Anwalt: "Drakonische Strafe" Österreich

Fünf Jahre Haft für Hannes Kartnig

HANNES KARTNIG

Grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, schweren Betrugs und Steuerhinterziehung für schuldig befunden (© APA)

KARTNIG
Kartnigs Anwalt sprach von einer "drakonischen Strafe"
Hannes Kartnig ist am Freitag im Straflandesgericht Graz zu fünf Jahren unbedingter Haft und einer Geldstrafe von 6,637 Millionen Euro verurteilt worden. Der frühere Präsident des Fußball-Clubs Sturm Graz wurde der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, des schweren Betrugs und der Steuerhinterziehung für schuldig befunden.

HANNES KARTNIG
Kartnig gab vorerst keinen Kommentar ab
Der ebenfalls angeklagte Ex-Sekretär des Vereins wurde wegen Beitrag zur Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 2,327 Millionen verurteilt. Sollte er nicht zahlen, muss er eine vorerst bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten antreten. Der ehemalige Sturm-Sportdirektor Heinz Schilcher erhielt wegen Steuerhinterziehung eine unbedingte Geldstrafe in Höhe von 1,895 Millionen Euro. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Anwalt: "Drakonische Strafe"
Während Kartnig ohne Kommentar das Gericht verließ, äußerten sich seine Verteidiger Richard Soyer und Michael Pacher zum Urteil. Soyer meinte, dass die Strafe in der Härte völlig untypisch sei und wohl ein Exempel statuieren sollte: "Wir sind noch nicht am Ende des Abends angelangt."

Ähnliche Worte fand auch Pacher: "Die Steuerfragen sind vom Finanzamt bisher nicht beantwortet. Das Urteil ist völlig unbefriedigend und kann so nicht rechtskräftig werden. In Marathonsprache sind wir nun bei Kilometer 38 angekommen und das bei gutem Puls."

Alle Angeklagten für schuldig befunden
Zudem wurden auch alle anderen Angeklagten für schuldig befunden. Die fünf ehemaligen Funktionäre des Vereins wurden am Freitag im Straflandesgericht Graz zu Geldstrafen von 1,3 Millionen  bis 3,8 Millionen Euro verurteilt. Weiters wurden teilweise bedingte Haftstrafen in der Höhe von sechs bis zwölf Monaten verhängt. Vom Vorwurf der betrügerischen Krida wurden alle Angeklagten freigesprochen.

"Für die Beitragstäter genügt es, dass sie die Tat des Haupttäters kennen, was von den Vorstandsmitgliedern angenommen werden muss", begründete Richter Karl Buchgraber die Verurteilungen. Kartnig habe "einen Personalaufwand getrieben, der in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage des Vereins gestanden ist", führte der Richter weiter aus.
 
Aufsehenerregender Prozess
Der 42. und letzte Verhandlungstag hatte wieder reges Interesse bei Zuschauern und Medien hervorgerufen. Hannes Kartnig erschien auffallend dezent mit dunkelblauem Blazer bekleidet und war sichtlich nervös und angespannt. Er wollte vor Verhandlungsbeginn keinen Kommentar abgeben.

"Nibelungentreue zum Verein"
Gleich zu Beginn hielt der Verteidiger des achten Angeklagten sein Schlussplädoyer. Er betonte, dass sein Mandant "das letzte Glied in der Kette" gewesen sei. Er habe nur aus "Nibelungentreue zum Verein" bei den Malversationen mitgemacht, einen Vorsatz habe es nie gegeben.

"Viele Fehler passiert"
Hannes Kartnig ließ in seinen Schlussworten nochmals die goldenen Zeiten von Sturm Graz Revue passieren. "Es sind viele Fehler passiert, aber wir haben auch dem Volk viel Freude bereitet", so der Ex-Präsident des Clubs. Er gab zu bedenken, dass sich "Millionen Menschen mit uns gefreut haben". Außerdem sei man auch "großartiger Steuerzahler, nicht nur Hinterzieher" gewesen, gab Kartnig zu bedenken. Zur Steuerhinterziehung habe er sich immer schuldig bekannt, "aber ich habe nie jemanden betrogen", so der Angekagte abschließend.


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