Pfusch-Vorwurf

01. Oktober 2017 11:26; Akt: 01.10.2017 16:08 Print

Mit Erektionsstörung zum Arzt – nach OP impotent

Norbert S. ging wegen Erektionsstörungen zum Arzt: Doch nach dem 3.500-Euro-Eingriff ist er komplett impotent. Er klagt, er sei nicht das einzige Opfer.

(Symbolbild) Der Arzt überredete den Patienten zu einer eigentlich unnötigen Operation - mit schweren Folgen. (Bild: picturedesk.com)

(Symbolbild) Der Arzt überredete den Patienten zu einer eigentlich unnötigen Operation - mit schweren Folgen. (Bild: picturedesk.com)

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Norbert S. suchte einen Arzt auf, weil er Probleme beim Sex mit seiner neuen Freundin hatte. Dieser überredete den Mann zu einer kostspieligen und – wie sich herausstellt – unnötigen Operation. Bei der Behandlung kommt es zu Komplikationen, durch die Norbert S. schließlich impotent wird.

Die eigentliche Ursache für die Erektionsstörung sei wohl einfach nur Nervosität mit der neuen Freundin gewesen, vermutet der Betroffene Norbert S. im Interview mit ORF-"Bürgeranwalt". Er wollte die Situation aber sicherheitshalber mit einem Urologen abklären.

Diagnose: "venöses Leck"

Im Internet stieß er auf einen Arzt, der schrieb, dass er die optimale Lösung dafür habe. Bei einem Termin diagnostizierte der Arzt ein "venöses Leck" im Penis. "Er hat mir das erklärt: Blut fließt rein, wenn es zu schnell wieder abfließt, dann spricht man von einem Leck", schilderte der Betroffene. Die Diagnose verblüffte ihn, denn vorher hatte er niemals Probleme beim Sex gehabt.

Der Arzt habe ihm das aber sehr schlüssig erklärt und ihn überzeugt, eine Computertomographie (CT) zu machen, um die Diagnose abzusichern. Die Tomographie bestätige die Diagnose, erklärte der Arzt dem Patienten anschließend. Andere Untersuchungen oder Tests, etwa eine Blutuntersuchung oder eine Suche nach anderen möglichen Ursachen gab es nicht. Im Nachhinein betrachtet sei "alles auf die Diagnose dieses Lecks gerichtet gewesen", so der Geschädigte.

Gewebekleber in die Vene

Nach der recht einseitigen Diagnose empfahl der Arzt eine von ihm entwickelte Behandlung. "Eine simple Operation, 20 Minuten, man gibt in die Vene, wo das Blut so schnell rausfließt, einen Gewebekleber hinein", sagte er dem Betroffenen. Der Preis: stolze 3.500 Euro.

Der Eingriff dauerte jedoch rund eine Stunde. In den Tagen danach litt Norbert S. immer wieder unter heftigen Schmerzen. Der Arzt beschwichtigte ihn. Doch als die Schmerzen nicht nachlassen, ließ sich Norbert S. im Wiener AKH untersuchen. Dort bekam er die Schockdiagnose: Das injizierte Mittel ist in eine Arterie gekommen und hat sich verteilt. Die Folge: Norbert S. ist nun impotent.

Auch Freund ohne Probleme bekam die selbe Diagnose

Er zog einen Freund ins Vertrauen, der den Arzt auf die Probe stellte. Obwohl er keinerlei Erektionsprobleme hat, suchte er den vermeintlichen Experten auf. Dieser präsentierte ihm prompt die selbe Diagnose: ein venöses Leck. Er empfahl auch dem Freund eine Operation - bei 200 Operationen sei nichts vorgefallen, sagte der Arzt im Gespräch.

Norbert S. recherchierte daraufhin im Internet und stieß auf weitere Opfer der Behandlung. Ein Mann aus England, dem es gleich wie ihm erging und mit dem er in Kontakt stand, habe sich inzwischen umgebracht. Das sei kein Enzelfall, ist Norbert S. überzeugt.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • stefan l. am 02.10.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Falschdiagnosen

    Wieso hat sein Freund diesselbe Diagnose bekommen ohne Störungen zu haben? Wenn das stimmt wäre es eine absolute Frechheit!!

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  • Sepp am 02.10.2017 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst betroffen

    Also ich vermute stark, dass es derselbe Arzt war der mich operiert hat. Die Aufklärung und Beantwortung der Fragen war eine Kabarettnummer. Vor dem OP Tisch im Liegen wurde mir erst klar, dass er viel mehr operieren wollte als in den Wochen davor besprochen wurde. Darum hatte ich 6 Monate danach eine neuerliche OP - Erst in dieser wurde das besprochene Problem behoben. (immerhin zu meiner Zufriedenheit). Da er so eine Koryphäe zu sein scheint, habe ich mich drauf eingelassen. Wie gesagt - die erste OP war umsonst und 10 000 Euro beim Fenster hinausgeschmissen.

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  • Heinz Timmel am 01.10.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufklärung hat vor op stattgefunden!

    Kein Patient wird ohne entsprechende Aufklärung über mögliche Komplikationen und ohne vorherige schriftliche Einwilligung heute noch operiert.Jeder muss das wissen dass kein Arzt einen Erfolg garantieren kann.Wenn man ein mündig ist dann fällt das unter den Begriff Selbstverantwortung.Daher finde ich den neuen Trend in den Medien zu heulen statt bei Verdacht auf ärztliche Fehler bei der Schiedsstelle der Ärztekammer Rat zu suchen bedenklich.Jetzt wird sich gleich eine Horde von selbsternannten Gesundheitsspezialisten auf den Urologen stürzen...Wetten!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sepp am 02.10.2017 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst betroffen

    Also ich vermute stark, dass es derselbe Arzt war der mich operiert hat. Die Aufklärung und Beantwortung der Fragen war eine Kabarettnummer. Vor dem OP Tisch im Liegen wurde mir erst klar, dass er viel mehr operieren wollte als in den Wochen davor besprochen wurde. Darum hatte ich 6 Monate danach eine neuerliche OP - Erst in dieser wurde das besprochene Problem behoben. (immerhin zu meiner Zufriedenheit). Da er so eine Koryphäe zu sein scheint, habe ich mich drauf eingelassen. Wie gesagt - die erste OP war umsonst und 10 000 Euro beim Fenster hinausgeschmissen.

