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17.01.2012

Schweine verendet

Erschütternde Tierquälerei in Graz und Mistelbach

STEIERMARK: KRASSER FALL VON TIERQUÄLEREI BEI GRAZ ENTDECKT

Der Tierarzt fand zahlreiche unterernährte und bereits verendete Schweine (© POLIZEI (APA))

Ein krasser Fall von Tierquälerei ist am Dienstag im Bezirk Graz-Umgebung bekanntgeworden: Bei einem tierärztlichen Lokalaugenschein wurden auf zwei benachbarten Gehöften eines Nebenerwerbslandwirtes zahlreiche unterernährte und bereits verendete Schweine gefunden. Wie es von Polizei und Amtstierarzt hieß, dürften aufgrund der Kadaver- und Knochenfunde seit Ende 2010 rund 35 Tiere verendet sein.

Die beiden Höfe in Kalsdorf gehören einer Familie, die sie im Nebenerwerb bewirtschaftet. Am vergangenen Donnerstag führte Amtstierarzt Diethard Hönger eine unangemeldete Stichprobenkontrolle durch, nachdem er zuvor einmal abgewimmelt worden war. Bei diesem Augenschein stieß er Tiermediziner auf zwei tote und 25 zum Teil unterernährte Schweine.

Unterernährte Tiere
Nachdem erste Maßnahmen veranlasst worden waren, gab es am Montag neuerlichen behördlichen Besuch, bei dem drei Tierärzte, eine Juristin der Bezirkshauptmannschaft und die Polizei beteiligt waren. Dabei wurden in einem zweiten Stall weitere verendete Tiere und Knochen entdeckt, sodass davon ausgegangen wurde, dass insgesamt 35 Tiere binnen etwa eines Jahres verendet sein mussten. Von den 25 noch lebenden Tieren waren sieben schwer unterernährt.

"Es hat furchtbar ausgeschaut. Das habe ich in den 36 Jahren meiner Dienstzeit noch nicht gesehen", schilderte Heimo Kordon von der Polizeiinspektion Kalsdorf.

"Schwierige Verhältnisse"
Hintergrund der Tiertragödie dürften schwierige Familienverhältnisse sein: Als die ersten Tiere im Dezember 2010 verendet seien, hätten die Landwirtin und die Tochter den Besitzer davon informiert; dieser habe aber davon nichts wissen wollen und auch Frau und Tochter ein Eingreifen untersagt. "Hier liegt offenbar ein psychisches Problem vor", so ein Beamter.

Wie Amtstierarzt Hönger sagte, sei die Landwirtschaft bisher noch nie einschlägig aufgefallen. Wenn keine Anlassfälle vorlägen, erfolge die Kontrolle generell stichprobenartig, sodass jährlich zwei Prozent der tierhaltenden Betriebe untersucht würden. Die drei Familienmitglieder wurden wegen Tierquälerei angezeigt, die noch lebenden Tiere wurden abgenommen.

Zweiter Fall in NÖ
Einen ähnlicher Vorfall gibt es auch in Niederösterreich: In der Weinviertler Gemeinde Gnadendorf (Bezirk Mistelbach) ist am Dienstag ein Schweinemastbetrieb geräumt worden. Nach Ansicht des Amtstierarztes sei ein Fall von Tierquälerei vorgelegen, sagte Bezirkshauptmann Gerhard Schütt auf Anfrage. Die knapp 400 Schweine und etwa 200 Ferkel wurden zu einem Schlachthof ins Waldviertel gebracht.

Laut ORF Niederösterreich wollte der Besitzer die Zwangsräumung noch mit allen Mitteln verhindern und sogar mit Selbstmord gedroht haben. Der Besitzer des nun geräumten Betriebs sei in der Folge ins Landesklinikum Hollabrunn eingeliefert worden.


(APA/ red)

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1 Kommentar von unseren Lesern

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mymagic1 (1)
17.01.2012 15:25

2% der Betriebe werden pro Jahr kontrolliert ...
... also jeder Betrieb statistisch alle 50 Jahre. Man kann sich also ausmalen, was da in österreichischen Bauernhöfen und Tierfabriken noch alles an Leid verborgen ist - neben den leider legalen Quälereien wie körperengen Kastenständen für Zuchtsauen usw.
Wie sinnvoll ist eigentlich dieses ganze System der Fleischproduktion? De facto ist es tierquälerisch und zudem auch gesundheitlich, welternährungstechnisch und ökologisch fatal.


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