Lancia 037 Rally

01. Januar 2018 04:30; Akt: 31.12.2017 13:51 Print

Der letzte Klassiker im Rallye-Sport

von B.v.Rotz - Er ähnelte zwar dem Montecarlo, doch der Lancia 037 Rally hatte es faustdick unter der Haube.

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Als man im Fiat-Lancia-Konzern über einen Nachfolger des Fiat 131 Abarth als Rallye-Einsatzfahrzeug nachzudenken begann, stand jener gerade in seiner größten Blüte: Walter Röhrl errang im Frontmotor-Fiat mit Heckantrieb den Fahrer-Weltmeisterschaftstitel, insgesamt fuhr der Wagen bis 1981 20 WRC-Siege ein – eindrücklich für ein derartig konventionell gebautes Auto.

Doch die für 1982 angekündigten Reglementsanpassungen und die neue Gruppe B wiesen einen neuen Weg, mit einem optimierten Straßenfahrzeug war da kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Fast komplett neu
Man entschied sich für den Lancia Montecarlo als Basis. Viel blieb vom Serien-Wagen allerdings nicht. Einzig die Fahrgastzelle konnte man in Teilen verwenden, vorne und hinten aber schweißte man einen Rohrrahmen an das Mittelteil, den Motor baute man längs anstatt quer hinter die Fahrgastkabine, um mehr Freiheiten bei der Gestaltung der Aufhängungen zu erhalten.

Die Karosserie wurde bei Pininfarina gestaltet, verantwortlich zeichnete Ingeniere Fioravanti. Er leistete ganze Arbeit. Das Ergebnis sah aus wie ein Montecarlo auf Steroiden.

Als Motor wurde der Doppel-Nockenwellen-Vierzylinder mit 16 Ventilen und knapp zwei Litern Hubraum eingesetzt. Um auf die nötige Leistung zu kommen, verpasste man ihm einen Kompressor, da man daraus gegenüber einem Turbo ein verbessertes Ansprechverhalten erwartete. 310 PS leistete die Rennversion, 205 waren es bei der Straßenvariante, die im April 1982 am Turiner Autosalon vorgestellt wurde.

200 Exemplare
Die Straßenversion, die Lancia wegen der Gruppe-B-Regeln 200-mal bauen musste, unterschied sich nur marginal von der Rennvariante: Statt einer Einspritzung war ein Weber-Doppelvergaser an Bord. Wie beim Rallyeauto sorgte ein ZF-Getriebe für die Übertragung der Kraft auf die Hinterräder, und auch die Einzelradaufhängungen mit Doppelquerlenkern rundum entsprachen der Rallyevariante.

Etwas Komfort in Form elektrischer Fensterheber und eines geschmackvoll ausstaffierten Interieurs kam dazu, etwas Isolation und eine wirksame Geräuschdämpfung am Auspuff ebenso, was das auf 1163 kg angestiegene Gewicht der Straßenversion, die nun gemeinhin einfach Lancia Rally genannt wurde, erklärte.

Rallye-Erinnerungen
Auch der Straßenflitzer verströmte jede Menge Rennatmosphäre, woran die doppelten Buckel auf dem Dach sicherlich ihren Anteil hatten. Aber auch das Heckfenster, das einen direkt auf den appetitlich servierten Motor blicken ließ und der optional montierbare Heckspoiler erinnerhalben daran, dass der eigentliche Einsatzzweck des Lancia die Rallye-Pfade waren.

Lancia nahm keine Abkürzungen. Die Straßenversion des Rally wurde aufwendigen Aufprallversuchen – ein Aufpralltest mit 80 km/h zeigte, dass die Mittelzelle sicher war, die Türen ließen sich immer noch öffnen – unterzogen. Zudem testete Qualitätsmanager Giorgio Pianta jeden 037 vor der Auslieferung ausgiebig.

Verlangt nach Muskelkraft
Der Einstieg verlangte nach einer gewissen Sportlichkeit, aber einmal an Bord, war das Fahren keine Hexerei, verlangte aber nach trainierten Bein- und Armmuskeln. Mit 7,6 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h und 227,8 km/h erfüllte der Wagen die Leistungsversprechen des Werks einigermassen, aber schon vor 35 Jahren gab es schnellere Autos für in der gehobenen Preisklasse. Jedenfalls waren die 200 Exemplare damals gar nicht so einfach zu verkaufen, heute aber sind sie wertvolle Sammlerfahrzeuge.

Weitere Informationen und viele Bilder gibt es auf www.zwischengas.com.

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