Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Der Abschied

Heute schreibe ich aus Rom. Gestern hat Papst Benedikt sich verabschiedet, nicht um weiterhin als Privatperson in Pension zu leben, um "einen ruhigen Lebensabend" zu haben, wie man gerne sagt, im "wohlverdienten Ruhestand", sondern ganz ausdrücklich, um der Kirche und den Menschen durch das Gebet zu dienen. Manche meinen: warum so einen Wirbel um die "Pensionierung" des Papstes machen?

+++ Der letzte Tag Papst Benedikts XVI. im Amt +++

Was mich hier in Rom überrascht, ist das gewaltige Medieninteresse. Am Mittwoch bei der letzten Generalaudienz waren nicht nur eine riesige Menschenmenge auf dem Petersplatz, sondern auch Fernsehteams und Journalisten aus der ganzen Welt. Warum kommen sie? Warum berichten sie? Sie sind ja nicht vom Vatikan hierher bestellt worden, sondern sie sind da, weil ihre Leser und Seher daran interessiert sind.

So war es schon 2005 beim Sterben von Papst Johannes Paul II. Alle Kameras waren auf das Fenster gerichtet, das Sterbezimmer des Papstes. Heute, acht Jahre später, blickt die Welt auf den Abschied des Papstes. Gibt es dafür eine Erklärung? Ich glaube, es liegt daran, dass wir in dieser oft so schnelllebigen und oberflächlichen Zeit starke Zeichen brauchen, die uns an den Sinn des Lebens, des Leidens, des Abschieds und des Sterbens erinnern.

Der Papst ist nicht einfach ein Privatmann. Er ist eine Art "Symbol". Wir alle müssen Abschiede durchleben. Darum schauen so viele dieser Tage nach Rom, wie er das macht: eindrucksvoll, überzeugend, glaubensstark.

Ihre Meinung