Kommentar von Christiane Tauzher Christiane Tauzher

Überfordert

Christiane Tauzher

Christiane Tauzher schreibt regelmäßig Kommentare für "Heute"

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Wenn Kinder verschwinden, wenn sie plötzlich wie vom Erdboden verschluckt sind, kommt einem wieder Natascha in den Sinn. Oder der Bub, der sich beim Spielen im Sand sein eigenes Grab geschaufelt hat. Und die kleine Maddie, die vermutlich aus einem Ferienbungalow entführt worden ist. Bitte nicht, denkt man dann. Die fünfjährige Franca aus Kärnten ist auch plötzlich nicht mehr hinter dem Opa. Der Wanderweg liegt verlassen da. Der Opa ruft und schaut sich um. Kein Mucks zu hören. Totenstille. Die Stunden sind verflogen. Bitte nicht, hat man sich gedacht. Im Radio ist durchgesagt worden, dass die Suchmannschaften verstärkt werden. Von Franca keine Spur bei Einbruch der Dunkelheit. Das Gelände unwegsam. Tausende Gefahren. Franca allein im Wald oder irgendwo anders. Verletzt, verängstigt, festgehalten. Bitte nicht, denkt man wieder und wieder. Vierundzwanzig Stunden später wird das Kind von Radfahrern aufgelesen. Heil und unversehrt. Man möchte jubeln und weinen vor Freude und Erleichterung. Über das Wunder, an das wir längst nicht mehr geglaubt haben. Weil wir mit Wundern überfordert sind.


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