Ikone mit neuem Look

26. September 2012 09:03; Akt: 26.09.2012 09:22 Print

Porsche 911 Carrera S Coupé - Testbericht

Anfang 2012 ist die neue Generation des Porsche 911 auf den Markt gekommen, wir haben jetzt die geschärfte S-Version getestet.

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(Bild: Autoguru.at)

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Der Porsche 911 Carrera zählt seit 1963 zu den Ikonen der Sportwagenszene und wurde im Laufe der Jahrzehnte immer weiter verfeinert und verbessert.

Bei jedem Modellwechsel erfolgt vorweg schon mal ein Raunen der Fangemeinde, dass der neue 911er gar keiner mehr ist, nach einer ersten Runde mit dem neuen Modell lassen sich die alten 911er-Fans aber doch immer wieder bekehren, was auch die Verkaufszahlen eindrucksvoll belegen.

Im Vergleich zum Vorgänger wurde der neue 911 Carrera optisch weiter geschärft. Mit einer Länge von fast 450 cm ist er so lang wie noch kein anderer 911 davor, dafür ist er mit einer Höhe von 129,5 cm wieder etwas flacher als sein Vorgänger.

Klassische Linie mit neuem Look

Damit liegt er schon optisch noch satter auf der Straße und zeichnet sich nach wie vor durch die klassische Linie, die den 911er berühmt gemacht hat, aus. Während die Änderungen an der Frontpartie eher dezent ausgefallen sind, stechen die neuen, flachen Heckleuchten gleich ins Auge.

Natürlich wurde der neue 911er auch noch sportlicher, vor allem, wenn man die S-Version wählt. Der 3,8 Liter 6-Zylinder-Boxermotor erreicht nun eine Leistung von 400 PS (294 kW) und ein maximales Drehmoment von 440 Nm.

Für unseren Test haben wir den 911 Carrera S mit dem Porsche Doppelkupplungsgetriebe (PDK) kombiniert, mit dem er noch sportlichere Fahrleistungen erreicht, zumindest was die Beschleunigung betrifft.

400 PS im Heck

Erweckt man die 400 Pferde, erlebt man ein Klangerlebnis der besonderen Art. Vor allem wenn man dann in den Sport- oder Sport Plus-Modus wechselt, in dem der Sound nochmals verfeinert wird.

Der sonore Klang des Boxermotors zaubert Autofans sofort ein Lächeln ins Gesicht, und mit einem beherzten Triff aufs Gaspedal kann man dann auch die Nachbarn aus dem Bett heben. Bei optimalen Straßenbedingungen ist man in 4,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 km/h, die 200 km/h-Marke erreicht man bereits nach 13,6 Sekunden.Bei Tempo 302 km/h ist dann der Vorwärtsdrang beendet. Mit dem 911 Carrera S ist also auf unseren Straßen absolute Selbstgeißelung angesagt, sofern man eine innige Beziehung zu seinem Führerschein pflegt. Aber selbst im legalen Bereich vermag der Sportwagen absolut zu begeistern. Die Kraft steht jederzeit zur Verfügung, und Überholvorgänge werden zur blitzschnellen Aktion verkürzt.

Schnelle Schaltvorgänge mit PDK

Mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe hat der Porsche zudem auch stets innerhalb eines Sekundenbruchteils den passenden Gang parat. Wer möchte, kann die Gänge auch via Schaltwippen am geschmeidigen Lederlenkrad wechseln.

Straßenlage und Fahrwerk sind natürlich ganz auf die sportlichen Gene des Porsches ausgerichtet. Der Porsche klebt förmlich auf der Straße, lediglich bei nasser Fahrbahn sollte man den Gasfuß in Kurven im Zaum halten, damit einen nicht das Heck überholt.

Sehr gut zum sportlichen Porsche passt auch die direkte Lenkung, mit der sich der doch knapp 450 cm lange Sportwagen wieseflink über kurvige Straßen dirigieren lässt. Untermalt wird das Ganze immer wieder vom herrlichen Boxersound, der das optionale Burmester High-End Surround Sound-System, trotz dessen glasklarem und hervorragendem Klang, noch in den Schatten stellt.

Verschiedene Modi für jeden Fahrstil

Dabei kann man den 911 Carrera S auch ganz normal und ohne Stress bewegen. Mit der Dynamic Chassic Control kann man verschiedene Modi wählen. Während mit Sport und Sport-Plus die volle Leistung zur Verfügung steht und jeder kleinste Tipp aufs Gaspedal mit einem Leistungsschub quittiert wird, kann man im normalen Modus den Porsche auch ganz sanft und effizient bewegen.

