Schadstoffe

15. Juli 2012 01:03; Akt: 20.07.2012 10:38 Print

So gefährlich können Plastikkochlöffel sein

Für viele ist der Plastikkochlöffel eine hygienische Alternative zum Pendant in Holz. Doch was viele nicht wissen: Der Kunststoff kann durch das starke Erhitzen ungewünschte chemische Substanzen ins Essen abgeben. Wie ein Test des Verbraucherschutzmagazins Konsument nun zeigte, sind bedenkliche Stoffe wie Melamin und Formaldehyd keine Seltenheit. Die Tester nahmen zehn Produkte zum Umrühren von Speisen unter die Lupe.

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(Bild: Fotolia/Symbolbild)

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Für viele ist der Plastikkochlöffel eine hygienische Alternative zum Pendant in Holz. Doch was viele nicht wissen: Der Kunststoff kann durch das starke Erhitzen ungewünschte chemische Substanzen ins Essen abgeben. Wie ein Test des Verbraucherschutzmagazins Konsument nun zeigte, sind bedenkliche Stoffe wie Melamin und Formaldehyd keine Seltenheit. Die Tester nahmen zehn Produkte zum Umrühren von Speisen unter die Lupe.

Die Plastikkochlöffel wurden in Geschirrfachgeschäften, Einrichtungshäusern und Supermärkten in Wien und Umgebung eingekauft. Danach wurde das Zubereiten einer Speise simuliert und dazu mit den Kochlöffeln bei 100 Grad Celsius umgerührt. Das ernüchternde Ergebnis: Die Hälfte der untersuchten Kochutensilien eignet sich gar nicht zum Kochen bei einer so hohen Temperatur.

Zwei Produkte - der Spitzlochlöffel von "TopHit" und der Kochlöffel von "zak" - gaben während des Kochvorgangs tatsächlich die Schadstoffe Melamin und Formaldehyd ab. Dabei lag die Melaminabgabe gerade an der Grenze des in der Kunststoffverordnung erlaubten Wertes von 30 Milligramm für diese chemische Substanz. Anders sieht die Situation ab 2013 aus, wenn der neue EU-Grenzwert für Melamin mit 2,5 Milligramm in Kraft tritt. Damit kämen die Kochlöffel von "TopHit" und "zak" auf eine fast zwölffache Überschreitung.

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Schadstoffe auch nach mehrmaligem Verwenden

Gehörige Abweichungen vom vorgegebenen Limit der Kunststoffverordnung zeigten sich auch beim Schadstoff Formaldehyd: "TopHit" überschritt die geduldeten 15 Milligramm um das Achtfache, "zak" sogar um das Dreizehnfache. Ein weiteres Problem: Die Abgabe von Melamin und Formaldehyd hört auch nach mehrmaligem Verwenden der Kochlöffel nicht auf.

Melamin ist eine chemische Verbindung, die allgemein zur Herstellung von Harzen, Kunststoffen und Klebstoffen verwendet wird. Durch Synthese mit Formaldehyd entsteht ein harter bruchfester Werkstoff. Die Produkte von "TopHit" (Spitzlochlöffel) und "zak" (Kochlöffel) hatten etwa Melamin als Grundbestandteil. Ersterer war zwar als Melaminprodukt gekennzeichnet. Diese Herstellerkennzeichnung ist allerdings nur freiwillig. Wer sich also für einen Plastikkochlöffel entscheidet, weiß daher nicht unbedingt, woraus sich das Produkt zusammensetzt.

Caprolactam und Hexamethylendiamin

In einem zweiten Schritt analysierten die Tester die restlichen Produkte auf die bei Kunststoffen ebenfalls häufig verwendeten chemischen Substanzen Caprolactam und Hexamethylendiamin. Erfreulich zwar, dass Hexamethylendiamin bei keinem der getesteten Produkte nachweisbar war, bei Caprolactam wurden die Tester jedoch fündig: Die Löffel von "home", "koziol" und "Rosti Mepal" setzten diesen Stoff an die Testflüssigkeit ab.

Bei welcher Temperatur wie lange umgerührt werden darf, entnahmen die Tester teils sehr umständlichen Beschreibungen. Eigentlich sollte ein Kochlöffel Anforderungen erfüllen, die sich weder durch Zeit-, noch durch Temperaturvorgaben beschränken lassen. Schließlich stellt sich niemand mit Stoppuhr und Thermometer an den Herd. Beim Zubereiten heißer Gerichte empfehlen die Tester zum guten alten Holzkochlöffel oder zu Produkten aus Metall zu greifen.