Ärzte schlagen Alarm

10. November 2017 08:52; Akt: 10.11.2017 09:07 Print

Shisha-Raucher landen oft mit Vergiftungen im Spital

Sie riechen nach Apfel, Kirsche oder Minze und schmecken manchen besser als Zigaretten: Shishas. Doch sie können lebensgefährlich sein.

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Eine gesellige Sache und deutlich leckerer als Zigaretten: Das Rauchen von Shishas ist nach wie vor stark angesagt. Doch der Boom kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben, warnen Mediziner des Düsseldorfer Uniklinikums. Sie haben immer häufiger mit durch Shishas verursachten Kohlenmonoxid-Vergiftungen zu tun. Gab es im Jahr 2015 nur einen solchen Fall, waren es im Jahr darauf schon fünf. 2017 mussten bisher fast 40 Wasserpfeifen-Raucher medizinische Hilfe beanspruchen. Bild: iStock/Jcarillet Kohlenmonoxid ist ein farb-, geruchs- und geschmackloses Gas, das bei unzureichender Sauerstoffzufuhr entsteht. Es ist hochtoxisch und sorgt dafür, dass Sauerstoff im Blut nicht mehr transportiert wird, was im schlimmsten Fall zum Ersticken führt. Die bekanntesten Risikopunkte sind Durchlauferhitzer oder Wandheizgeräte, die Gas unvollständig verbrennen - etwa weil der Brenner verrusst ist. Ein Warnzeichen für das Austreten von Kohlenmonoxid ist dabei die Farbe der Flamme: Sie ist nicht mehr blau, sondern gelb. Auch wer Holzkohlegrills in geschlossenen Räumen aufstellt, riskiert eine Kohlenmonoxid-Vergiftung. Wer hohen Dosen des gefährlichen Gases ausgesetzt war, muss zur Hyperbaren Sauerstofftherapie in die Druckkammer. Dabei wird mittels Überdruck 100 Prozent Sauerstoff verabreicht, um das Gas aus dem roten Blutfarbstoff und lebenswichtigen Organgeweben wie dem Gehirn zu verdrängen. Doch auch sonst sind Shishas nur wenig empfehlenswert: Laut Lungenliga Schweiz sind Wasserpfeifen (...) für die Lunge genauso schädlich wie Zigaretten. Weil der Tabak bereits bei einer tieferen Temperatur als bei der Zigarette verglüht, würden zudem weniger Giftstoffe verbrannt. Zudem dauere das Rauchen einer Shisha wesentlich länger als bei einer Zigarette. Hinzu kommt, dass durch das Weiterreichen des Mundstücks Krankheiten übertragen werden können - unter anderem Tuberkulose-Erreger, Hepatitis und Lippenherpes. Dass jeder sein eigenes Mundstück einsetzt, verbessert die Situation auch nicht. Laut der Lungenliga wurden die krankheitserregenden Bakterien bereits auch in Schläuchen von Wasserpfeifen nachgewiesen.

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Der feine Duft täuscht: So unschuldig wie Shishas wirken, sind sie nicht, warnen Mediziner der Düsseldorfer Uniklinik. Immer häufiger müssen sie Shisha-Raucher mit schweren Kohlenmonoxid-Vergiftungen (siehe Box) behandeln.

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Hatten sie es im Jahr 2015 mit nur einem solchen Fall zu tun, waren es im Jahr darauf schon fünf. 2017 mussten bisher fast 40 Wasserpfeifen-Raucher medizinische Hilfe beanspruchen, heißt es in einer Mitteilung.

Zunahme auch in der Schweiz

Auch in der Schweiz kennt man die Problematik, wie Aris Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor des Universitären Notfallzentrums (UNZ) vom InselKrankenhaus in Bern sagt. Und auch hier steigen die Zahlen: Während das UNZ in den letzten fünf Jahren insgesamt rund 50 Shisha-Notfälle verzeichnete, waren es im letzten Jahr allein 18.

"Betroffen sind besonders Nichtraucher und Jugendliche ohne Erfahrung im Wasserpfeife-Rauchen", so Exadaktylos. Aber es treffe auch erfahrene Nikotinkonsumenten.

Trotz des Risikos möchte der Mediziner das Shisha-Rauchen nicht verdammen. Er empfiehlt jedoch, dabei den gesunden Menschenverstand nicht auszuschalten. So sollten die Wasserpfeifen-Fans es ruhig angehen lassen und in Maßen konsumieren, sich nicht zusätzlich mit Alkohol oder Drogen berauschen und auf Frischluftzufuhr und Rauchpausen achten. Auch den Tabak oder die Aromen mit anderen Substanzen zu mixen, ist keine gute Idee.

