Prozess in Wien Österreich

Ehepaar hat Nichte "wie Sklavin" gehalten

Ehepaar hat Nichte "wie Sklavin" gehalten

Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig, die Verteidigung kündigte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an (© APA)

Prozess
Weil sie ihre Nichte jahrelang wie "eine Sklavin" gehalten haben sollen, hat sich am Donnerstag ein Ehepaar aus Tschetschenien am Wiener Landesgericht (Vorsitz: Ulrich Nachtlberger) verantworten müssen. Die beiden Angeklagten wiesen sämtliche Vorwürfe zurück und sahen in den Anschuldigungen eine finstere innerfamiliäre Intrige am Werk.

Neben Menschenhandel wurde das Paar auch wegen schweren Betruges angeklagt, da es bei seinem Asylantrag falsche Angaben gemacht und sich Sozialleistungen erschlichen haben soll. Das offensichtliche Martyrium begann im Jahr 1999 in Grosny. Damals soll der Erstangeklagte Ruslan M. gemeinsam mit seinem Bruder aus Habgier seinen wohlhabenden Vater, dessen neue Ehefrau sowie seine Cousine getötet und danach die Räumlichkeiten in Brand gesteckt haben. Die ebenfalls anwesende, 12-jährige Nichte von M. wurde verschont.

Am darauffolgenden Tag flüchtete das Ehepaar gemeinsam mit seinem Sohn nach Kasachstan, um einer etwaigen "Blutrache" zu entgehen. Die Nichte nahmen sie mit. In Baku (Tschetschenien) wurde ihnen Flüchtlingsstatus gewährt. Schon damals soll die Nichte zu niedriger Arbeit genötigt worden sein.

In Wien begann langes Martyrium
Drei Jahre beantragte die Familie in Österreich Asyl. In Wien soll das Paar die Nichte geschlagen, geschimpft und zu schweren Arbeiten gezwungen haben. Einen Deutschkurs durfte sie nur besuchen, da sonst die Sozialleistungen gekürzt worden wären. Nach außen hin wurde sie abgeschottet. Die junge Frau entkam der Situation erst, als sie hinter dem Rücken der Eltern heiratete und schließlich dem Mann von ihrem Schicksal berichtete. Zudem nahm sich eine Tante um sie an, die ebenfalls in Österreich wohnt.

Als sich aufgrund eines Hilferufs der Frau Interpol einschaltete, versuchte das Ehepaar ihre Nichte dazu zu bewegen, die Angaben zurückzuziehen. Da die Angeklagten der Nichte bereits während ihres Martyriums damit gedroht hatten, es werde ihr "genau so gehen wie den Verwandten in Grosny", bekam sie es mit der Angst zu tun und erstattete Anzeige.

"Nicht schuldig"
Vor Gericht bekannten sich beide Angeklagten "nicht schuldig". Das Mädchen sei normal bei ihnen aufgewachsen, es habe auch keinerlei Übergriffe gegeben. Ihre Nichte soll vielmehr von ihrer Tante, die das Ehepaar bereits seit "25 Jahren hasst", zu den falschen Angaben aufgestachelt worden sein. Warum die Tante das machen sollte, wusste der Erstangeklagte auch nicht: "Ich kann nicht in ihre Seele schauen."


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