Überhaupt ist die große Überraschung der Verbrauch, der die betuchte Klientel zwar nicht vorrangig interessieren wird, aber für ein Auto dieser Leistungsklasse sensationell ist. Wer den Porsche im Normal-Modus bewegt, kann auch dank der Start/Stopp-Automatik äußerst effizient ans Ziel kommen. Die vom Werk vorgegebenen 8,7 Liter haben wir hier mit 9,4 Liter nur knapp verfehlt.

Nutzt man den Sport-Modus und ruft die Leistung des 911 öfters mal ab, kommt man aber trotzdem mit überraschend bescheidenen 10,5 Liter über die Runde. Nur wer ständig den Bleifuß hat und auf der letzten Ritze fährt, der wird in Regionen von 13 oder mehr Liter vorstoßen.

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Neben den berauschenden Fahrleistungen hat der Porsche auch noch jede Menge Luxus zu bieten. Beim Listenpreis von 122.860,- Euro sind schon ESP, ABS, sechs Airbags, eine 2-Zonen-Klimaautomatik, Bi-Xenon-Scheinwerfer, eine elektronische Parkbremse, Sportsitze, 20"-Alufelgen, das Sound Package Plus, das Radio CDR 31, Heckleuchten in LED-Technik, elektrische Fensterheber und einiges mehr an Bord.

Natürlich möchten Porsche-Besitzer aber noch mehr Individualität, und so ist die Liste der Optionen fast so lang wie das Telefonbuch einer Kleinstadt. Unter anderem hatte unser Testauto Vollleder Sportsitze Plus, das Burmester High-End Soundsystem, die Dynamic Chassis Control, das Dynamic Light System, das Porsche Communication Management, ein elektrisches Schiebe-/Hubdach, klimatisierte Sitze, Sprachbedienung und noch einige Gimmicks mehr an Bord, die den Preis auf 160.100,07 Euro treiben, wovon jedoch Vater Staat einen Anteil von über 40.000,- Euro bekommt.

Auch im Innenraum ist er sofort als Porsche zu erkennen

Trotz allem Luxus ist der Porsche 911 auch im Innenraum nach wie vor auf Anhieb als Porsche zu erkennen. Die klassische Anordnung der Armaturen, mit dem mittig platzierten großen Drehzahlmesser ist natürlich auch beim neuesten Modell dabei. Ein Eingeständnis an die heutige Zeit ist aber das hochauflösende Farbmultifunktionsdisplay, welches sich gleich rechts neben dem Drehzahlmesser befindet und über die G-Kräfte, Tankreichweite, Temperatur oder Navigation informiert.

Auch die moderne Mittelkonsole mit großem Navi-Bildschirm, Radio/Navi-Bedienung und Temperaturwahl passt perfekt zum sonst sehr klassisch gehaltenen Armaturenbrett, welches neben einem edlen Lederbezug auch sehr geschmackvolle Alu-Einlagen beinhaltet und den Innenraum so sportlich und hochwertig wirken lässt.Zwischen Fahrer und Beifahrer befinden sich dann noch Tasten für das Schiebedach, den elektrisch ausfahrbaren Spoiler, den Auspuffsound und die Fahrwerksabstimmung bzw. Sport/Sport-Plus-Tasten.

Das Platzangebot ist für zwei Personen ausgezeichnet, selbst groß gewachsene Menschen werden sich trotz Schiebedach wohl fühlen. Lediglich etwas stärkere Personen werden mit den eng geschnittenen Sitzen keine Freude haben.

Rücksitze sind nur für Kleinkinder geeignet

Auch wenn der Porsche als 2+2 Sitzer ausgelobt wird, sollten die hinteren Sitze nur Kleinkindern zugemutet werden. Viel besser eignet sich dieser Bereich als erweiterter Kofferraum, durch Umklappen der Rücklehne entstehen nämlich 205 Liter Ladevolumen. Unter der Fronthaube stehen zudem weitere 135 Liter Stauraum zur Verfügung.

Mit der neuesten Generation des 911 Carrera S hat Porsche wieder einmal gezeigt, dass doch noch Verbesserungen der Ikone möglich waren. Der Sportwagen verbindet absoluten Fahrspaß mit jeder Menge Luxus und einer perfekten Verarbeitung.

Natürlich stehen Fahrspaß und Leistung im Vordergrund, aber der 911 Carrera S kann auch mit vielen Komfortextras (bis hin zu klimatisierten Sitzen oder einem hervorragendem Soundsystem) und besonderer Effizienz glänzen.

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-

Ausstattung Komfort: 1

Verbrauch: 2

Fahrleistung: 1

Fahrverhalten: 1

Verarbeitung: 1

Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1

Platzangebot Rückbank: 4-

Kofferraum: 3

Ablagen: 3

Übersichtlichkeit: 3

 

Stefan Gruber,