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22.07.2012
Steiermark
Lage nach Unwettern entspannt sich langsam
Damit könnte das Gebiet südlich von Graz von den befürchteten Überschwemmungen verschont bleiben. Auch im Katastrophenort St. Lorenzen in Paltental, wo eine Schlammlawine am Samstag Dutzende Gebäude verwüstet hatte, war die Lage nach Angaben der Feuerwehr "stabil".
"Die Pegelstände gehen wieder zurück", sagte ein Sprecher in der Nacht auf Sonntag. Damit dürfte das befürchtete Sieben-Meter-Hochwasser in Graz ausbleiben. Um Mitternacht lag der Pegelstand bei 5,74 Meter. Zwar dürfte die Mur bis in der Früh weiter ansteigen, "aber nicht viel", hieß es aus der Landeswarnzentrale.
Der Grund sei das Abklingen der Regenfälle in den vergangenen Stunden. Dennoch wurde das Eintreffen des Hochwasserscheitels südlich von Graz mit Bangen erwartet. Während oberhalb der Hauptstadt hauptsächlich landwirtschaftliche Gebiete betroffen waren, sind bei Mellach und Wildon auch Siedlungen hochwassergefährdet.
Sperren
Das Mur-Hochwasser hatte sich am Samstag in Richtung der Landeshauptstadt Graz gewälzt. An zahlreichen Stellen trat der Fluss über die Ufer. So wurden in Deutschfeistritz (Bezirk Graz-Umgebung) sieben Häuser, eine Firma und ein Reitstall überflutet. Die Feuerwehr kämpfte mit 85 Mann, Hunderten Sandsäcken und zehn Pumpen gegen das Hochwasser. Zuvor mussten auch in Apfelberg (Bezirk Murtal) und Bruck an der Mur mehrere Keller ausgepumpt werden. Die Brucker Schnellstraße (S35) war zwischen Mixnitz und Pernegg (Bezirk Bruck an der Mur) weiterhin wegen Überflutung gesperrt.
In Graz selbst wurde am späten Samstagabend die Hauptbrücke im Stadtzentrum gesperrt, berichtete die Kleine Zeitung auf ihrer Internetseite. Die Maßnahme sei aus Sicherheitsgründen gesetzt worden, hieß es. Auch die nördlich der Innenstadt gelegene Floßlendstraße wurde gesperrt. Im nördlichen Stadtteil Judendorf gab es am späten Samstagabend die ersten Überflutungen. Wie die Feuerwehr berichtete, wurden mehrere Keller ausgepumpt. Der Mur-Radweg wurde wegen Überflutungen gesperrt. Erfolglos versuchte die Feuerwehr, eine Eisenbahn-Unterführung trockenzulegen. Die Arbeiten mussten eingestellt werden, weil ständig Grundwasser nachfloss, teilte die Freiwillige Feuerwehr Judendorf-Straßengel in der Nacht auf Sonntag mit.
Zugang zur Mur abgeriegelt
Bereits am Samstagnachmittag hatte die Grazer Stadtverwaltung alle Zugänge zur Mur abgeriegelt. Die Bewohner wurden aufgerufen, dem reißenden Fluss fernzubleiben. Bei Übertretung der Absperrungen "herrscht absolute Lebensgefahr", hieß es in einer Aussendung des Rathauses. Sorgen bereitete den Behörden auch die Mur-Insel, ein über zwei geschwungene Stege mit den Flussufer verbundenes Bauwerk, das von Treibgut mitgerissen werden könnte.
In Trieben gingen indes die Aufräumarbeiten weiter. Die aus der Oststeiermark entsandten Katastrophenhilfsdiensteinheiten (KHD) wurden aber in der Nacht wieder abgezogen. "Am Sonntag werden entgegen ersten Überlegungen keine weiteren KHD-Einheiten vor Ort sein", teilte der Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos Steiermark, Thomas Meier, in einer Aussendung mit. Die Aufräumarbeiten seien mit den bezirkseigenen Einsatzkräften zu bewältigen.
Die Triebener Katastralgemeinde St. Lorenzen im Paltental war am Samstag in der Früh durch eine Schlammlawine verwüstet worden, zahlreiche Garagen und Fahrzeuge wurden weggeschwemmt. 140 Personen wurden evakuiert, weitere 109 Personen im Triebener Ortsteil Schwarzenbach. Die meisten kamen bei Verwandten oder Bekannten unter, rund 40 Personen verblieben in einer Notunterkunft des Roten Kreuzes. Weiter gesperrt waren nach Angaben des Ö3-Verkehrsfunks die Schoberpass Straße (B113) und die Triebener Straße (B114).
1,5 Mio. Euro Soforthilfe
Die Unwetter hatten auch ein Todesopfer gefordert. Am Freitagabend starb in Thörl (Bezirk Bruck an der Mur) ein 47-jähriger Fußgänger unter einer Mure. Betroffen von Murenabgängen und Überschwemmungen waren die Bezirke Liezen, Murau, Murtal, Leoben, Bruck, Mürzzuschlag und Graz-Umgebung. Der Ort Oppenberg (Bezirk Liezen) war nach Murenabgängen auf beiden Zufahrtsstraßen sogar gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten. 160 Soldaten des Bundesheeres rückten aus, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V) sicherte 1,5 Millionen Euro an Soforthilfe aus Mitteln des Bundes für die Steiermark zu.
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