Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Hoffnungskontinent Südamerika

Heute ist mein letzter Tag einer dreiwöchigen Reise durch vier Städte Südamerikas. Bogotà, Hauptstadt von Kolumbien, 2.600 Meter hoch gelegen, über zehn Millionen Einwohner, ist der Schlusspunkt, nach Stationen in Rio de Janeiro, Buenos Aires und Santiago de Chile. Jede dieser Riesenstädte hat mehr Einwohner als ganz Österreich. Ich versuche, meine Eindrücke kurz zusammenzufassen.

Der Erste: viel Jugend! Auch in den Kirchen. Anlass meiner Reise war der Weltjugendtag in Rio, an dem ich mit 560 Jugendlichen aus Österreich teilgenommen habe. Die meisten der drei Millionen jungen Menschen kamen aber aus Lateinamerika, einem insgesamt jungen Kontinent.

Der Zweite: Im Unterschied zu Österreich war das Wetter durchwegs kühl (südlich des Äquators ist jetzt Winter). Gar nicht kühl sind die Menschen. Herzlichkeit und Gastfreundschaft sind berührend. Alle vier Städte machen den Eindruck großer wirtschaftlicher Vitalität. Es wird unglaublich viel gebaut. Rio hat riesige, höchst moderne neue Stadtteil – und ebenso Santiago. Alltagsverkehr ist fast überall ein Albtraum, geeignet, jedem Wiener das Raunzen über unseren Verkehr abzugewöhnen.

Der Dritte: Was mich neben der Jugend am meisten berührt hat, sind die enormen sozialen Kontraste. In allen vier Städten gibt es, oft direkt neben den modernsten Vierteln, riesige Favelas, Armenviertel. Wird es gelingen, den Graben zwischen sehr arm und sehr reich zu verkleinern? Und wird es gelingen, die anhaltenden gewaltsamen Konflikte (etwa in Kolumbien) zu überwinden?

Es gibt hoffnungsvolle Anzeichen. Hoffnung macht mir die Kirche, der meine Besuche vor allem galten. Sie ist voller Leute, reich an sozialen und geistlichen Initiativen. Sie hat starken Rückhalt in der Volksfrömmigkeit und ist doch ganz im Heute da. Mein bleibender Eindruck: Hier ist Zukunft! Der Papst aus Lateinamerika zeigt es.

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