Kritik an Glücksspielmonopol Österreich

Video sorgt vor Jackpot-Prozess für Wirbel

Video sorgt vor Jackpot-Prozess für Wirbel

Der Schweizer Behar Merlaku beim Schadenersatz-Prozess gegen die Casinos Austria AG im Landesgericht Feldkirch (© APA)

Casino-Prozess Behar Merlaku
Der Schweizer Behar Merlaku beim Schadenersatz-Prozess gegen die Casinos Austria AG im Landesgericht Feldkirch
Der Prozessauftakt um den (vermeintlichen) Millionen-Jackpotgewinn eines Schweizers im Casino Bregenz hat Anfang des Jahres für großen Medienrummel gesorgt. Eigentlich hätte der Schadenersatzprozess gegen die Casinos Austria Ende April fortgesetzt werden sollen, doch die Verhandlung wurde eine Woche davor auf den 6. Juli verschoben. Seit einigen Tagen kursiert nun in der Branche ein Kurzfilm, in dem die Casinos Austria auf breiter Front angegriffen werden.

+++ "Bis zum Tod für Gewinn kämpfen" +++


Neben dem Anwalt des Schweizer Klägers - er outete sich als Urheber - kommen in dem Video auch ehemalige Casinos-Mitarbeiter sowie der Salzburger Spielerschützer Roman Neßhold zu Wort, die zahlreiche schwere, großteils jedoch bekannte Vorwürfe gegen die bisherige Glücksspielmonopolistin erheben. Nicht nur angesichts der laufenden Ausschreibung der Spielbanklizenzen sorgt dies für Aufruhr. Die Casinos prüfen bereits rechtliche Schritte.

Teures Filmprojekt
Die fast 22-minütige Kurzdoku ist professionell produziert, die Kosten dürften sich auf weit über 10.000 Euro belaufen. Sehr ausführlich wird auf den Fall Behar Merlaku eingegangen - jener junge Bodenleger, der im März 2011 im Casino Bregenz den Automatenjackpot geknackt haben will. Das Geld - fast 43 Mio. Euro - hat er aber bis heute nicht gesehen. Die Casinos Austria verweigerten ihm die Auszahlung, weil es sich um einen Softwarefehler handle - im Video unten sehen Sie, wie der Jackpot damals ausgelöst wurde.

Der Höchstgewinn an einem solchen Automaten betrage nämlich nur 4.500 Euro, wird argumentiert. Merlakau verklagte daraufhin die Casinos auf 5 Mio. Euro; auf ein Vergleichsangebot der Casinos über 500.000 Euro war er nicht eingegangen. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. Er selbst und seine Frau, die an jenem Tag dabei war, sowie drei Casinos-Mitarbeiter werden aussagen.

Automat unter Verschluss
Die Casinos Austria hätten nach dem Vorfall den Automaten abgebaut und hielten ihn seitdem unter Verschluss, ebenso die Spielerkarte seines Mandanten, sagt Merlakus Anwalt Thomas Kerle in dem Video. Der Advokat geht in dem Film hart mit dem Glücksspielmonopol in Österreich ins Gericht, spricht zum Beispiel von "gezielter Beeinflussung" in Richtung Finanzministerium. Der Staat verleihe sich die Spielbanklizenzen "über den Umweg" Casinos Austria selbst.

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Aufgegriffen werden weiters ein internes Strategiepapier der Casinos Austria zur Abwehr von Konkurrenz, über das das Format bereits vor Jahren berichtet hatte, sowie die sogenannten Spielerkredite - Geld also, das die Casinos lange Zeit Stammgästen vorgestreckt haben. Es grenze ans Kriminelle, dass man Spielern Geld zum Weiterzocken gebe, meint Spielerschützer Neßhold in dem Video. Er leitet das "Institut Glücksspiel & Abhängigkeit" in Salzburg, das laut früheren Angaben Neßholds unter anderem vom niederösterreichischen Automatenkonzern Novomatic - dem Erzrivalen der Casinos Austria - finanziert wird.

Casinos: "Unlautere Methoden"
Die Casinos Austria weisen die Vorwürfe vehement zurück, Sprecher Martin Himmelbauer hat die Rechtsabteilung eingeschaltet. "Wir prüfen, inwieweit wir rechtlich gegen die Falschaussagen mancher Akteure vorgehen können." "Bemerkenswert" findet Himmelbauer, dass Rechtsanwalt Kerle "im Vorfeld einer der Wahrheitsfindung dienenden Gerichtsverhandlung bei solch einem Video mitmacht". Es sei "mehr als irritierend", dass einige der Protagonisten "ungeniert vor laufender Kamera" interne Unterlagen der Casinos Austria präsentierten, "die mutmaßlich von einer strafbaren Handlung stammen. Auch hier wird die Justiz möglicherweise noch gefordert sein", sagte Himmelbauer.

(APA/ red)


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