Gruselige Forschung

30. Januar 2018 10:12; Akt: 03.02.2018 15:50 Print

Russe erweckt Kopf ohne Körper zu neuem Leben

Sergej Brukhonenkos Hunde-Experimente waren nichts für schwache Nerven. Doch sie ebneten den Weg für lebensrettende Technologien.

Obwohl der Kopf vom Hundekörper abgetrennt war, regt er sich plötzlich wieder. (Video: Tamedia/American-Soviet Medical Society in New York / Brandon Films)
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Am 6. Mai 1953 führt US-Chirurg John Heysham Gibbon die weltweit erste erfolgreiche Operation am offenen Herzen durch. Dabei gelingt es ihm, einen Atriumseptumdefekt (ein Loch in der Scheidewand zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens) seiner 18-jährigen Patientin zu beheben.

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Möglich macht ihm das eine Eigenentwicklung: eine Herz-Lungen-Maschine, welche die Pumpfunktion des Herzens sowie die Lungenfunktion für einen begrenzten Zeitraum ersetzt und so eine Operation am offenen Herzen überhaupt erst erlaubt.

Der Erste, der zu dieser Technik forschte, war Gibbon jedoch nicht. Der eigentliche, wenn auch kaum bekannte Pionier auf diesem Gebiet, war der Russe Sergej Brukhonenko, wie es in "The Annals of Thoracic Surgery" heißt.

Erster Weltkrieg gab den Anstoß

Ausgelöst wurden Brukhonenkos Forschungen durch den Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918). Als Assistenzarzt in einem Infanterie-Regiment begegnete er immer wieder Patienten, deren Lungen, Herzen und Gefäße im Kampf Schaden genommen haben – und er dachte über Möglichkeiten nach, wie man ihr Leben retten könnte.

Ab 1923 begann er auf diesem Gebiet zu forschen. Gemeinsam mit einem Kollegen entwickelte er einen Apparat für "künstliche Zirkulation mit Blut von Warmblütern", eine simple Art Herz-Lungen-Maschine, die er "Autojektor" tauft. Dieser soll ihm helfen, einen Organismus ohne eigenes Herz und eigene Lunge am Leben zu halten.

Trotz Blutungen ein Erfolg

Bereits das erste Experiment im Jahr 1926 war vielversprechend: Zwar musste es aufgrund heftiger Blutungen des Versuchstiers unterbrochen werden. Aber zuvor gelang es den Forschern, es während zwei Stunden mithilfe des Autojektors am Leben zu halten – etwas, was noch nie zuvor jemandem gelungen war.

Der Erfinder der Herz-Lungen-Maschine

Nach sieben weiteren Versuchen mit zum Teil ganzen Körpern hält Brukhonenko fest: "Mit der Durchführung dieser Experimente wollten wir die prinzipielle Möglichkeit einer Operation am vorübergehend stillgelegten Herzen zeigen." Das sei ihnen gelungen. Damit der künstliche Kreislauf aber tatsächlich angewendet werden könne, müsse die Technik noch verbessert werden.

Neues Leben im abgetrennten Kopf

1928 war es dann so weit: Auf dem Kongress der Physiologen der Sowjetunion präsentierte Brukhonenko seinen Autojektor dem Fachpublikum – mithilfe eines abgetrennten Hundekopfs (siehe Video oben).

Kurz nachdem der Apparat angeworfen wurde, zeigte der Kopf erste Lebenszeichen. Er interagierte sogar mit den Forschern: Piksten sie ihm ins Auge, blinzelte er. Träufelten sie ihm Zitronensäure auf die Nasenspitze, leckte er diese ab. Auch auf Licht und die Erschütterungen eines kleinen Hammers reagierte er.

Der endgültige Beweis

Doch damit nicht genug. In einem weiteren Experiment zeigte Brukhonenko, dass seine Maschine auch einen ganzen Organismus am Leben halten konnte:

Dafür entzogen er und seine Kollegen einem betäubten Hund zunächst das Blut, was zu einem Stillstand der Vitalfunktionen führte. Nach zehn Minuten lief der Autojektor an und pumpte frisches, mit Sauerstoff angereichertes Blut in den Körper.

