Keine Baugründe

08. Februar 2018 12:04; Akt: 08.02.2018 20:49 Print

Droht dem geförderten Wohnbau bald das Ende?

Die Mieten explodieren. Und sie werden weiter steigen, wenn die Politik nicht für günstige Baugründe sorgt, warnen gemeinnützige Wohnbauträger.

Prof. Mag. Karl Wurm, Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen. (Bild: Helmut Graf)

Prof. Mag. Karl Wurm, Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen. (Bild: Helmut Graf)

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Karl Wurm ist Obmann der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) in Österreich. Der soziale Wohnbau werde scheitern, wenn die Politik nicht für günstige Baugründe sorgt, warnt der Experte im "Heute"-Interview. Er fordert rasche Maßnahmen der Regierung, sonst würden die Mieten weiter rasant ansteigen.

Umfrage
Sind die Wohnkosten in Österreich zu hoch?

Heute: Private Hauptmieten sind laut aktueller AK-Studie in Österreich zwischen 2008 und 2016 um 35 Prozent gestiegen. Werden Mietwohnungen Luxus?

Karl Wurm: In Wien sind die privaten Mieten sogar um 43 Prozent gestiegen. In den Ballungsräumen ist die Nachfrage höher.

Heute: Kann man da von „leistbarem Wohnen“ sprechen?

Wurm: Wohnen wäre leistbar, wären auch die Löhne im selben Ausmaß gestiegen. Das ist aber nicht der Fall: Die Einkommen haben im selben Zeitraum nur um 22 Prozent zugenommen. Die Leute haben also weniger Geld und müssen immer mehr für das Wohnen ausgeben. Das wird ein enormes Problem.
Der private Wohnungsmarkt ist eben ein freier Markt. Und wenn das Angebot geringer ist als die Nachfrage, dann steigt der Preis.

Das "absolute Kontrastprogramm"

Heute: Was kann der gemeinnützige Wohnbau dagegen tun?

Wurm: Wir bieten das absolute Kontrastprogramm gegen den freien Markt an. Für gemeinnützige Wohnbaugesellschaften ist ausdrücklich vorgeben, dass sie diesen Marktmechanismen nicht gehorchen dürfen. Wir dürfen nur die tatsächlichen Kosten verrechnen. Kurz: Wir schauen nicht auf Profitorientierung und Gewinnmaximierung, das dürfen wir nicht.

Heute: Gibt es im gemeinnützigen Wohnbau befristete Mietverträge?

Wurm: Grundsätzlich nicht, außer sie sind aus der Sache heraus begründet. Ein Beispiel: Wir bauen auch Altenheime. Dort gibt es natürlich befristete Verträge, sonst könnten ja die Erben einsteigen.
Ansonsten gibt es bei uns nur unbefristete Verträge – das ist ein weiterer großer Unterschied zum privaten Wohnbau.

350 Euro Unterschied bei der Miete

Heute: Wie sind die Preisunterschiede zwischen privatem und gemeinnützigem Wohnbau bei einer durchschnittlichen 70 Quadratmeter Wohnung?

Wurm: Bei uns liegt die Durchschnittsmiete von Neu- und Altwohnungen bei 7,12 Euro pro Quadratmeter, der bei Altwohnungen allein liegt der Schnitt bei 5,40 Euro.
Die absolute Untergrenze bei Privat-Mieten liegt aber schon bei 9,35 Euro, Neubauwohnungen in guter Lage kosten bis zu 20 Euro Miete pro Quadratmeter.
In Wien werden bei Privat-Mieten im Schnitt 12 bis 13 Euro pro Quadratmeter verlangt. Gemeinnützige Wohnungen in Wien kosten aber höchstens 7,50 Euro. Bei einer 70 Quadratmeter-Wohnung in Wien ist das also im Schnitt ein Unterschied von rund 350 Euro – im Monat!

Heute: Welche Formen von gemeinnützigem Wohnbau gibt es eigentlich?

Wurm: Zwei Hauptelemente prägen das Angebot des gemeinnützigen Wohnbaus: Die geförderte Miet- und die geförderte Eigentumswohnung. In den Bundesländern ist die Eigentumswohnung – Stichwort Häuslbauer – stärker, in den Städten herrscht eine Miet-Dominanz vor. Leider gibt es derzeit in den Ballungsräumen viel zu wenige Mietwohnungen.

