Filmfestival Locarno Kultur

"Museum Hours" als gemütlicher Wien-Spaziergang

"Museum Hours" als gemütlicher Wien-Spaziergang

Der Stephansplatz in "Museum Hours" von Jem Cohen (© Jem Cohen)

Der Stephansplatz in "Museum Hours" von Jem Cohen
Der Stephansplatz in "Museum Hours" von Jem Cohen
Ein Film wie ein gemütlicher Museumsspaziergang: Jem Cohens "Museum Hours" lässt eine kanadische Frau in Wien auf einen Wärter im Kunsthistorischen Museum treffen und sie in gemeinsamen Gesprächen und Ausflügen die winterliche Stadt und ihre (Kunst-)Geschichten erkunden.

Der ebenso entspannte wie lakonische und intelligente Film des US-amerikanischen Regisseurs feiert am Mittwoch seine Premiere als zweiter österreichischer Beitrag im Wettbewerb des Filmfestivals von Locarno.

Als Rahmenhandlung dient dem dokumentarisch anmutenden Spielfilm eine Cousine von Anne (Mary Margaret O'Hara), die in Wien im Koma liegt. Ohne Geld und Kenntnis der Stadt ausgestattet, flüchtet Anne in der nebeligen und grauen Bundeshauptstadt immer wieder zum Aufwärmen und Trostsuchen ins Museum. Wärter Johann (Bobby Sommer) dient bald als regelmäßige Anlaufstelle, mit dem sie auf Entdeckungsreise geht - eine Reise, die bei der Pressevorführung am Dienstagabend allerdings nur bedingt Zuspruch fand.

Die Struktur ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Der Museumswärter führt als Ich-Erzähler mit angenehmer Laienstimme und feiner Klinge durch das Museum, Cafe Weidinger und Co., im Zentrum stehen auch nicht die schönen Seiten Wiens und somit kein touristischer Blick, sondern vielmehr eine realistische Topografie: die Bilder der Stadt als künstlerische Halluzinationen der Welt. Das Draußen wird anhand der Gemälde und Plastiken im Museum gespiegelt, zahlreiche Bild-Text-Scheren lassen den eigenen Vorstellungen viel Raum.

Und auch wenn teilweise absurde Szenen wie etwa ein Nackttag im Museum vorkommen, bleibt die österreichische Produktion, in der sich monolithisch eine Auseinandersetzung mit Brueghel und seinen radikalen Schwerpunktsetzungen befindet, sehr künstlerisch und auch ernsthaft. Das eigenwillige Wien-Porträt eignet sich so mit Sicherheit nicht als Blockbuster - dafür aber als ein Film für Museumsfreunde, der kunstgeschichtlich ebenso schöne Details behandelt wie er in seiner scheinbaren Beiläufigkeit ein hohes Maß an Sensibilität an den Tag legt.

APA

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