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16. Januar 2018 12:56; Akt: 01.08.2018 14:11 Print

Gönnen Sie Ihrem Darm eine Pause

In Apfel oder Weizen gibt es Zuckerverbindungen, die auf die Verdauung schlagen können. Das wissenschaftlich geprüfte Fodmap-Konzept verspricht einen gesunden Darm.

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Immer mehr Menschen gehen mit starken, wiederkehrenden Bauchschmerzen zum Arzt. Oft heißt dann die Diagnose Reizdarm. Der Beginn einer Odyssee von Arztbesuchen, Medikamenten und Versuchen, mittels Alternativmedizin das Problem in den Griff zu kriegen.

Die Diagnose Reizdarm ist sehr ernüchternd, da dies eine nicht genau definierte Erkrankung ist, über die noch wenig Wissen besteht.

Stoffe, die dem Darm zu schaffen machen

Doch warum haben so viele Menschen Schmerzen? Einen wichtigen Ansatz bildet die sogenannte Fodmap-Liste. Fodmap ist die Abkürzung für "fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols "(dt. "fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole", etwa vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole). Es handelt sich somit um eine Gruppe von Kohlenhydraten und mehrwertigen Alkoholen, die in vielen Nahrungsmitteln vorkommen. Diese kann der Darm aufgrund von fehlenden Enzymen nicht vollständig abbauen, oder deren Aufnahme ist verschlechtert. Im Dickdarm vergären sie mittels Bildung von Gasen, was zu heftigen Schmerzen führen kann. Die Liste der Fodmap beinhaltet Lebensmittel, die besonders reich sind an Polyole, Fruktane, Galactane, Fructose und Lactose.

Die Idee ist es nun, alle Lebensmittel, die besonders reich an Fodmap sind, zu vermeiden. Ziel ist, die Schmerzen zu verringern und dem Darm etwas "Ruhe zu gönnen". Nach einer gewissen Weile werden die komplett vermiedenen Lebensmittel langsam wieder hochgefahren, um zu überprüfen, ob sich der Darm erholt hat. Viele gewinnen durch diese Liste (mittlerweile gibt es auch eine App) eine Steigerung der Lebensqualität.

Auch für Spitzensportler ein Werkzeug

Auch im Hochleistungssport wurde die Erfahrung gemacht, dass in Zeiten höchster physiologischer Belastung Fodmap-reiche Lebensmittel schlechter vertragen werden. Deshalb wird bei hohen sportlichen Leistungen, wie Rundfahrten beim Radsport, komplett auf solche Lebensmittel verzichtet. Dies führt zu deutlich weniger Darmproblemen und einer erhöhten Leistungsfähigkeit. Die Liste ist also auch für Sportler ein dankbares Werkzeug, damit der Darm im entscheidenden Moment nicht versagt.

In der Ernährungsdiagnostik wird noch ein Schritt weitergegangen. Die Fodmap-Liste ist im eigentlichen Sinne nur eine Symptombekämpfung. Warum gewisse Lebensmittel plötzlich schlechter vertragen werden, wird nicht analysiert. Solche Probleme treten vor allem dann auf, wenn sich Sportler extrem hoch belasten. Daher wurde das Stoffwechselgeschehen von Reizdarmpatienten von uns analysiert, und wir haben bemerkt, dass wir zu den gleichen Bildern kommen wie bei Sportlern an der Regenerationsgrenze.

Der Darm ist ein stressanfälliges Organ

Aus dem Leistungssport kennen wir Mechanismen zur schnelleren Regeneration und Entspannung, die auch zur besseren Verträglichkeit der Fodmap-reichen Lebensmittel führen können. Diese Abläufe haben wir auf Reizdarmpatienten übertragen und gesehen, dass wir damit noch bessere Erfolge erzielen können als mit einer reinen Fodmap-Reduktion.

Wir leben in einer Zeit mit wachsendem Druck und Stress. Da der Darm ein anfälliges Organ auf Stress ist, wird dieses Krankheitsbild in unseren Praxen wohl noch deutlich zunehmen. Daher ist es wünschenswert, dass wir uns noch mehr interdisziplinäres Wissen aneignen, um mehr Menschen helfen zu können.

Im Folgenden stellen wir Ihnen eine Liste zur Verfügung, die Lebensmittel mit hohem (rot) und niedrigem (grün) Fodmap-Gehalt zeigt. Die Tabellen sind als Orientierungshilfe gedacht.

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(20min / Jürg Hösli)

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