Experten einig Österreich

Bringt Olympiaschlappe mehr Sport in Schulen?

Die Medaillenflaute lässt darüber grübeln, wieder mehr Sport in den Schulen umzusetzen

Die Medaillenflaute lässt darüber grübeln, wieder mehr Sport in den Schulen umzusetzen

Die Medaillenflaute lässt darüber grübeln, wieder mehr Sport in den Schulen umzusetzen

Die Medaillenflaute lässt darüber grübeln, wieder mehr Sport in den Schulen umzusetzen

Auch nach den XXX. Sommerspielen in London beginnt weltweit das gleiche Prozedere. Die erfolgreichen Nationen bejubeln ihre Erfolge, die anderen hinterfragen Gott und die Welt und ihre Sportstrukturen.

So auch Österreich, das erstmals seit Tokio 1964 und erst zum zweiten Mal in der Geschichte ohne Medaille geblieben ist. Eine emotionale Diskussion zwischen Sportminister Norbert Darabos, BSO-Chef Peter Wittmann und ÖOC-Präsident Karl Stoss wurde bereits während der Spiele in Gang gesetzt. Die kommenden Wochen und Monate sollen nun etwas sachlicher zeigen, wohin der (Sommer-) Sport in Österreich geht.
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Darabos hatte die Skandal-Winterspiele in Turin 2006 zum Anlass genommen, um Korruption und Doping an der Wurzel zu bekämpfen. Das sportliche Malheur von London könnte nun auch den Sommersportdisziplinen auf die Beine helfen. Die Optimierung der bestehenden und großteils noch aus der Nachkriegszeit stammenden Strukturen sowie eine massive Umstrukturierung der finanziellen Förderung des Sports in Österreich wird allerdings ohnehin bereits zwischen dem Ministerium und dem organisierten Sport diskutiert, denn für 2013 hat Darabos umfassende Änderungen geplant. Die wahre Krise nimmt laut einer Experten-Umfrageihren Anfang freilich wo anders und viel früher: Nämlich im Kindergarten.

"Schulmisere ist auch Schulsportmisere"
Während sich fast alle befragten Fachleute einig sind, dass die im Sport verteilte Bundes-Förderung - für 2012 stehen alleine aus diesem Titel insgesamt 130 Millionen Euro zur Verfügung - effizienter und gezielter gestaltet gehört, sehen sie sportlich das Problem auf einer anderen Ebene herandräuen. "Die Schulmisere in Österreich ist auch eine Schulsportmisere", bemängelte etwa Otmar Weiß vom Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport (ZSU) in Wien die Reduktion des Schulsports.

Unterstützung bekommt Weiß von allen Seiten. Auch von Volleyball-Präsidenten Peter Kleinmann. "Kein Sport im Kindergarten, kein Sport in der Volksschule, kein Sport in der Pflichtschule, kein Sport in der AHS und den Unis", klagt nicht nur der auch im Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) und der Bundes-Sportorganisation (BSO) als Spitzenfunktionär tätige Kleinmann in der Umfrage an. Auch Fachleute wie Gunnar Prokop ("Die Gründe für so ein Ergebnis wie in London fangen im Kindergarten und in der Volksschule an") oder ÖFB-Präsident Leo Windtner ("Wir fordern seit 30 Jahren die tägliche Turnstunde und jammern über Fettleibigkeit") sehen das Problem an der Basis.

"Verpolitisierung" der Sportstrukturen
Ein Problem also, das vorrangig die Politik lösen müsste. Gleichzeitig wird aber in der Umfrage auch eine starke "Verpolitisierung" der Sportstrukturen angeprangert. Eine generelle Aufwertung des Sports, vor allem in der Schule, wird in der Umfrage ebenso gefordert wie ein umfassendes Bekenntnis zum Sport sowie eine effizientere Verteilung der Geldmittel. Speziell jener für den Leistungs- und Spitzensport. Auch wenn selbst Insider wie Sportmanager und Tennis-Präsident Ronald Leitgeb die Spitzensportförderung lediglich als "Spitze des Eisbergs" bezeichnen.

