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22.06.2012
Radiosendung regt auf
Sexismus-Eklat entzweit die EURO-Gastgeber
Sexistische Sager lassen User auf Facebook Sturm laufen und bedrohen die gute Stimmung der EURO-Gastgeberländer (© VASSIL DONEV (EPA))
Das ukrainische Außenministerium forderte eine Entschuldigung des Radiosenders: "Wir können nicht die Augen verschließen, wenn in der polnischen Medienöffentlichkeit Ehre und Würde von Ukrainern beleidigt werden", heißt es in der Erklärung des Ministeriums vom Donnerstag
Stein des Anstoßes waren die Kommentar der beiden bekannten Radio-und Fernsehmoderatoren Kuba Wojewodzki und Michal Figurski zum Gruppenspiel Ukraine - England vom Dienstag gewesen. Er habe seine ukrainische Putzfrau wegen der Niederlage der Ukraine entlassen, erklärte Wojewodzki zunächst. In der Folge steigerten sich die Moderatoren in immer obszönere Erniedrigungsfantasien. Sie gipfelten in Figurskis Aussage, er würde seine ukrainische Putzfrau vergewaltigen, "wenn sie nur ein bisschen hübscher wäre".
Aussagen von Hörern verurteilt
Hörer gründeten sofort eine Facebook-Seite, auf der sie die Aussagen der Moderatoren verurteilten. Reaktionen von offizieller polnischer Seite gibt es bisher nicht, Radio Eska stellte sich allerdings hinter seine Mitarbeiter. Es sei ihnen nicht um die Beleidigung von Ukrainerinnen gegangen, so der Geschäftsführer des Mediums Boguslaw Potoniec, vielmehr hätten sie in einem Teil der polnischen Gesellschaft bestehende Stereotypen durch eine satirische Darstellung lächerlich machen wollen.
Figurski erklärte am Freitag wiederum auf Radio Eska, er habe Familienangehörige in der Ukraine und "ernsthafte, nicht nur sexuelle, Absichten gegenüber dieser großartigen Nation". In Polen leben verschiedenen Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend Ukrainer, die dort zum Teil schwarz arbeiten - viele von ihnen als Hausangestellte. Die beiden Länder, die zurzeit gemeinsam die Fußball-Europameisterschaft ausrichten, sind seit Jahrhunderten eng verflochten.
Beide Seiten beklagen Verbrechen
Obwohl sich Polen heute als Anwalt der Ukraine in der Europäischen Union sieht, beklagen beide Seiten, dass in der Geschichte begangene Verbrechen mit nationalistischem Hintergrund nicht aufgearbeitet wurden. Polen nennen hier vor allem das "Massaker von Wolhynien", bei dem die ukrainische Aufstandsarmee UPA (Ukrajinska Powstanska Armija) 1942 und 1943 zigtausende polnische Zivilisten tötete.
Im Polen der Zwischenkriegszeit lebte eine starke ukrainische Minderheit, die über schwere Diskriminierung klagte. Nach dem deutschen Überfall 1939 und der Zerstückelung Polens sowie nach dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 stellten sich viele Ukrainer in den Dienst der von den Deutschen aufgestellten Hilfspolizeieinheiten und waren so an Verbrechen der Besatzungsmacht beteiligt.
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