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30.12.2011

Tirolerin (33) kidnappte Kind

Prozess gegen Baby- Entführerin ab Mittwoch

BABY-ENTFÜHRUNG IN SALZBURG - PROZESS IN TIROL HAT BEGONNEN

Die Angeklagte und Richter Markus Neyer bei Prozessbeginn im April 2011 (© ROBERT PARIGGER (APA))

Der Prozess gegen eine Tirolerin, die im Juni 2010 ein drei Monate altes Baby aus einem Salzburger Einkaufszentrum entführt hatte, wird am kommenden Mittwoch am Innsbrucker Landesgericht fortgesetzt. Die Verhandlung war für zwei Tage anberaumt.

Mitte April war der Prozess vertagt worden, die Verteidigung hatte eine Ergänzung des ihrer Ansicht nach "schlampigen" psychiatrischen Gutachtens gefordert. Die 33-jährige Angeklagte hatte sich vor dem Schöffengericht für schuldig bekannt.

Mehrere Delikte
Der Frau wird von der Anklage neben Kindesentziehung das Verbrechen der Urkundenfälschung und Untreue vorgeworfen. Letzteres ist Hauptanklagepunkt, wofür eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren droht. Die Tirolerin soll in der Zeit von August 2007 bis Juni 2009 Geld im Wert von rund 160.000 Euro bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber unterschlagen haben. Beim Delikt der Kindesentführung liegt das Strafmaß bei bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.

Zum Prozessauftakt hatte die Beschuldigte unter Tränen ihre Tat geschildert. "Ich wollte zum Kreis der Mütter gehören", sagte die Frau aus dem Bezirk Kitzbühel, die im Herbst 2009 eine Fehlgeburt erlitten hatte. Sie sei nach dem Abortus und dem bevorstehenden Geburtstermin ihres Kindes im April 2010 unter Druck gestanden.

"Obwohl ich nicht mehr schwanger war, habe ich mich normal auf die Geburt vorbereitet", erklärte die Frau Richter Markus Neyer. In den Monaten zuvor habe sie ein Babybett, Kinderkleidung und Pflegeartikel gekauft. Sie habe sich von glücklichen Frauen mit Kinderwagen umzingelt gefühlt.

Zeugen bezeichneten das Verhalten der Frau zum Teil als "suspekt". So schilderte eine Nachbarin, dass rund zwei Wochen vor der Entführung ein Plakat mit der Aufschrift "Willkommen zu Hause" an der Wohnungstür der Angeklagten angebracht gewesen sei. Auch ein Kinderwagen und ein Babysitz seien ab und zu vor der Wohnung gestanden.

"Schuldig" bekannt
Auch zum Vorwurf der Veruntreuung von rund 160.000 Euro gegenüber einem ehemaligen Arbeitgeber - einem Reisebüro - bekannte sich die 33-Jährige schuldig. Ihr wird vorgeworfen, Geld am Arbeitsplatz nicht in die Kasse eingezahlt, sondern für private Zwecke verbraucht zu haben.

Die laut Beschuldigter "nicht geplante" Entführung hatte sich am 9. Juni 2010 zugetragen. Während die Kindesmutter Gewand in einer Umkleidekabine anprobierte, hatte die Tirolerin das Baby aus dem Kinderwagen genommen. Obwohl das Einkaufszentrum unmittelbar danach abgeriegelt worden war, gelang der Täterin die Flucht. Fünf Stunden später wurde sie in Bayern festgenommen. Das Baby konnte den Eltern unverletzt übergeben werden.

(APA/ red)

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