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07.09.2012
Partner mobil finden
16.000 Österreicher per GPS-App auf Sex-Suche
Verabredungen waren gestern! Heute wird der Partner anscheinend per Handy gesucht (© Fotolia.com)
Witziges aus dem Web
Eine neue Dimension bringt jetzt die Verbindung ortsbezogener Dienste mit Sozialen Netzwerken. Diese Location-Based Social Networks heißen zum Beispiel Scruff, Jack'd, Bender oder Nearox. Letzteres ist ein Hamburger Startup und gibt aktuell seine User-Zahl in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit etwa 70.000 an. Das größte Netzwerk dieser Art, das sich an Homo- und Bisexuelle wendet, heißt Grindr. Es ging im März 2009 online.
USA als Vorrreiter der App-Partnersuche
Inzwischen nutzen mehr als vier Millionen Menschen auf der ganzen Welt die Grindr-App, allein in den USA sind es nach Angaben des Unternehmens etwa 1,6 Millionen, in Deutschland etwa 100.000, die meisten von ihnen in Berlin, München, Köln und Frankfurt. Top-Städte weltweit seien London, New York, Paris, Chicago und Los Angeles, heißt es. In der Schweiz machen gut 30.000 mit und in Österreich etwa 16.000.
Mit Grindr auf dem Smartphone gestaltet man sich ein knappes Profil: Spitzname, Angaben zur Person wie Beziehungsstatus, Alter, Größe und natürlich ein Foto - da ist es besonders angesagt, mit dem iPhone und nacktem Oberkörper vor dem Spiegel zu posieren.
"Worauf stehst du?" als Anmachspruch
Geht man online, sind Dutzende Profile zu sehen. Man kann viele Bildchen ansehen und Messages schreiben. Ein Symbol zeigt, wer gerade ebenfalls im Netz ist. Die Kontaktaufnahme ist locker: "Hey sexy", "300m - wo bist du gerade?", "Worauf stehst du?". Man kann Leute speichern, aber auch blocken. Das Ganze ist gratis, Grindr finanziert sich über Werbeanzeigen und Premiumdienste, die es gegen Aufpreis gibt.
"Jeder Mann, der merkt, dass er schwul ist, fragt sich bald, ob jetzt gerade in diesem Augenblick um ihn herum noch andere Leute so fühlen wie er", meint Grindr-Gründer Joel Simkhai, der 1976 in Tel Aviv geboren wurde, bei New York aufwuchs und seine Firma nun in Los Angeles betreibt. Seine App hält er für die Erfüllung eines Menschen-Traums. Das Coming-out sei oft immer noch ein einsamer Prozess, doch Internet und Smartphone seien hilfreich.
Dating dieser Art vermittelt auch eine Illusion
Nutzer wie Matthias (36) in Hamburg sehen dennoch Probleme: "Mit der intimen Handhabung auf dem Handy wird der männliche Spieltrieb und Jagdinstinkt gereizt. Doch Dating dieser Art vermittelt auch eine Illusion. Man glaubt immer, noch jemand Besseres kennenlernen zu können." Ständig schlage einem die App neue Leute vor. "Auf die Dauer entsteht eine Sammelwut, man wird faul und zu anspruchsvoll."
Vor einem Jahr, im September 2011, brachte Simkhais Firma zusätzlich das Netzwerk Blendr auf den Markt, das sich nicht nur an gleichgeschlechtlich Orientierte richtet und betont, für freundschaftliche Kontakte entwickelt worden zu sein. Aber natürlich können es Frauen und Männer nutzen, wie sie wollen. Nutzerzahlen werden keine bekanntgegeben. Aber Deutschland sei unter den Top-Ten-Märkten, heißt es. Doch ein Blick zeigt: Nur wenige Frauen sind dort online.
Kaum Zahlen zum Markt des Mobile Datings
Zahlen zum Gesamtmarkt des Mobile Datings gibt es kaum. Laut einer Studie von "Dating-Vergleich.de" vor ein paar Wochen flirten in Deutschland bereits eine Million Menschen mobil. Dies könne man schätzen, wenn man die Download-Zahlen von Apples AppStore und dem Android-Store Google-Play sowie mobile Abrufstatistiken der führenden Dating-Anbieter zusammenrechne. Neben den genannten Apps sind auch die Portale von Badoo, Lovoo und FriendScout24 beliebt.
Mobile Dating steckt noch in den Kinderschuhen, wie Karolina Schaefer von "Dating-Vergleich.de" sagt. Manche Apps seien technisch noch nicht ausgereift. Sie prophezeit trotzdem: Da Smartphones immer beliebter werden, und dank Foursquare und Co. die Hemmung abnehme, den eigenen Standort preiszugeben, werde die neue Technik in den kommenden Jahren die Partnersuche extrem verändern.
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