Labors in Alarmbereitschaft

09. Januar 2018 07:21; Akt: 09.01.2018 07:22 Print

Neuer Tuberkulosekeim bei Flüchtlingen entdeckt

Forscher der Universität Zürich haben in der Schweiz einen neuen, resistenten Krankheitserreger entdeckt. Europäische Labors sind in Alarmbereitschaft.

Forscher haben einen neuen resistenten Tuberkulosekeim entdeckt. Symbolfoto (Bild: picturedesk.com)

Forscher haben einen neuen resistenten Tuberkulosekeim entdeckt. Symbolfoto (Bild: picturedesk.com)

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Das Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Zürich hat einen neuen multiresistenten Tuberkuloseerreger entdeckt. Der Keim wurde 2016 an insgesamt acht afrikanischen Flüchtlingen nachgewiesen. Daraufhin wurde ein europaweites Alarmsystem aufgebaut.

Das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien (NZM) der Universität Zürich fand im Februar 2016 bei einem somalischen Asylsuchenden aus dem Empfangszentrum Chiasso TI einen resistenten Tuberkulosekeim, der sogar für die Fachleute außergewöhnlich war.

Acht Flüchtlinge betroffen

"Der Erreger wies eine neuartige Kombination von Resistenzen gegen vier verschiedene Antibiotika auf, die noch nie beschrieben worden war", sagt Peter Keller, Leiter Diagnostik im NZM, laut einer Mitteilung der Universität Zürich vom Dienstag.

In den folgenden Monaten wurde der gefährliche Keim bei weiteren Patienten nachgewiesen, die alle aus Ländern am Horn von Afrika nach Europa migriert waren. Insgesamt identifizierte das NZM den Erreger zwischen Februar und November 2016 bei acht Flüchtlingen aus Somalia, Eritrea und Dschibuti.

Warnung an europäische Labors

Von multiresistenten Keimen Betroffene müssen sofort isoliert werden und eine mehrmonatige, intravenöse Behandlung im Krankenhaus über sich ergehen lassen. Dank des raschen Nachweises und der sofortigen Isolationsmaßnahmen gab es keine weiteren Übertragungen auf Personen in der Schweiz.

Allerdings setzten das NZM und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wegen der außergewöhnlichen Häufung der Fälle eine Warnung an ihre europäischen Kollegen ab. Gleichzeitig diagnostizierte das deutsche Referenzlabor in Borstel bei Hamburg einen Fall mit dem gleichen Erreger.

Weitere Verbreitung verhindert

Das NZM stellte dem European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) die molekularbiologischen Daten zur Verfügung. So konnte dieses weitere mögliche Patienten in der EU identifizieren. Bei diesen Untersuchungen stießen die europäischen Referenzzentren auf insgesamt 21 Fälle. Auch diese Betroffenen stammten aus Ländern am Horn von Afrika oder dem Sudan.

Dank der Warnung wurde die weitere Verbreitung des Erregers verhindert. Zudem ergriffen die Behörden VorsorgemMaßnahmen: "Der außerordentliche Fall hat zum Aufbau einer europäischen Warnorganisation für gefährliche Tuberkuloseerreger geführt", so Keller.

Keim in Flüchtlingscamp verbreitet

Die Wissenschaftler konnten auch die Infektionskette teilweise rekonstruieren, wie sie im Fachblatt "Lancet Infectious Disease" berichten. Die Daten weisen darauf hin, dass sich der Tuberkuloseerreger in einem libyschen Flüchtlingslager bei Bani Walid unter Migranten verbreitete.

Das überfüllte Lager rund 180 Kilometer südöstlich von Tripolis sei berüchtigt für seine unhygienischen Verhältnisse. Etliche der diagnostizierten Patienten passierten das Camp auf ihrem Weg nach Norden.

Neue Mutationen

Wer am Anfang des Ausbruchs steht und das Bakterium ins Lager eingeschleppt hat, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit rekonstruieren. Als Ursprungsort des Erregers vermuten die Wissenschaftler den Norden Somalias. Dort dürfte der Tuberkuloseerreger aufgrund neuer Mutationen die gefährliche Resistenzkombination entwickelt haben.

Dank den genetischen Analysen konnte ein PCR-Schnelltest entwickelt werden. Somit können Personen, bei denen ein Verdacht auf diesen Tuberkulosekeim besteht, innerhalb Stunden diagnostiziert werden.

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(oli)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 09.01.2018 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine bereicherung!!

    Das schlimme an der ganzen sachen was wissen wir alles nicht!!!

    einklappen einklappen
  • John Milton am 09.01.2018 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Populäre Irrtümer

    Was uns Flüchtlinge bringen ist wertvoller als Gold...

  • Günther Prien am 09.01.2018 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Na Hauptsache

    wir haben uns die Herrschaften zu Tausenden hergeholt...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 11.01.2018 05:10 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung

    Wir sollten diejenigen, welche für all das verantwortlich sind, gründlich zur Rechenschaft ziehen!

  • Irven-Leroy Krieger am 10.01.2018 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Biologische Waffe ?

    Was uns diese Menschen bringen, ist wertvoller als Gold! Martin Schulz, SPD. Recht hat er : offenbar soll das Deutsche Volk mit einer biologischen Waffe ausgemerzt werden. Man läßt hunderttausende unkontrolliert rein, davon tauchen tausende unter und infizieren alles. Das ist nicht ganz so offensichtlich, wie die Gewalttaten unserer Neubürger !

  • Konfusius am 10.01.2018 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das erschüttert selbst Seemaenner!

    Ein Bravo den gründlichen Schweizern. Ein Buh an die Regierungen und NGOs, die uns Bürger nicht mal ignorieren. Macht die Luken dicht!

  • Angel66 am 09.01.2018 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben verloren

    Wir können es drehen und wenden wie wir wollen....es ist VERRAT an der Urbevökerung- BioÖsterreicher! Der/die ÖsterreicherIn ist dem Europaparlament viiiiel zu klug! Das muss man verhindern, denn sonst wirds nix mit Zentrslstaat Europa. Mit Studiengebühren auch für Innländer wird einem das Lernen versagt..so man kein Geld hat....das von unseren Vorfahren und unserem Fleiß erworbenen Sozialsysthem wird eingeschrenkt oder gekürzt- auch Inländern...damit Fremde es ausbeuten bis nix mehr über ist. Und dann gehts erst richtig los..Bürgerkriege..die " Belagerung" findet seit Jahrzenten im Land statt

  • magister am 09.01.2018 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Folgen der Blauäugigkeit

    Wer vor Jahren Lungenröntgen für Flüchtlinge forderte, galt als Rassist und wurde von NGOs und privaten Gutmenschen übel beschimpft. Jetzt haben wir den Salat!