    • Heinz Timmel am 02.10.2017 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp

      Wenn es so wäre dann können sie ja bei Gericht jederzeit Schadenersatz fordern! Warum haben Sie das noch nicht gemacht ? Hier zu jammern ist Unsinn wenn es so wäre wie sie vorgeben! Da sie aber keinen Beweis für Ihre offenbar subjektiven Behauptungen vorweisen können läuft Ihr Kommentar unter Rufschädigung

    • Sepp am 02.10.2017 20:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz

      So wie sie sich hier aufführen und durch ihren Vornamen weiß ich ziemlich sicher wer sie sind. Das bei solchen intimen Sachen vieles nicht an die Öffentlichkeit gelangt erklärt sich von selbst. Die Dunkelziffer von leidenden Patienten wird daher höchstwahrscheinlich wesentlich höher liegen. Ich bin ja wie gesagt mit dem Ergebnis der 2.OP zufrieden. Die ersten 10000 Euro waren jedoch für die Katz. Da hat mir der Herr Dr. zuvor nicht zugehört. Der Tod von verzweifelten Patienten gehört jedenfalls gründlich untersucht !

    • Bettina N. am 18.10.2017 07:36 Report Diesen Beitrag melden

      Xxx

      Wäre es möglich zumindest den Anfangsbuchstaben vom Familiennamen des Arztes zu erfahren?

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  • stefan l. am 02.10.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Falschdiagnosen

    Wieso hat sein Freund diesselbe Diagnose bekommen ohne Störungen zu haben? Wenn das stimmt wäre es eine absolute Frechheit!!

    • Stefan Möller am 02.10.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @stefan l.

      Ein Gericht und die Schiedsstelle der Ärztekammer prüfen Fall auf Ersuchen des Arztes damit solche falschen und rufschädigenden Gerüchte entlarvt werden können..keine Angst!

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  • Heinz Timmel am 01.10.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufklärung hat vor op stattgefunden!

    Kein Patient wird ohne entsprechende Aufklärung über mögliche Komplikationen und ohne vorherige schriftliche Einwilligung heute noch operiert.Jeder muss das wissen dass kein Arzt einen Erfolg garantieren kann.Wenn man ein mündig ist dann fällt das unter den Begriff Selbstverantwortung.Daher finde ich den neuen Trend in den Medien zu heulen statt bei Verdacht auf ärztliche Fehler bei der Schiedsstelle der Ärztekammer Rat zu suchen bedenklich.Jetzt wird sich gleich eine Horde von selbsternannten Gesundheitsspezialisten auf den Urologen stürzen...Wetten!

    • At am 01.10.2017 22:41 Report Diesen Beitrag melden

      Hr

      Ja aber eine Therapie zu stellen ohne Alternativen zu nennen ist trotz Aufklärung verantwortungslos. Riecht eher alles nach Geldmacherei vom Arzt.

    • Wolfgang Rohrschacher am 02.10.2017 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz Timmel

      Ein Laie soll also in kürzester Zeit sein ok geben. Er hat nicht jahrelang studiert. Er kennt keine Alternativen. Er darf nur selbstbestimmt den Experten von jeder Verantwortung freisprechen. Die Aufklärung dient nur der juristischen Unschuld. Sonst gar nichts.

    • Susanne Aigner am 03.10.2017 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @At

      Geldmacherei ist das dumpfe Todschlagargument wenn sonst nix mehr geht: Der Arzt hat den Patienten ja nicht in den Op gelockt sondern der Patient hat als erwachsener Mensch nach reiflicher Überlegung den Arzt um den Eingriff ersucht und danach ein Honorar bezahlt...

    • Ennasus Rengia am 03.10.2017 21:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Susanne Aigner

      Wenn sie den Fernsehartikel gesehen haben - und v.a. dass er auch seinem Freund dieselbe OP empfohlen hat - spricht sehr viel für Geldmacherei. Nachdem was im Fernsehen von den verschiedenen Leuten ausgesagt wurde, würde ich sagen, dass die Beweislast erdrückend ist. Dieser Fall wird internationale Dimensionen annehmen, nachdem sich in UK einer seiner Patienten umgebracht hat. (und v.a. wird offenbar im Abschiedsbrief die misslungene OP als Grund für den Selbstmord genannt)

    • Regine Dohnal am 05.10.2017 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ennasus Rengia

      Jeder Patient muss einfach wissen dass IMMER etwas bei einer OP schiefgehen kann.Das ist das Wesen der AUFKLÄRUNG! Dass sollte jeder mündige Erwachsene Mensch automatisch wissen. Leichtsinn ist eben Eigenrisiko...! Ist das so schwer zu verstehen?

    • Ennasus Rengia am 06.10.2017 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      @Regine Dohnal

      Jeder Arzt sollte wissen, dass er zum Wohle der Patienten handeln muss. 2 Menschenleben mit explizitem Verweis auf die Impotenz durch die OP des Herrn Dr. Wie hoch mag da erst die Dunkelziffer sein ? Mich schaudert es was da noch ans Tageslicht befördert wird.

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