Der Bund diskutiert derzeit mit dem organisierten Sport über den Entwurf zum Bundes-Sportförderungsgesetzes 2013, das Darabos nach einer bereits vor Jahren in Angriff genommenen Analyse nun auf Schiene bringen möchte. Darabos will mehr Durchgriffsmöglichkeiten auf die Verteilung der Mittel, mittels eines Sport-Förderfonds soll deshalb das Bundes-Geld künftig konzentriert statt wie derzeit "mit der Gießkanne" verteilt werden. Zudem will Darabos einen Talente-Pool aufbauen, um bereits 2016 in Rio wieder in den Kreis der Medaillengewinner zurückzukehren.

"Muss sich einiges ändern"
In der BSO steht man Änderungen zwar prinzipiell positiv gegenüber, kämpft aber gleichzeitig um Beteiligung am neuen Modell und um die weitgehende Unabhängigkeit des Sports. "Die BSO ist nicht gegen Reformen. Es muss sich einiges ändern, dazu muss aber eine offene Diskussion ohne Tabus geführt werden", sagte BSO-Präsident Peter Wittmann in der APA-Umfrage.

Dass Sport in Österreich verfassungsrechtlich in die Kompetenz der Länder fällt und der Bund lediglich eine privatrechtliche Förderkompetenz hat, verdeutlicht die komplexe Struktur, die nicht nur in eine "politische" und eine "unabhängige" geteilt ist, sondern durch die drei Dachverbände ASKÖ, ASVÖ und Union auch noch dreischichtig ist. Jede der insgesamt involvierten Seiten hat - natürlich - zahlreiche Argumente für die Wichtigkeit ihrer Aufgaben.

Zu viel Geld beim ÖFB
Am Ende der aktuellen Diskussion stehen die Fachverbände, die bemängeln, dass zu viel Geld bei den Dachverbänden und dem Fußballverband (ÖFB) hängen bleibt. So würden von den 80 Mio. aus der Besonderen Sportförderung nur rund 20 Mio. tatsächlich bei den Fachverbänden ankommen, wird beklagt. Speziell die Dachverbände würden viele Aktionen betreiben, die mit dem (Leistungs-) Sport an sich nichts zu tun haben, aber aus dem Sportfördergeld bezahlt werden, heißt es.

Das Reformmodell soll vor allem sicherstellen, dass von den oben in den Fördertrichter geschütteten Millionen künftig auch mehr direkt bei den Sportlern ankommen. Dabei, folgt man mit Roman Hagara einem von drei lebenden österreichischen Doppelolympiasiegern im Sommer, sind alle staatlichen Finanzspritzen ohnehin zu wenig, um ernsthaft in der sich rasant verändernden Welt des Spitzensports mitmischen zu können. Hagara: "Ohne persönliche Sponsoren ist ein Überleben im Spitzensport nicht möglich."


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1 Kommentar
skyrider Veteran (919)

Antworten Link Melden 0 am 12.08.2012 15:57

Was immer jetzt kommt, sind Lippenbekenntnisse! NICHT MEHR! Schließlich ist 2013 ein sehr wichtiges Wahljahr!
Und solange die zuständige Ministerin alle paar Monate ein neues Schul-System aus ihrem Hütchen zaubert, anstatt das bestehende auszubauen, so lange wirds an der Bildung der Schüler und am Schulsport hapern!
Schulsport war und ist ein unbestellter Acker - wobei im gleichen Atemzug die Politiker und auf Grund deren BlaBla, auch die Medien, schreien: Unsere Kinder sind zu dick! Doch die Basis für die Gesundheit der Kinder, wird VOR dem Schulbesuch und IN der Schule, gelegt!

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