Neues Fahrzeug

15. November 2017 04:30; Akt: 14.11.2017 12:03 Print

VW Arteon im Test: Angriff auf die Oberklasse

von Jörg Michner - Volkswagen wagt wieder einen Schritt in Richtung Premium: Der Arteon bietet mehr als der Passat und fährt sich richtig gut.

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Nach dem mäßig erfolgreichen ersten Versuch, mit dem Phaeton (2001-2016) in der Premiumklasse mitzuspielen, hat VW vor kurzem ein neues Fahrzeug präsentiert, das oberhalb des Passat positioniert ist: Der Arteon versucht dabei die schmale Gratwanderung des leistbaren Luxus zu meistern, was auch ziemlich gut gelungen ist.

Gefahren sind wir den 2-Liter-TDI mit 150 PS und automatischem 7-Gang-Doppelschaltgetriebe, der auf 46.290 Euro kommt. Mit Extras wie einem Premiumpaket, Panoramadach, Navi oder Sonderlackierung kommen noch mehrere Tausender dazu. Die Einsteigerversion (1,5-Liter TSI mit 150 PS) rollt in diesen Tagen an und soll unter 40.000 Euro kosten; die beiden stärksten Motorisierungen (280 PS TSI und 240 PS TDI) gibt es ab 58.980 Euro bzw. 56.840 Euro. Zum Vergleich: Für den günstigsten Phaeton wurden rund 70.000 Euro fällig.

Mit dem Wissen, den Wagen preislich nicht zu sehr in die Höhe treiben zu können – er soll ja noch für die VW-Stammkundschaft leistbar bleiben – haben die Designer darauf verzichtet, zuviel Premium in den Wagen zu packen. So werden etwa Blinker und Scheibenwischer mit den altbekannten und ohnehin sehr hochwertigen VW-Hebeln bedient. Auch Plastik, allerdings auch in hochwertiger Form, findet sich im Innenraum zwischen Leder und Alcantara wieder.

Tolles Design
Und trotzdem hat das Interieur einen ganzheitlichen Look dank viel Augenmerk auf Design. Ein Detail, das besonders gefällt, sind die Lüftungsschlitze am Armaturenbrett, die auf Beifahrerseite durch eine Leiste verbunden sind, die exakt wie der flache, langgezogene Kühlergrill aussieht. Überhaupt sieht der Arteon von außen auch richtig schick aus: Die etwas nach unten gezogene Motorhaube mit dem flachen Grill geben der Eleganz einen Hauch von Sportlichkeit. Und die wirklich gelungene leichte Taille vor der Hinterachse lässt den Arteon noch dynamischer aussehen.

All diese Dinge heben den Wagen tatsächlich deutlich vom Passat ab, doch wirklich beeindruckt uns das Handling. Wir sitzen nicht nur höchst bequem, wir lenken auch so: Die Haptik des Lederlenkrads sowie dessen Widerstand sprechen uns voll und ganz an, der Arteon lenkt sich sanft und angenehm aber trotzdem agil über die Straße. Er ist gut gefedert und auch für lange Strecken geeignet – nicht zuletzt wegen des hervorragenden Raumangebots (4,86 Meter Länge, 2,84 Meter Radstand) auf allen Plätzen und dem 563 Liter großen Kofferraum.

Top Assistenten
Wir fahren gerne, auch wenn ein paar Pferdchen mehr unter der Haube nicht schlecht wären (die schaden nie, außer wenn man an die Versicherungsprämie denkt). Trotzdem schaffen die 150 PS alles, was von ihnen verlangt wird. Nur könnte es – für ein Premium-Fahrzeug – etwas leiser auf der Autobahn zugehen.

Dort gefallen uns zwei Assistenten, die sehr gut funktionieren: Das Spurhaltesystem, das den Wagen schon sehr gut selbständig lenkt, und der adaptive Tempomat, der sich auf realistisch kurze Distanzen einstellen lässt.

Auch was die Ausstattung betrifft (wir haben die "Comfortline") ist eigentlich alles da, nur würden wir uns ein paar oberklasse-typische Dinge mehr wünschen: Eine Lenkradheizung oder ein Head-up Display. Die gibt es natürlich, kosten aber extra.

Beeindruckender Verbrauch
Ganz besonderes Lob gebührt Volkswagen für das Soundsystem. Selten, dass ein Auto einen derart guten und hervorragend ausbalancierten Klang hat. Das ist definitiv Premium. Dafür könnte das Infotainment-System (das die Karte das Navi auf das virtuelle Cockpit spielen kann) etwas intuitiver zu bedienen sein. Nicht schlimm, aber da sollte nochmal ein User Experience Designer drüber schauen.

Eine wichtige Sache müssen wir aber noch erwähnen, und das ist der Verbrauch. Der ist nämlich beeindruckend niedrig für ein 1,8-Tonnen schweres Fahrzeug: Wir schaffen es immer wieder, mit knapp unter 6 Litern pro 100 Kilometer unterwegs zu sein, ohne dass wir uns dafür besonders bemühen.

Insgesamt steht Volkswagens Mission "Oberklasse" also auf soliden Beinen und dürfte in Wolfsburg den Phaeton bald vergessen machen.

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