Prozess wegen Betrugs Österreich

Prostituierte knöpft Liftwart 150.000 Euro ab

Prostituierte knöpft Liftwart 150.000 Euro ab

Die Prostituierte ließ sich immer wieder Geld "schenken" (© Fotolia.com/Heute.at-Montage)

Die Prostituierte ließ sich immer wieder Geld "schenken"
Die Prostituierte ließ sich immer wieder Geld "schenken"
Liebe macht offenbar blind: Am Landesgericht Salzburg musste sich am Dienstag eine 32-jährige Prostituierte aus Tschechien wegen schweren, gewerbsmäßigen Betrugs und schwerer Nötigung verantworten. Die Frau soll von Mai 2006 bis Oktober 2009 einem Mann aus dem Salzburger Pinzgau mindestens 150.000 Euro abgeluchst haben. Zudem soll sie jemanden beauftragt haben, den Pinzgauer zu bedrohen, als dieser schließlich Geld von ihr zurückforderte.

Kennengelernt hatten sich der Liftbedienstete und die Tschechin drei Monate vor der ersten Überweisung in einem Nachtclub in Zell am See. Der Mann suchte sie in der Folge mehrmals auf und fand offenbar Gefallen an der Frau. "Er war sehr nett. Er hat nicht immer nach Sex verlangt und oft nur mit mir gesprochen", berichtete die Angeklagte vor Gericht. Als sie im Mai 2006 wieder zurück in ihre Heimat fuhr, habe sie der Pinzgauer angerufen und gefragt, wann sie wieder zurück nach Österreich komme. "Ich sagte, sobald ich Geld für die Reise habe. Da hat er gesagt, er gibt mir Geld. Damit ich nicht mehr als Prostituierte arbeiten muss." Zum ersten Mal überwies der Mann daraufhin einen Betrag: 1000 Euro.

Der Kontakt hielt an und wurde über die Monate immer intensiver. Fast täglich soll es ein- bis zweistündige Telefonate gegeben haben, dazu E-Mails und SMS. Mehrmals im Jahr trafen sich die beiden persönlich, im Pinzgau und in Tschechien. Und immer wieder überwies der Mann der Prostituierten Geld. "Die Frau hat ihm vorgetäuscht, mit ihm eine Beziehung eingehen zu wollen und ihm das Geld zurückzuzahlen zu können", betonte Staatsanwalt Marcus Neher. "Sie schilderte finanzielle Nöte und Schulden und gab an, mit der Prostitution aufhören zu wollen. Der Mann glaubte fälschlich, da wäre mehr als eine geschäftliche Beziehung."

Aus Geschenken wurde Verdacht auf Geldwäsche
Die Überweisungen aus dem Pinzgau flossen so regelmäßig, dass die Behörden auf die Transaktionen aufmerksam wurden und den Mann wegen Geldwäscheverdachts kontaktierten. "Damals fühlte sich der Salzburger allerdings noch nicht betrogen", betonte Neher. "Die Angeklagte meinte damals aber noch, sie wolle zu ihm ziehen." Im Dezember 2009 wandte sich der Mann aber an einen Rechtsvertreter und begann, mit ersten schriftlichen Mahnungen Geld von der Frau zurückzufordern. Paradoxerweise stellte er seine Überweisungen parallel dazu nicht ein. Kurz darauf - im Jänner 2010 - soll dann laut Anklage an seinem Arbeitsplatz ein Unbekannter aufgetaucht sein und den Mann bedroht haben. "Es liegt nahe, dass die Frau dazu jemanden beauftragt hat", so der Staatsanwalt.

Zu einer Anzeige kam es allerdings erst im Dezember 2011, also 22 Monate später. Als die Prostituierte polizeilich gesucht wurde, stellte sie sich im April 2012 der tschechischen Polizei und wurde nach Österreich ausgeliefert. "Ich habe ihn geliebt. Es hat sich noch nie jemand soviel um mich gekümmert", erklärte die hochschwangere Frau und Mutter eines heute zehnjährigen Sohnes vor Gericht. Und: "Er hat mir das Geld geschenkt." Der Pinzgauer soll aber zunehmend eifersüchtig geworden sein und ihr schließlich gedroht haben: "Wenn ich nicht zurück komme, wird er mein Leben vernichten", so die Prostituierte.

Mann musste Haus verkaufen
Der Verteidiger der Frau, Andreas Obertscheider, plädierte am Dienstag für einen Freispruch: "Wenn er in der Hoffnung auf eine Beziehung Geld überweist, ist das seine Sache. Es ist in Österreich nicht strafbar, jemanden um Geld zu bitten." Der Rechtsanwalt sprach von einer "ungewöhnlichen Fernbeziehung", in der der Mann liebeskrank geworden sei. "Er hat sich in ein junges Mädel verschossen, die Beziehung ist an seiner Eifersucht gescheitert. Die Hormone haben ihn viel Geld gekostet." Detail am Rande: Der Mann musste offenbar seine Haushälfte verkaufen, um seine Schulden bezahlen zu können.

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