiftung/APA)

Die aus Sibirien stammende Autorin Olga Martynova hat am Sonntag den 36. Bachmann-Preis gewonnen. Ihr Ausflug in die Welt der deutschsprachigen Prosa hat sich für die 50-Jährige also gelohnt. Martynova ist Essayistin, arbeitet auch journalistisch, bekannt wurde sie aber in erster Linie als Lyrikerin in russischer Sprache. Sie gewann mit "Ich werde sagen: Hi!", einem Vorabkapitel ihres neuen Romans.

Seit sie 1991 nach Deutschland übersiedelt war, habe sie sie am Klagenfurter Wettbewerb teilnehmen wollen, verriet die Autorin nach der Preisverleihung.

Olga Martynova wurde am 26. Februar 1962 in Dudinka in Ostsibirien geboren. Sie wuchs im damaligen Leningrad auf, studierte Russisch und Literatur. Nach dem Ende der Sowjetunion zog Martynova mit ihrem Ehemann und dem 1988 geborenen Sohn nach Deutschland. Seither lebt sie in Frankfurt am Main, viele ihrer Beiträge aus deutschsprachigen Periodika sind ins Englische, Polnische, Slowakische, Bulgarische, Dänische, seit neuestem auch ins Russische übersetzt worden. Sie schreibt unter anderem für die "Neue Zürcher Zeitung", für "Die Zeit" und die "Frankfurter Rundschau". Ihre russischen Gedichte sind auch in deutscher, englischer, italienischer, albanischer und französischer Sprache erschienen.

"Sehr dankbar"
"Die Juroren sind ja eigentlich meine Kollegen, sie sind ja auch alle literarisch bzw. journalistisch tätig", meinte Martynova. Sie wolle sich bei den Kollegen auch ganz herzlich bedanken. Sie sei überrascht und "sehr dankbar" für die Auszeichnung. Warum sie seit ihrer Übersiedelung in den Westen zum Bachmann-Wettbewerb wollte, begründet sie so: "Weil mich Ingeborg Bachmann so sehr interessiert, sie hat ja ebenfalls sowohl Lyrik als auch Prosa geschrieben."

Das Preisgeld will sie "ins Schreiben investieren", ihr Wettbewerbstext "Ich werde sagen: Hi!" sei ein Kapitel aus einem Roman, an dem sie gerade arbeite. Diesen will sie nun fertigstellen, sie bleibt aber weiterhin Essayistin und Lyrikerin. "Ich werde sicher nicht jetzt nur noch Prosa schreiben." Ihr Leben werde sich durch den Preis nicht groß verändern, "aus dem Alter bin ich schon heraußen".

Kopie der Vorjahressiegerin
Die Parallelen zwischen Martynova und ihrer Vorgängerin Maja Haderlap, die im vergangenen Jahr gewonnen hat, sind überraschend. Beide schreiben Lyrik in einer slawischen Sprache und wechseln für die Prosa ins Deutsche. Der größte Unterschied ist wohl, dass Martynova bis zu ihrem Wechsel nach Deutschland die Sprache nicht beherrschte. Dass die Lyrik der Prosa guttut, scheint mit der diesjährigen Entscheidung jedenfalls erneut untermauert.