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22.10.2012

Sylvia Schwartz und Zoryana Kushpler

Interview: „In der Oper siegt die Liebe“

Abends bringen Sylvia Schwartz und Zoryana Kushpler als Konkurrentinnen in Mozarts Oper "Le  nozze di Figaro"tausende Japaner zum Frohlocken. Untertags essen sie rohen Fisch und wagen sich für "Heute" auf die geschäftigste Kreuzung der Welt – in Tokios Szeneviertel Shibuya. Zwischen Tempura, Maki und gratinierten Austern plaudern sie im schrillen Running-Sushi-Lokal über Allüren, Auftritte im Frauengefängnis und die Kunst, sich einen Mann zu angeln.

"Heute" mit der Staatsoper in Japan. Im Bild: Sylvia Schwartz (Susanna) und Zoryana Kushpler (Marcellina) (© Michael Pöhn)

HEUTE: "Wie geht’s, sind Sie „Lost in Translation“?
- Sylvia: „Die ersten Tage waren so schlimm, dass ich im Hotel sogar japanisches TV geschaut habe. So fertig war ich.“
- Zoryana „Bei mir war alles gut, ich hab mit Jetlag keine Probleme.“
HEUTE: Der Applaus bei der „Figaro“-Premiere am Samstag war fast schon euphorisch. Wart ihr so gut, oder sind die japanischen Fans leichter zufriedenzustellen?
 - Zoryana: „Nein, ich glaube, bin mir sogar sicher, dass wir das verdient haben. Wir waren fantastisch, vor allem in dieser Besetzung.“
HEUTE: Verhält sich das Publikum hier anders?
- Zoryana: „Ja, weil wir hier ja auch etwas anderes sind, als das, was sie kennen. In Wien sind die Menschen auf jeden Fall reservierter.“
HEUTE: Susanna und Marcellina wollen denselben Mann. Wie weit darf frau gehen, um ihn zu kriegen?
- Zoryana: „Wenn eine Frau einen Mann will, kann sie das auch erreichen. Marcellina war ganz kurz davor, Figaro zu kriegen. Sie hat eigentlich alles richtig gemacht. Aber am Ende siegt eben doch die Liebe.“
HEUTE: ... und zwar die zwischen Figaro und Susanna. Ist ihre Figur nicht ein bisschen zu brav?
- Sylvia: „Nein, sie ist durch und durch gut, aber nicht brav. Auch Susanna würde alles machen, um ihre zukünftige Ehe zu retten!“
HEUTE: Stichwort Neid und Konkurrenz: Ganz ehrlich, ist am Klischee der stutenbissigen Operndiven nichts dran?
- Zoryana: „Nein, von diesen Zeiten blieben wir verschont. Wir verstehen uns gut, sind echt befreundet. Die Sopräne verstehen sich blendend, die Mezzospräne auch. Es herrscht an der Staatsoper eine gute Atmosphäre.“
- Sylvia: „Das ist auch immer eine Frage der Führung. Direktor Meyer spielt keine dummen Spiele mit uns, die Sänger nicht gegeneinander aus. So etwas zieht sich dann durchs ganze Haus.“
- Sylvia, Sie haben in einem Interview einmal von einem Blog gesprochen, den Sie gerne zum Schutz Ihrer Kollegen machen würden, wenn Kritiker zu scharf sind – Defendmycollegues.com. Gibt’s ihn schon?
- „Nein. Ich habe gemerkt, dass es doch besser ist, den Kopf nicht so in den Löwenrachen zu stecken. Das mache ich dann lieber, wenn ich aufgehört habe, zu singen.“
- Zoryana, Sie kommen aus einer Musikerfamilie, wurden früh geformt. Zu früh?
- Zoryana: „Ich habe das alles so bestimmt. Es war glasklar, dass ich Opernsängerin werde. Schon mit sechs Jahren hab ich zu meinem Vater gesagt, dass ich Carmen singen werde. Mir wurde nichts aufgezwungen.“
HEUTE: Der ungewöhnlichste Ort, an dem Sie je gesungen haben?
- Zoryana: „Im Frauenknast in Hamburg. Im Rahmen einer „Live Music Now“-Aktion von Yehudi Menuhin (Musik nicht nur als elitärer Genuss, sondern als Therapie, Anm.) Wir haben als Studenten jahrlang in Hospizen, Kinderheimen und eben auch im Gefängnis gesungen. Da war damals eine schwangere Frau.... Das ging zu zu Herzen. Ich hab in dieser Zeit viel gelernt.“
 - Sylvia: „Mit meinem Bruder musste ich für die Belegschaft einer große Bank singen. Zum Frühstück, um 7 Uhr früh. Songs à la „Barcelona“ von Mercury und so. Um 7 Uhr kann ein Opernsänger aber nicht singen, das geht nicht, das hat dort aber niemand verstanden. Sie dachten: Ihr seid wach, also singt, das ist euer Beruf!“
HEUTE: Wie weit darf Regietheater gehen? Wo ist der Punkt, an dem die Handschrift des Regisseurs das Werk des Komponisten zerstört?
- Zoryana: „Ich bin offen für Experimente und musste bis dato noch nichts machen, wofür ich mich schäme. Man fragt sich doch so oft, was hat sich der nur dabei gedacht. Ich meine etwa, „Das schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch? Was hat er sich nur gedacht?“
- Sylvia: „Ich mag das Wort nicht, weil das Wort Musik fehlt. Sagen wir lieber Musiktheater. Im Grunde ist es einfach: Wenn das Ganze zu einer Geschichte wird ist es wunderbar. Wenn der Regisseur erzählen kann, was uns Komponist und Librettist sagen wollten, dann ist alles gut.“

Mit dabei sind übrigens auch Erwin Schrott (Figaro), Carlos Alvares (Conte d'Almaviva), Barbara Fritolli (Contessa), Margareta Gritskova (Cherubino) und Co. Beim Japan-Gastspiel steigen übrigens noch zwei Premieren: "Die Zauberflöte für Kinder" (26.10.) und "Anna Bolena" (27.10.).

Von Maria Dorner

 
 

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