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Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Syrien – die Spirale der Gewalt

Jetzt sollen also die Waffen sprechen. Es soll ein kurzer militärischer Schlag sein. Seit Tagen wird von einem Angriff auf Syrien gesprochen. Maximal 48 Stunden soll er dauern. Wegen der Giftgasanschläge sei die rote Linie überschritten. Es müsse ein klares Zeichen gesetzt werden. Doch was kommt danach? Was sollen Bomben auf ein Land bewirken, das schon aus tausend Wunden blutet? Beginnen "die Großen" doch noch nachzudenken?

"Nachbar in Not" sammelt für die Hunderttausenden syrischen Flüchtlinge, die der Konflikt inzwischen verursacht hat. Spenden für die besonders betroffenen Kinder und Mütter werden weiter dringend erbeten (www.nachbarinnot.orf.at). Die Lage in Syrien ist so verwickelt, dass Ratlosigkeit sicher ehrlicher ist als noch mehr Waffen.

Alle kirchlichen Verantwortlichen des Landes lehnen entschieden einen Militärschlag ab: "So sind die Waffen nicht zum Schweigen zu bringen und das Leid der Zivilbevölkerung geht weiter." Bereits über 100.000 Tote und über 2 Millionen Flüchtlinge: Nur eine internationale Friedenskonferenz kann der Ausweg sein. Das fordern die religiösen Verantwortlichen.

Aber die machtpolitischen Interessen sehen anders aus. Denen, die eine Friedenskonferenz fordern, wird vorgeworfen, sie seien naiv. Waren denn die bisherigen Waffengänge in der Region erfolgreicher? Hat der Irakkrieg den Frieden gebracht? Und der Afghanistankrieg?

Papst Johannes Paul II. hat energisch vor dem Irakkrieg gewarnt. Er war nicht naiv. Er hat die Lage richtiger eingeschätzt als die, die um jeden Preis den Krieg wollten. Wem es wirklich um den Frieden geht, der wird nur als allerletztes Mittel zu den Waffen greifen. Die Menschen in Syrien flehen nur um eines: um den Frieden.

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