Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Lampedusa ist überall

"Immigranten, auf dem Meer umgekommen, auf Booten, die von einem Weg der Hoffnung zu einem Weg des Todes wurden." Immer wieder las er solche Nachrichten, erinnert sich Papst Franziskus.

Sie waren für ihn wie "ein Stich ins Herz". Lampedusa, die kleine Mittelmeerinsel, ist für viele Flüchtlinge aus Afrika das Hoffnungsziel. Auf überfüllten Booten versuchen sie die Überfahrt und hoffen auf die Insel und damit nach Italien zu kommen. Allein im Jahre 2011 ertranken über 2.300 Menschen bei diesen waghalsigen Versuchen. Tausende probieren es weiterhin.

Das Leid dieser Menschen hat Papst Franziskus bewogen, seine erste Reise in Italien nicht zu einem der großen Wallfahrtsorte zu unternehmen, sondern nach Lampedusa, auf die Flüchtlingsinsel, die wie ein Symbol für so viel Flüchtlingsnot in der Welt steht. "Wo ist dein Bruder?", fragt Papst Franziskus in seiner Predigt während der Messe mit Bewohnern und Flüchtlingen: "Diese Brüder und Schwestern von uns suchten schwierigen Situationen zu entkommen, um ein wenig Sicherheit und Frieden zu finden; sie suchten einen besseren Ort für sich und ihre Familien, doch sie fanden den Tod."

Papst Franziskus dankte den Bewohnern von Lampedusa ausdrücklich für ihre Solidarität mit den Flüchtlingen. Aber die Welt von heute warnt er vor der "Globalisierung der Gleichgültigkeit": "Wer hat geweint um diese Menschen?" Haben wir zu weinen verlernt, "zu weinen über die Grausamkeit in der Welt, in uns?" Lampedusa ist ein Zeichen, und Papst Franziskus hilft uns, es nicht zu übersehen, auch bei uns. Denn Lampedusa ist überall.

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