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20.09.2012

Mögliches Anbauverbot

Krebserregender Gen-Mais?

Mais

Bei einer Studie wurden Ratten mit Genmais gefüttert. Die Ergebnisse zeigten, dass diese wesentlich früher starben als jene, die mit 'normalem' Mais gefüttert wurden. (© Fotolia)

Eine französische Studie über die genveränderte Maissorte NK 603 sorgt in ganz Europa für Aufregung. Darin heißt es, dass das in der EU bereits als Futter- und Lebensmittel erlaubte Produkt bei Ratten krebserregende Wirkung zeigte. In einer ersten Reaktion erwägt das österreichische Gesundheitsministerium im Falle einer Zulassung zum Anbau ein nationales Anbauverbot. Doch Deutschland kritisiert die Studienergebnisse.

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 sprach von "erschreckenden Ergebnissen", denn "nach nur wenigen Monaten zeigten mit Genmais Sorte NK603 gefütterte Ratten massive gesundheitliche Beeinträchtigungen. Bereits nach vier Monaten erkrankten die männlichen Tiere an Tumoren der Leber und der Nieren. Bei weiblichen Tieren zeigten sich zusätzlich nach sieben Monaten auch Geschwüre an der Brust. Die mit Genmais gefütterten Ratten starben wesentlich früher als jene, die mit 'normalem' Mais gefüttert wurden."

Berlakovich: "Österreich bleibt gentechnikfrei"
Zur aktuellen französischen Genmais -Studie hält Österreichs Umweltminister Nikolaus Berlakovich fest: "Österreich nimmt eine führende Rolle bei Gentechnik-Selbstbestimmung in Europa ein. Angesichts dieser neuen Studie muss die EU-Kommission ihr Prüfverhalten überdenken und das Zulassungsverfahren muss eingehend überprüft werden. Wir wollen auch in Zukunft gentechnikfrei bleiben. Österreich hat alle von der EU erlaubten gentechnisch veränderten Pflanzen mit einem Verbot belegt."

Stöger kann sich Anbauverbote vorstellen
"Wir werden die Studie selbstverständlich analysieren", betonte Fabian Fußeis, Sprecher von Gesundheitsminister Alois Stöger. Sie bestärke jedenfalls die kritische Haltung Stögers bezüglich der Zulassung gentechnisch veränderter Lebensmittel in Europa. "Man sollte die Studie auch in Brüssel ganz genau prüfen." Für detaillierte Schlüsse sei es aber noch zu früh. Nur so viel: "Wir haben bisher immer noch nationale Anbauverbote verhängt, und das werden wir auch diesmal tun, sollte dieses Produkt zugelassen werden."

Weltweite Besorgnis
Doch auch in anderen EU-Ländern ist eine Debatte über den Mais entflammt: "Ich habe ein rasches Verfahren von einigen Wochen verlangt, um die wissenschaftliche Stichhaltigkeit dieser Studie zu überprüfen", sagte Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault. Paris und Brüssel hatten am Mittwoch nach der Veröffentlichung der Studie ihre Gesundheitsbehörden eingeschaltet. In der Europäischen Union sind der Genmais MON810 von Monsanto und die Kartoffel Amflora des deutschen Unternehmens BASF für den Anbau zugelassen. Weitere Genpflanzen sind zur Verarbeitung in Futter- und Lebensmitteln erlaubt.

Kritik: Aufgetretene Tumore typisch für verwendeten Rattenstamm
Deutsche Biologen haben die französische Studie zum erhöhten Krebsrisiko durch Genmais scharf kritisiert. "Sowohl von der Auswahl der Tiere als auch vom statischen Ansatz her ist das Studiendesign nicht vertretbar", sagte der Vizepräsident des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland, Diethard Tautz. "Der Wirbel, den die Veröffentlichung ausgelöst hat, ist in keiner Weise angemessen, Forderungen nach sofortigen Konsequenzen können damit nicht begründet werden", ergänzte der Genetiker vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön bei Kiel.


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