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16.08.2012
Frequency 2012
Qualität trotz Quantität am ersten Tag
72 Fotos |
Trotz Quantität setzte sich die Qualität des gestrigen "Welcome Day" fort. Wilco etwa, die längst nicht mehr mit Independent oder Alternative-Country zu schubladisieren sind, inszenierten ein herrliches Gitarrengewitter über St. Pölten. Die US-Band begann akustisch und ließ dann drei E-Gitarren sprechen. Ausufernde Songs wie "Art Of Almost" brachten perfekt Intelligenz und Emotion auf den Punkt. Anschließend durfte man sich auf Tanzen zu Jan Delays superbem Disco-Funk-Soul-Konglomerat freuen.
Altbewährtes von Tocotronic
Tocotronic gaben sich am späteren Nachmittag gewohnt intim und brauchten nur geschätzte zehn Quadratmeter der großen Bühne. Ein ergrauter Dirk von Lowtzow - die Band feiert 2013 ihr 20-jähriges Bestehen - sang davon, dass er "Teil einer Jugendbewegung sein möchte". Selbige goutierte, dass das Quartett bei seinem Auftritt besonders tief in der eigenen Plattenkiste kramte und "Lieder von Liebe und Hass" zelebrierte.
Der Frontman kämpfte einmal mehr gegen alle reaktionären Kräfte, als er "Die Folter endet nie" anstimmte, und bekundete mit einem Augenzwinkern: "Aber hier leben, nein danke". Nach einer knappen Stunde war der Zauber leider auch schon wieder vorbei, ein späterer, längerer Auftritt hätte Publikum und Tocos mit Sicherheit mehr gefreut. Auf das bald erscheinende neue Album darf man gespannt sein.
Gutes Programm für "Frühaufsteher"
Bereits am frühen Nachmittag konnten die "Frühaufsteher" unter den Besuchern - und das waren nicht wenige - gute Shows miterleben. Auf der "Green Stage" hatte die australische Formation Boy & Bear als erste Band mit mitreißendem Indie-Folk-Rock rasch neue Anhänger gefunden.
Auf der zweiten Bühne absolvierten anschließend die Maccabees einen der besten Auftritte des Tages: Die Londoner servierten eine kraftvolle Mixtur aus Britpop und progressiven Klängen, wobei frenetische Gitarrenparts einen perfekt sitzenden Kontrast zur Chorknabenstimme des Sängers Orlando Weeks darstellten. Nicht zu vergessen: Die funkigen Rhythmen von Drummer Sam Dolye, die den intelligenten wie mitreißenden Popsongs die letzte Würze gaben.
Massenauflauf beim Kraftklub
Eine Partyliga für sich ist der Kraftklub, der die Massen mobilisierte und mit ihnen auch umzugehen wusste (immer wieder wurden die Fans angesprochen und einbezogen). Der Rock mit deutschem Sprechgesang funktionierte, wie bereits in Clubs erprobt, auch im großen Rahmen sehr gut, die Texte mit Augenzwinkern unterhielten ebenso wie die Musik. Krönender Höhepunkt der Darbietung war "Karl-Marx-Stadt", in dem Kraftklub eine liebevolle Hommage an Becks "Loser" integriert haben. Am 14. Oktober folgt die Zugabe in der Wiener Arena (mit Casper).
The Cribs, in ihrer Heimat längst mit Kultstatus bedacht, rockten ambitioniert und hart, das Ergebnis litt allerdings am Sound, zu basslastig und vom aufkommenden Wind verblasen. "Wir sind 1.200 Meilen gefahren und einen Patschen hatten wir auch noch, um hier dabei zu sein", erzählte Ryan Jarman, einer von drei Brüdern in der Band, der eine Zeit lang Johnny Marr (The Smiths) angehörte. Der Weg war trotz der akustischen Beeinträchtigung nicht umsonst: Der mit Punk-Attitüde angereicherte Indie-Pop-Rock putzte zumindest ordentlich die Ohren durch. Introvertierter und feinfühliger musizierte Ane Brun auf der "Green Stage".
Ruhiger geht es im Art Park zu
Wer ruhigere Abwechslung von der Dauerbeschallung sucht, ist während des Festivals im Art Park gut aufgehoben, der heuer erstmals seine Pforten geöffnet hat: Breakdance-Wettbewerbe finden dort genauso statt wie Feuershows oder Conscious-Cooking-Darbietungen für körperbewusste Besucher. Neben Gerichten aus aller Welt können u.a. Mineralien, Kleidungsstücke, Einrichtungsgegenstände und sogar Möbel erworben werden. Für den abschließenden Frequency-Samstag hat sich Kabarettist und Autor Clemens Haipl mit einer Lesung angesagt.
APA/red
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