Ex-Freundinnen misshandelt Österreich

Polizist zu 6 Monate Haft verurteilt

Polizist zu 6 Monate Haft verurteilt

Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig, die Verteidigung kündigte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an (© APA)

Prozess
Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig, die Verteidigung kündigte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an
Mildes Urteil! Am Salzburger Landesgericht ist am Mittwoch ein 47-jähriger Kriminalbeamter aus dem Pongau zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bedingt verurteilt worden. Ob er in den Dienst zurückdarf, wird ein Disziplinarverfahren entscheiden.

Der geschiedene Mann und Vater einer zehnjährigen Tochter soll im Zeitraum von September 2008 bis Juni 2012 drei Ex-Freundinnen gefährlich bedroht, genötigt und verletzt haben. Der Polizist wurde nach einer Anzeige im Juni vom Dienst suspendiert und saß zuletzt in Wels in Untersuchungshaft. Außerdem verhängte der Richter ein Kontaktverbot zu den ehemaligen Lebensgefährtinnen und deren Kindern. Die Vorhaft wurde dem Mann angerechnet. Das Urteil ist rechtskräftig.

Mit Pistole hantiert
Die Ex-Freundinnen stellten den Mann im Prozess als äußerst aggressiv und unberechenbar dar. Der erste angeklagte Vorfall reicht in den September 2008 zurück. Damals soll der Mann schlecht gelaunt nach Hause gekommen sein. Seine damalige Lebensgefährtin, eine heute 42-jährige Frau, fragte nach dem Grund, der Polizist verlor daraufhin die Beherrschung. "Das geht dich nichts an. Wenn ich dir das sage, muss ich dich erschießen", erinnerte sich die Zeugin vor dem Richter. Im Zuge des folgenden Streits legte der Angeklagte dann eine private Pistole auf den Küchentisch. "Er hat die Waffe aus dem Holster gezogen und mit ihr herum hantiert. Ob er sie auf mich gerichtet hat, weiß ich aber nicht mehr."

Demütigungen
Sie habe damals Todesangst gehabt und seine Drohungen ernst genommen - und auch ein zweites Mal drohte ihr der Mann mit dem Erschießen. "Ich habe gedacht, irgendwann läuft er Amok. Nicht, dass er es plant. Aber dass es klick bei ihm macht, irgendetwas umschaltet." Ein anderes Mal sei sie mit Grippe im Bett gelegen. Weil er sich nicht anstecken wollte, habe er sie ohne Vorwarnung an den Haaren aus dem Bett gezogen. Ein weiteres Mal musste sie sich vor ihm niederknien und entschuldigen, weil er drohte, sonst ihr neues Mobiltelefon vom Balkon zu schmeißen. Zumindest einmal habe sie der Angeklagte so stark gewürgt, dass sie Hämatome und blaue Flecken erlitt.

Warum sie den Mann denn nicht angezeigt habe, wollte der Richter im Prozess wissen. "Ich hatte Angst vor ihm." Warum sie die Beziehung mit ihm dann nicht beendet habe? "Ich wollte ihn nicht provozieren."

Ex-Freundin verlor Job
Nachdem es doch zur Trennung gekommen war, verlor die Frau Anfang 2010 wegen der psychischen Belastung - sie hatte enorme Angst vor dem Polizisten - ihren Job und war ein halbes Jahr in Krankenstand und ein weiteres halbes Jahr arbeitslos.

Frau gewatscht
Auch zwei weitere Ex-Freundinnen soll der Mann am Hals gefasst und gegen die Wand oder die Motorhaube eines Autos gedrückt haben. Zuletzt bedrohte er Ende Juni dieses Jahres eine der beiden Frauen. Nachdem er eineinhalb Flaschen Wein getrunken hatte, sah er seine Freundin mit einem Bekannten telefonieren. "Ich habe in seinen Augen gesehen, dass etwas nicht stimmt. Er wollte wissen, mit wem ich telefoniere, und er war ziemlich böse. Ich habe eine Watsche bekommen, dann hat er mich an den Haaren durch die Küche gezogen und gemeint, ich soll mich schleichen." Die Frau erlitt Abschürfungen und blaue Flecken, packte die Koffer, fuhr nach Hause und erstattete am nächsten Tag Anzeige bei der Polizei.

"Es tut mir Leid"
Der Angeklagte zeigte sich am Mittwoch geständig. "Es tut mir leid, ich kann es nicht rückgängig machen." Die Drohungen seien blöd dahergeredet und nicht ernst gemeint gewesen. Er habe noch nie jemanden mit einer Waffe bedroht, geschweige denn verletzt - auch im Dienst nicht.

Einem Opfer wurden am Mittwoch 1.000 Euro Teilschmerzensgeld, einem zweiten 500 Euro Teilschmerzensgeld zugestanden. Ein drittes Opfer wollte nicht als Zeugin aussagen und verzichtete auf Ansprüche. Sie wolle überhaupt nichts mehr mit dem Mann zu tun haben.
 

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