Schnell reagieren

Das Problem beim Shisha-Rauchen: Bei der Verbrennung der Wasserpfeifenkohle entsteht Kohlenmonoxid. Besonders beim schnellen Rauchen ohne Absetzen in geschlossenen Räumen und geringer Luftzufuhr gelangt zu wenig Sauerstoff in den Organismus, schreibt die Düsseldorfer Uniklinik. Bemerkbar mache sich die Vergiftung mit Müdigkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit und Übelkeit. Im schlimmsten Fall komme es zur Bewusstlosigkeit.

Wer diese Anzeichen wahrnimmt, sollte sofort alle Fenster öffnen und den Raum verlassen sowie die Feuerwehr verständigen, empfehlen die Experten. Denn "Kohlenmonoxidvergiftungen sind lebensgefährlich", sagt der Düsseldorfer Notfallmediziner Sven Dreyer. Für eine Vergiftung reichten bereits wenige Atemzüge.

Letzte Rettung Druckkammer

Sind die Shisha-Raucher hohen Dosen des giftigen Gases ausgesetzt gewesen, müssen sie zur sogenannten Hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) in die Druckkammer. Dabei wird mittels Überdruck 100 Prozent Sauerstoff verabreicht, um das Kohlenmonoxid aus dem roten Blutfarbstoff und lebenswichtigen Organgeweben wie dem Gehirn zu verdrängen.

Wie lange der Betroffene in die Druckkammer muss, hängt davon ab, wie viel Kohlenmonoxid eingeatmet wurde. Die Behandlung kann zwischen 45 Minuten und über sechs Stunden dauern.

(Red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 10.11.2017 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    Alk = kein Problem shisha = problem?

    Macht doch bitte auch einen Artikel über die Gefahren des Alkohol Konsums bitte, damit Jugendliche und unerfahrene aber auch erfahrene sich vor dem gift schützen können. Vielen Dank

  • At hirsizi Banus am 11.11.2017 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenz

    Ist die Nachfrage an Shisha bar wieder ein Problem für die Einheimischen Geschäftsführer?

  • Peter am 11.11.2017 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blutfarbstoff???

    Wie seriös dieser Bericht ist, zeigt alleine die aussage vom roten Blutfarbstoff. Ich bin Samariter, aber von rotem Blutfarbstoff habe ich noch nie gehört. Gut möglich das hier die roten Blutkörperchen gemeint sind. Diese haben aber mit rotem farbstoff null und nichts zu tun.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • At hirsizi Banus am 11.11.2017 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenz

    Ist die Nachfrage an Shisha bar wieder ein Problem für die Einheimischen Geschäftsführer?

  • shisa raucher am 11.11.2017 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Shisa

    Ja wenn du falsche kohle verwendest ist doch logisch ;) und billig tabak ;)

  • Peter am 11.11.2017 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blutfarbstoff???

    Wie seriös dieser Bericht ist, zeigt alleine die aussage vom roten Blutfarbstoff. Ich bin Samariter, aber von rotem Blutfarbstoff habe ich noch nie gehört. Gut möglich das hier die roten Blutkörperchen gemeint sind. Diese haben aber mit rotem farbstoff null und nichts zu tun.

    • Chris am 12.11.2017 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Nun, ich bin Chemiker, und so würde ich ihre Aussage nicht stehen lassen. Oder woher denken sie kommt die Farbe ;-)

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  • Franziska am 11.11.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol ist die härteste Droge

    Das beste ist wohl die Aussage, ob Alkohol oder Drogen. Dies zeigt wie seriös dieser Bericht ist. Alkohol ist auch eine Droge. Eine sehr harte Droge. Laut Wissenschaft ist Alkohol sogar die härtere Droge als Heroin. Lasst euch nicht ständig einlullen von solchen Lügengeschichten.

  • Franziska von Bergen am 11.11.2017 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lügengeschichten

    Es ist schwierig wenn einem der Kopf verdreht wird. Wenn Unwahrheiten zu Wahrheiten gemacht werden. Unbestreitbare tatsache ist: Alkohol ist die mit grossen Abstand härteste und tödlichste Droge überhaupt. Härter und gefährlicher als Heroin. Nachzulesen bei wikpedia/drogen. Da wirken solche berichte wie mit der Schischa gefahr schon als Verhöhnung. Cannabis ist und bleibt womöglich noch lange Verboten. Aber nicht weil es eine gefährliche Droge ist, sondern aus rein Wirtschaftlichen interessen. Pharma und Alkindustrie fürchten um ihre Einnahmen. Das gutgläubige Volk wird ständig an der Nase rumgeführt und systematisch belogen. Und mit der neuen Türkisblauen Regierung wird dies sicherlich kein bisschen besser. Ihr seits doch alle erwachsene mündige Bürger und habt Internet zur information. Weshalb glaubt ihr ständig solche Lügengeschichten.