Ohne billigen Baugrund keine günstigen Wohnungen

Heute: Wie kommen Sie eigentlich zu den Bau-Grundstücken?

Wurm: Wenn wir günstige Wohnungen errichten wollen, müssen wir am Grundstücksmarkt die hohen Preise bezahlen. Das ist ja das wachsende Problem: Wie sollen wir bei diesen hohen Grundstückspreise noch einen leistbaren Wohnraum zusammenbringen?
Daher unsere Forderung: Wenn die Politik langfristig der Bevölkerung einen leistbaren Wohnraum zur Verfügung stellen will, muss sie für billigere Grundstück sorgen. Unsere Gemeinnützigkeit ist unsere Berechtigung: Die Regierung muss sagen, dass sie uns als stabilisierendes Element am Wohnungsmarkt braucht. Deshalb sollte ausschließlich der gemeinnützige Wohnbau günstige Grundstücke bekommen. Aber gerade hier geht nichts weiter.

Heute: Eine Bringschuld der Politik?

Wurm: Ja, auf jeden Fall. Wenn man dieses Marktspiel weiter zulässt, kann man sich ausrechnen, wann es keinen geförderten Wohnbau mehr gibt. Eine Alternative wäre, die Wohnbauförderungen zur Abfederung diesen hohen Grundpreise so in die Höhe zu schrauben, dass sich die Leute die hohen Mieten leisten könnten. Das macht aber keinen Sinn und würde dem Steuerzahler viel Geld kosten.
Konkret wollen wir, dass Städte und Kommunen niedrigere Grundstückspreise – unter dem Marktpreis – für leistbaren Wohnraum rechtlich abgesichert festlegen dürfen.

Heute: Wie kommt man zu einer gemeinnützigen Wohnung?

Wurm: Am einfachsten ist es, die Homepage des Verbandes der gemeinnützigen Bauvereinigungen unter www.gbv.at zu besuchen: Dort findet man nach Bundesländern eingeteilt alle Wohnbauvereinigungen und kann seinen Wünschen und Preisvorstellungen entsprechend auswählen.

Keine Maklergebühren

Heute: Muss der Kunde Maklergebühren bezahlen?

Wurm: Nein, das gibt es bei gemeinnützigen Gesellschaften nicht.

Heute: Auch die Betriebskosten steigen permanent. Kann das im gemeinnützigen Wohnbau zur Kostenfalle werden?

Wurm: Natürlich können Betriebskosten zu einem Problem werden, da ist der Unterschied zwischen Privaten und Gemeinnützigen nicht so groß. Aber wenn schon die Grundmiete hoch ist, dann wirken sich hohe Betriebskosten zusätzlich verschärfend aus. Wir haben ja oft das Problem, dass wir bei neuen Wohnungen sehr viel Technik in den Häusern installiert haben. Und diese Technik, die teilweise über Normen vorgegeben ist, hebt die Baukosten ebenso wie die Betriebskosten.
Wir wollen diese Entwicklung einbremsen: Ein gemeinnütziger, sozialer Wohnbau muss nicht alles können. Gemeinnützige Luxuswohnungen wären falsch.

(GP)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • onlinekiebitz am 08.02.2018 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wie war es denn früher !!!

    gleich nach dem krieg waren die gemeinden die bauherren ! man ging aufs amt, beantragte eine wohnung und bekam eine zugewiesen ! das bad war ausgebaut, und ein herd stand in der küche, alles andere mußte man selbst berappen ! na und heute gibts die " gemeinnützigen " die alles andere als gemeinnützig sind, man muß bei einzug ca. 30000 - 50000 bezahlen, hat man das geld nicht, muß man sich jahrzehnte verschulden ! also was ist da gemeinnützig ? da kann man das " nützig " gleich weglassen !!! wem nützt ein solches system ? nur den wohnbaugesellschaften, deren verantwortlichen samt entourage

  • Censorship am 08.02.2018 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Zumindest in Wien kennt man die Schuldig

    Hätten die rot/grünen Antidemokraten in Wien nicht viele Baugründe an ihre Freunde gegen eine massiven Zahlung verschenkt, wäre noch genug Baugrund da... Vergibt man dann noch Sozialwohungen an Ausländer und in diversen Bauten ausschließlich an Ausländer, werden die Sozialwohnungen knapp, zumal man noch ein paar tausend für eine neue Asylbewerberflut zurückhält... Zumindest in Wien kann man recht eindeutig sagen, wer schuld ist..

