Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Vor dem Konklave

Heute darf ich wieder einen Gruß aus Rom schicken. Viele Augen sind zurzeit auf die "Ewige Stadt" gerichtet, wie man Rom auch nennt.

In wenigen Tagen werden die Kardinäle den neuen Papst wählen. Dann werden viele Fernsehkameras und noch viel mehr Augen auf den berühmten kleinen Kamin gerichtet sein, durch den schwarzer oder weißer Rauch kommen wird, je nachdem, ob die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle bereits einem der ihren zwei Drittel der Stimmen gegeben haben oder nicht.

Mich wundert immer neu das gewaltige Interesse an diesem Vorgang. Man kann das Ganze ja auch sehr kritisch sehen: Da versammeln sich ältere und alte Männer aus der ganzen Welt, um einen aus ihrer Mitte zu wählen, der nach weltlichen Maßstäben wahrscheinlich längst das Pensionsalter haben wird. Und der soll dann eine weltweite Institution leiten, die vielfach negative Schlagzeilen liefert: die katholische Kirche.

Und doch erlebe ich in diesen Tagen der Vorbereitung auf das Konklave ein ganz anderes Bild der Kirche: Da sind Bischöfe, Hirten aus der ganzen Welt, beisammen, beten und beraten, tauschen aus über die oft dramatischen Situationen ihrer Länder, in denen die Kirche sich bemüht, Not zu lindern, Konflikte zu schlichten, Bildung zu fördern, Glauben zu stärken, Hoffnung zu geben, das Evangelium zu leben.

Da wird deutlich, welche Kraft und Weisheit auch das Alter hat. Dann bin ich wieder voller Dankbarkeit über unsere weltweite Glaubensgemeinschaft. Gott gibt ihr neue Kraft! Das erlebe ich in diesen Tagen.

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