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„Syndicate“: Actionreicher Traditionsbruch

„Syndicate“: Actionreicher Traditionsbruch

Konzern-Agenten im Gefecht. (© GamingXP / EA)

Syndicate
Konzern-Agenten im Gefecht.
Heute erscheint ein schon im Vorfeld umstrittener Titel: Das von Starbreeze Studios entwicklete und EA vertriebene neue „Syndicate“. Grund der Kontroverse: Das Spiel ist der Relaunch eines Franchise,  das in den 90ern als Echtzeit-Strategiespiel für Furore gesorgt hat – doch der neue Titel ist ein First-Person-Shooter, und noch dazu einer, der in Deutschland schwer mit der USK-Hürde zu kämpfen hat. Ein harter, actionreicher Traditionsbruch also, und wir haben uns angesehen, ob der Genrewechsel sich bewährt.

So, wie heute Zombie-Settings allgegenwärtig sind, waren in den 90ern Zukunftsszenarien sehr beliebt, in denen Megakonzerne die übertechnisierte Gesellschaft regieren. Ein sehr gelungener Vertreter dieses Genres war das taktische Echtzeit-Strategiespiel  von Entwickler Bullfrog Productions, dem auch ein Sequel folgte. Dann aber ließ eine Fortsetzung des Kultfranchise lange auf sich warten – bis jetzt, da mit dem gleichnamigen FPS der Krieg der Konzerne im Jahr 2069 erneut beginnt …

Konzern-Agent
In der Welt von „Syndicate“ herrschen Korruption und Machtgier, für die Konzerne zählen für die Konzerne nur zwei Dinge: technologischer Vorsprung und die Zahl der gechipten Kunden. Wer keinen Chip hat, fällt durch den Rost. Im Hintergrund tobt ein brutaler Konzernkrieg, in den der Spieler als Agent des Konzerns EuroCom eingreift. Dabei steht aber nicht nur ein ein breites, einfach zu nutzendes Arsenal an Feuerwaffen von der schnellen Pistole über das wuchtige Sturmgewehr bis zur tragbaren Minigun zur Verfügung. Ein Agent hat auch noch seinen Dart 6 Chip.
Dessen Einsatz ist ein zentrales Gameplay-Element. Zum einen nimmt man während das Dart 6 Interface aktiv ist weniger Schaden und verfügt über eine Bullet-Time, zum anderen erkennt man feindliche Agenten und Polizisten auch, wenn sie sich hinter Wänden oder ähnlichem verbergen. Zu Beginn fällt das noch nicht allzu sehr ins Gewicht, mit fortlaufendem Spiel wird das Chip-Interface jedoch zunehmend wichtiger. Dabei lassen sich die Chip-Features durch Talente ausbauen, zumdem dient das Teil auch noch zu diversen Hacks, die von einer einfachen Waffenfehlfunktion bis zum Selbstmord reichen. Dank der richtigen Dosis Tutorial und erst mit der Zeit wachsender Optionenfülle stellt dieser Featurewald aber kein Problem für den Spieler dar.

Gemeinsam im Krieg
Neben der Einzelspieler-Kampagne ist auch der Onloine-Koop-Modus für bis zu vier Spieler ein Kernfeature von „Syndicate“. Er ist dem dem Singleplayer nicht unähnlich aufgebaut und folgt auch einer Storyline, die mit der Solokampagne zwar inhaltlich verwoben, aber dennoch eigenständig ist. Der Modusbietet dabei ein flottes und actionreiches Spielerlebnis, bedient aber auch Freunde ausgereifter Taktiken und bedingt solide Teamarbeit, angefangen bei der Wahl sich ergänzender Waffensets. Friendly Fire sollte man tunlichst vermeiden, gefallene Mitstreiter durch sogenanntes „Rebooten“ wieder zurück ins Gefecht zu holen dagegen kann nicht schaden.

Auf welcher Plattform man spielt, ist erfreulicherweise eher unerheblich: Mit einem Konsolen-Controller ist der Zugang zu den verschiedenen Fertigkeiten etwas einfacher, während Zielen und Schießen wie gewohnt mit der Maus schneller und präziser von der Hand gehen. Auch grafisch gibt’s auf der Konsole nur marginale Abstriche gegenüber dem PC, man kann sich hier wie dort trotzt westlichen Settings des Eindrucks nicht erwehren, man wäre in Shanghai oder Tokio. Detailreiche Umgebungen, futuristisch gestaltete Drohnen und Uniformen tragen zu einem gelungenen Flair bei. Auch die Sprecherstimmen sind gelungen, die Musik zwar höhepunktlos, aber passend und keineswegs störend.

USK-Stolperstein
Während bei uns in Österreich die PEGI-Fassung mit heute im Handel ist, stolpert „Syndicate“ in Deutschland über die USK-Hürde. Im Januar ließ Produzent Ben O'Donnell aufhorchen, dass die Einstufung verweigert sei – doch EA dementierte prompt. Noch heute zum geplanten Release heißt's auf der offiziellen deutschen Website, der Titel sei bislang nicht USK-geprüft. Es wäre heutzutage schon eher unverständlich, wenn ein Titel wie dieser nicht einmal eine 18er-Freigabe bekommt – denn die Gewaltinhalteähneln letztlich nur dem, was schon in unzähligen Actiontiteln zuvor zu finden war.

Der Gesamteindruck, den „Syndicate“ hinterlässt, ist ein guter. Den Qualitäten, die der Titel als eigenständiges Actionspiel gezeigt hat, sollte man unvoreingenommen gegenüberstehen. Hier wird kein Schindluder mit der Franchise getrieben und kein Kultobjekt entweiht. „Syndicate“-Fans alter Schule, die den Genrebruch als verwerflich empfinden und den Titel daher von Vornherein ablehnen, sollten ihm eine Chance geben. Handwerklich ist „Syndicate“ ein ansprechendes Spiel, das vielleicht hie und da eine Anleihe bei „Deus Ex“ nimmt, aber dennoch stets dem eigenen Stil treu bleibt. Darüber hinaus könnte man den Koop-Modus durchaus als Hommage an das Original sehen. Vier Agenten kämpfen für ihren Konzern – kommt einem doch gleich bekannt vor, oder? Alles in allem ist „Syndicate“ ein abwechslungsreicher und erstklassig präsentierter Actiontitel.

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