Gestörter Stoffwechsel

30. August 2018 12:04; Akt: 30.08.2018 12:05 Print

Kein Schlaf? Muskeln verdauen sich selbst

Wer zu wenig schläft, ist müde – und leidet auch körperlich. Schon eine einzige schlaflose Nacht kann unter anderem den Muskeln ordentlich zusetzen.

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Nach einer Nacht mit schlechtem oder schlicht zu wenig Schlaf fühlen wir uns meist wie erschlagen. Doch das ist noch nicht alles. Wie schwedische Forscher nachgewiesen haben, verändert bereits eine Nacht ohne Schlaf den Stoffwechsel von Muskeln und Fett, wie es im Fachjournal «Sciences Advances» heisst. Konkret bedeutet das: Das Fett wird mehr, die Muskeln weniger. Die Forscher vermuten die Ursachen im Gehirn. Dieses hat bei Schlafmangel einen höheren Energiebedarf und signalisiert darum den Muskeln, diese - zugunsten des Gehirns - zu sparen. Dem Fettgewebe teilt es dagegen mit, es solle Energie speichern, um für den nächsten Schlafentzug gerüstet zu sein. Die Forscher der Universität Uppsala betonen, dass die Ergebnisse nicht automatisch auch auf chronischen Schlafmangel und andere Schlafstörungen zutreffen müssen. Allerdings brächten frühere Studien Schlafprobleme in Zusammenhang mit Gesundheitsproblemen wie Typ-2-Diabetes, Übergewicht oder auch Muskelschwund. Welche Folgen bei chronischem Schlafmangel drohen, zeigen die nächsten Bilder: Wer zu wenig schläft, ist laut Forschern der Harvard Medical School in Boston deutlich schmerzempfindlicher. Selbst Schmerzmittel wie Ibuprofen sind gegen die durch den Schlafmangel ausgelöste Überempfindlichkeit machtlos. Auch Unwahrheiten sind Folge von Schlafmangel: US-Forscher zeigten 2014, dass auch jene, die ein Ausbund an Loyalität sind, sich übermüdet in einen Lügner verwandeln. Für sie ist es schwieriger, unehrenhaften Versuchungen zu widerstehen, wenn die Energiereserven aufgebraucht sind. Wer wenig schläft, hat schlechtere Noten. Das ist das Ergebnis einer Studie von belgischen Forschern. Demnach waren Studenten, die während der Prüfungszeit sieben Stunden pro Nacht schliefen, im Schnitt fast 10 Prozent besser, als jene, die weniger schliefen. Ebenfalls eine Nebenwirkung von zu wenig Schlaf ist die Gewichtszunahme. Das fängt schon in ganz jungen Jahren an, wie Forscher vom Ohio State University College berichten. Demnach reduziert frühes - und damit längeres - Schlafen im Kindesalter das Risiko, später übergewichtig zu werden. Ein Mangel an Schlaf führt ausserdem zu höherem Blutdruck und einer höheren Herzschlagfrequenz, was auf Dauer zu gefährlichen Folgeerkrankungen führen kann, wie Forscher der Universität Bonn herausgefunden haben.

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Schlaf ist wichtig. Bekommt man zu wenig davon, kommt es zu geistigen Leistungseinbussen, und auch das Erkältungsrisiko steigt drastisch an. Zudem haben Menschen, die sich zu wenig Ruhe gönnen, oft zu viele Kilos auf den Hüften.

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Doch das sind nicht die einzigen Nebenwirkungen schlafloser Nächte, wie schwedische Forscher im Fachjournal "Science Advances" schreiben. Demnach sorgt schon eine schlaflose Nacht für eine Umstellung des Stoffwechsels.

Mangelts an Schlaf, reagiert der Körper

Für die Studie hatte das Team um Christian Benedict von der Universität Uppsala das Fett- und Muskelgewebe von 15 jungen, gesunden Männern untersucht, und zwar einmal nach einer durchgeschlafenen und einmal nach einer durchgemachten Nacht.

Dabei zeigte sich, dass die Stoffwechselveränderung in den Muskeln dafür sorgte, dass der Muskel kaum mehr Glukose (Zucker) verwertete – und gleichzeitig Proteine abbaute. In anderen Worten: "Der Muskel fängt an, sich sozusagen selbst zu verdauen", so Benedict gegenüber dem ORF.

Bei der Analyse des Fettgewebes zeigte sich dagegen, dass dieses aufgrund des Schlafmangels auf Einlagerung umstellt.

Ursache liegt im Gehirn

Benedict und sein Team vermuten, dass die Ursache für die gegenläufigen Stoffwechselveränderungen – der Körper speichert und baut gleichzeitig Energie ab – im Gehirn zu finden sind. Dieses hat bei Schlafmangel einen höheren Energiebedarf und setzt Stresshormone frei. Dadurch signalisiert es den Muskeln, sie müssen die Aufnahme von Glukose stoppen, damit sie dem Gehirn zur Verfügung stehen kann.

Dem Fettgewebe werde dagegen mitgeteilt, es solle Energie speichern – um für die nächste Periode des Schlafentzuges gerüstet zu sein. Ob dem wirklich so ist, sollen weitere Studien zeigen.

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(Red)

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