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10.08.2012

"Marille", "Sackerl" & Co.

Österreichisches durch Bundesdeutsch verdrängt

Hochdeutsche Invasion

Hochdeutsche "Invasion"? (© dpa)

Das Österreichische als spezielle Variante der deutschen Sprache wird immer stärker vom Norddeutschen verdrängt. Was Künstler und Sprachexperten schon länger beklagen, hat der emeritierte Germanistik-Professor Peter Wiesinger nun mit einer Studie bestätigt.

Bei einem Fragebogentest mussten 21-jährige Studenten Bilder beschriften. Dabei schrieb ein Drittel der Getesteten anstelle von "Stiege" das norddeutsche "Treppe", ebenso viele "Kasse" statt "Kassa" und "eine Eins" statt "ein Einser". Grund für den Sprachwandel: Medien und das Internet.

Beim EU-Beitritt 1995 ließ Österreich seine Sprache noch symbolisch als eigenes Kulturgut anerkennen, 23 Bezeichnungen aus dem Bereich der Lebensmittel wurden als spezifische Begriffe aufgezählt. Das spezielle Deutsch, das sich durch Einflüsse aus Osteuropa und Italien bisher gehalten hat und das historisch mit den anderen Varianten wie dem Nord- oder Mitteldeutschen gleichwertig sei, verliert immer mehr an Boden. Damit geht jedoch nicht nur eine Sprachform verloren, warnt der Germanist: "Sprache bedeutet eben auch immer Identität".

"Tomate" statt "Paradeiser", "Marille" und "Sackerl" bleiben
Fast völlig verdrängt wurde laut Wiesinger bereits der "Paradeiser" von der Tomate, auch weil die entsprechenden Produkte Tomatensaft und Tomatenmark heißen. Andere Begriffe wie die "Marille" oder das "Sackerl" sind hingegen stabil.

Ursache für die Verdrängung des Österreichischen sind die Medien und ihr Einfluss: Filme und Serien würden in hochdeutsch synchronisiert, auch in Büchern und Zeitschriften dominiert das Hochdeutsche. "Gerade Jugendliche orientieren sich am Englischen und Hochdeutschen", betont Wiesinger. In westlichen Bundesländern wie Tirol komme der Tourismus von Deutschen und Holländern dazu. Die Einheimischen würden sich anpassen, um von den Gästen, die das Geld bringen, verstanden zu werden.

Entwicklung unaufhaltbar
Aufgehalten werden kann der Sprachwandel laut Wiesinger nicht, aber zumindest abgebremst. Dafür müsste sich allerdings die Schule einsetzen und auch in den Schulbüchern werde schon auf das Norddeutsche umgeschwenkt. Und im Unterrichtsministerium sei man der Meinung, im vereinten Europa sei das Beharren auf einer eigenen Sprache nationalistisch.

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