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26.02.2012

Interview

Adelsmayr: "Würde wieder nach Dubai gehen"

ADELSMAYR

Eugen Adelsmayr in seinem Haus bei Bad Ischl (© APA)

Der 52-jährige Oberösterreicher Eugen Adelsmayr steht in Dubai unter Mordanklage. Ihm und einem indischen Kollegen wird der Tod eines Patienten im Februar 2009 durch unterlassene Hilfeleistung und eine hohe Dosis Opiate zu Last gelegt. Der Mediziner soll damals eine Order ausgegeben haben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden soll. Der Strafrahmen beträgt drei Jahre Haft bis hin zur Todesstrafe.

Frage: Was hat Sie vor mittlerweile sieben Jahren dazu bewogen, in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zu gehen?

Adelsmayr: Ich habe vorher fast 15 Jahre in Tirol gearbeitet. Eines Abends habe ich interessehalber im Internet nach Jobangeboten gesucht und bin auf ein Inserat für eine vierwöchige Urlaubsvertretung in Abu Dhabi gestoßen. Ich habe mir Urlaub genommen und bin für einen Monat nach Abu Dhabi gegangen. Es hat mir dort sehr gut gefallen. Zurück in Österreich, Monate später, habe ich mit meiner Familie entschieden, dass ich mich in Tirol ein Jahr karenzieren lasse und nach Abu Dhabi gehe. Am Ende dieses Jahres habe ich dann ein Jobangebot aus Dubai erhalten - die Leitung einer neuen, großen Intensivstation am Rashid Hospital. Das war ein toller Karriereschritt. Zuerst habe ich einen Zweijahresvertrag unterschrieben und dann immer wieder verlängert. Anfang April 2009 habe ich dann beim Al Ain Hospital in Abu Dhabi begonnen zu arbeiten.

Frage: Was ist das Besondere an den VAE?

Adelsmayr: Am beeindruckendsten ist, wie Menschen aus den verschiedensten Ländern und Kulturen miteinander arbeiten. Auch die hohe Qualität dieser Arbeit. Ich habe auch wahnsinnig viel dabei gelernt.

Frage: Wie hat Ihre Familie es aufgenommen, dass aus einem Jahr schließlich sieben geworden sind?

Adelsmayr: Das hat sich einfach so entwickelt. Die Kinder waren damals noch in der Schule, daher gab es auch keine Diskussion, ob die Familie mitgeht. Ich bin anfangs noch viel heimgeflogen, die Familie hat mich oft besucht, es hat sich gut eingespielt. Später waren die Kinder keine Kinder mehr, sondern junge Erwachsene, die irgendwann ihre eigenen Wege gehen. Meine Frau ist natürlich öfter - ungefähr alle drei Monate - nach Dubai gekommen. Es war für das Familienleben nicht ideal, aber hat ganz gut funktioniert.

Frage: Am 17. Juli 2011 wurde schließlich der Prozess gegen Sie eröffnet. Wie hat Ihre Familie reagiert?

Adelsmayr: Es war schrecklich. Für meine Familie war dies ein schwerer Schlag. Ich habe zuvor nicht darüber gesprochen, wollte niemanden aufregen und belasten. Es war bis zu dem Zeitpunkt, als die Medien darüber berichteten, niemandem klar, was genau eigentlich los war.

Frage: Ebenfalls im Juli 2011 wurde die schwere Krankheit Ihrer Frau bekannt.

Adelsmayr: Sie hat das einfach zu lange für sich behalten. Bis der Zeitpunkt da war, dass es zu spät war, die Krankheit noch effizient zu behandeln. Es war eine fürchterliche Situation. Ich war mehrere 1.000 Kilometer weg, im Land eingesperrt, und meine Frau sterbenskrank.

Frage: Haben Sie und Ihre Frau aus Rücksicht aufeinander Ihre jeweiligen Probleme verschwiegen?

Adelsmayr: Ja. Wir waren uns da beide sehr ähnlich.

Frage: Was ist das Motiv der Behörden beim Prozess gegen Sie?

Adelsmayr: Als mir bei der ersten Untersuchung durch die "Dubai Health Authority" die Lizenz entzogen wurde (Dezember 2009, Anm.), habe ich ein Berufungsverfahren angestrengt. Dabei habe ich illegale Praktiken des Rashid-Hospitals aufgedeckt. Es hat dort eine Do Not Resuscitate-Order (DNR-Order, nicht wiederbeleben, Anm.) gegeben. Damit wurden praktisch Patienten getötet - obwohl das in den Emiraten verboten ist und als Mord geahndet wird. Das habe ich in meiner Verteidigungsschrift erwähnt. Völlig unerwartet wurde mein Berufungsverfahren schließlich vom "Higher Commitee for Medical Liability" (HCML)  - der höchsten Instanz für medizinische Fragen in den VAE - akzeptiert. In diesem Moment musste die "Dubai Health Authority" befürchten, dass die illegalen Machenschaften im Rashid-Krankenhaus publik und untersucht werden. Daher die polizeiliche Anzeige gegen mich - um mich mundtot zu machen.

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