  • Ich SagsEinfachWieEsIst! am 08.02.2018 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Unbegrenztes Bauen ist keine Lösung!

    Wir brauchen nicht noch mehr Betonburgen und Getthos à la Aspern in Wien! Es würde reichen, wenn auch in Wien der grün-rote Sumpf trockengelegt würde, und danach konsequent die vielen illegalen und mit Doppelstaatsbürgerschaft ausgerüsteten Nicht-Österreicher abgeschoben werden würden. Kompletter Zuwanderungsstop, Abschiebungen und Einfrieren/Senken der Bevölkerungszahl, damit Wien wieder lebenswert wird! Damit würde sich auch das Problem der fehlenden Wohnungen lösen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • teer und federn am 10.02.2018 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    der staat hat mietpreise festzusetzen

    verstöße und mietwucher zu ahnden. leistungslose einkommen wie vermietung sollten endlich einmal besteuert werden und zwar in der höhe daß sich sozialer wohnbau finanzieren läßt. maklergebühren und kautionen gehören abgeschafft, von mir aus sollen sie bei luxusimmobilien eingehoben werden können, doch im wohnbau gehört diese art von zuhälterei verboten. wir alle (außer die üblichen privilegierten wie reiche, bauern und beamte) hätten kein dach über dem kopf wenn die roten nicht einst den sozialen wohnbau begonnen hätten. die sozialen errungenschaften der roten werden heute vergessen.

  • teer und federn am 10.02.2018 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    "soziale heimatpartei" zu plakatieren

    reicht eben nicht. die immobilienhaie und vermieter sind leider in der mehrheit övp/fpö-klientel, für die jungen wird gar nichts getan, es werden nur teuerste eigentumswohnungen gebaut die sich niemand leisten kann. eine weitere zersiedlung braucht auch niemand außer der eine oder andere, korrupte bürgermeister. kleine wohnungen braucht es, arme leute sollten nicht heiraten sondern ihren eigenen hausstand haben um unabhängig zu sein denn sie haben weder das einkommen für scheidungen noch um eigentum zu erwerben. und sie können es sich auch niemals erwirtschaften bei den hungerlöhnen.

  • Franz Weinpolter am 10.02.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wohnsilo

    Wer in so einem Massenquartier oder gar im Gemeindebau hausen muß, hat im Leben sowieso so ziemlich alles falsch gemacht.

    • teer und federn am 11.02.2018 01:33 Report Diesen Beitrag melden

      wer hingegen geerbt hat,

      hat alles richtig gemacht, klar doch.

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  • SockenRambo am 09.02.2018 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wien steuert es selbst

    Die Stadt Wien lässt nachweislich Tausende Wohnungen leer stehen. Gilt ebenso für Büros.. Wem leuchtet ein das seit 15j ein Büro Komplex leer steht, daneben aber ein neuer gebaut wird!?

    • Wien ist am 11.02.2018 09:29 Report Diesen Beitrag melden

      eben anders

      Du glaubst aber nicht wirklich das die urspünglich rund 70K "Leerwohnungen" heute noch leerstehen? Die haben bestimmt bereits "Mieter" gefunden ;)

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  • Zinseszins am 09.02.2018 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Angebot und Nachfrage regelt den Preis.

    Die Grünen sind zwar theoretisch gegen hohe Mieten aber billigste Massenquartiere (Wohnblöcke) am Stadtrand wollen sie auch nicht errichten lassen um ja das Angebot gering zu halten.

    • teer und federn am 11.02.2018 01:34 Report Diesen Beitrag melden

      dachte gar nicht daß die partei

      der immobilien- und zinshaie ausgerechnet die grünen sind. wählen die nicht eher schwazblau?

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