Zunächst reagierte das Herz, dann Puls und Atmung. Als die Körperfunktionen wieder kräftig genug waren, schalteten die Wissenschaftler die Herz-Lungen-Maschine wieder aus. Der Körper übernahm und kurze Zeit später war der Hund ganz der Alte. Damit war der Beweis erbracht, dass der Autojektor funktioniert.

Dass Brukhonenko trotzdem nicht in die Annalen einging, ist dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) geschuldet, währenddessen viele seiner Aufzeichnungen verloren gingen.

(fee/red)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Konfusius am 30.01.2018 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Klon hört alles, sieht alles

    Andererseits: Wenn man dereinst Köpfe von Querschnittsgelaehmten an die Körper von Leichen annähen kann, kann man etwas gewinnen. Aber ethisch ist so ein Eingriff sicher nicht erwünscht. Werden sehen was auf dem Gebiet die nächsten 100 Jahre passiert. Ich selbst werde die Revolution des operativen Eingriffen sicher nicht erleben. Höchstens man klont mich dann.

  • Paul am 30.01.2018 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Tierquälerei

    kennt offenbar keine Grenzen. Als nächstes ist wohl ein Menschenkopf dran. Manchmal tut mir die Erde leid, dass sich so grausame Tiere (Menschen) auf diesem Planeten entwickelt haben.

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  • Konfusius am 30.01.2018 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird der wissende Mensch Gott gleich?

    Dass Götter unter uns sind, die solche Sachen tatsächlich deixeln können, ist ein Wahnsinn, der alles Menschliche hintanstellt. Kein Mensch sollte eine so große Fülle an Macht haben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Manu am 03.02.2018 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Widerlich

    Das widerlich anstößig das man das einen Lebewesen antun muss.

  • eb am 03.02.2018 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierquäler

    nachdem das Blut wieder drinnen war war der Hund ganz der Alte,wer schreibt so empathielos. Tierquälerei,ganz klar

  • Paul am 30.01.2018 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Tierquälerei

    kennt offenbar keine Grenzen. Als nächstes ist wohl ein Menschenkopf dran. Manchmal tut mir die Erde leid, dass sich so grausame Tiere (Menschen) auf diesem Planeten entwickelt haben.

    • kalikantaros am 30.01.2018 20:51 Report Diesen Beitrag melden

      1940

      das war 1940! mittlerweile sind solche experimente verboten

    • nuechtern am 01.02.2018 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      Nüchtern netrachtet

      In der Vergangenheit wurden viele- aus heutiger Sicht ehtisch- nicht vertretbare Experimente, Entwicklungen und Erfindungen betrieben, aber wo würden wir jetzt ohne diese stehen? Ohne diesem Experiment, würden viele Menschen und andere Tiere, nicht operiert werden können. Wenn man es nüchtern betrachtet, haben die Versuchstiere für viele einen Nutzen gehabt. Ich bin der Meinung, dass nicht der Mensch perse die Wurzel des Bösen ist, sondern die Intelligenz einer Spezies! Je klüger man wird, umso einfältiger/rücksichtslos verhält man sich!

    • Steve Blue am 03.02.2018 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Paul

      Lieber 1 Tier als ein Mensch, Lieber einen Opfern, dafür Millionen Retten... Tierquälerei, ja kann sein... doch Forschung die dafür leben retten kann... ist es mir wert

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  • Konfusius am 30.01.2018 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Klon hört alles, sieht alles

    Andererseits: Wenn man dereinst Köpfe von Querschnittsgelaehmten an die Körper von Leichen annähen kann, kann man etwas gewinnen. Aber ethisch ist so ein Eingriff sicher nicht erwünscht. Werden sehen was auf dem Gebiet die nächsten 100 Jahre passiert. Ich selbst werde die Revolution des operativen Eingriffen sicher nicht erleben. Höchstens man klont mich dann.

  • Konfusius am 30.01.2018 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird der wissende Mensch Gott gleich?

    Dass Götter unter uns sind, die solche Sachen tatsächlich deixeln können, ist ein Wahnsinn, der alles Menschliche hintanstellt. Kein Mensch sollte eine so große Fülle an Macht haben!

    • herbyg am 30.01.2018 11:13 Report Diesen Beitrag melden

      unsinn

      was ist den das für eine unsinnige ansicht?

    • KroKo's am 03.02.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Konfusius

      Und wenn es Gott nicht gibt, haben wir dann das Recht es zu tun ?

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