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20.09.2012

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn

Wohin geht die Fahrt?

Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn (© APA)

Heute wird die Bioethikkommission im Bundeskanzleramt mit größter Wahrscheinlichkeit die gesetzliche Verankerung der PID empfehlen. Worum geht es da? Die Präimplantations-Diagnostik, abgekürzt PID, heißt: Alle Embryonen, die durch künstliche Zeugung ("In-Vitro-Fertilisation") entstehen, sollen auf mögliche Schäden untersucht werden, bevor sie in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden, um gegebenenfalls ausgesondert zu werden.

Bisher war die PID in Österreich verboten. Jetzt soll sie freigegeben werden. Das ist nichts anderes als "pränatale Rasterfandung" nach behindertem Leben, sagt Franz-Josef Huainigg, der Behindertensprecher der ÖVP, der selber schwer behindert ist. Es gibt kaum jemand Glaubwürdigeren, um zu diesem Thema zu sprechen als Franz-Josef Huainigg

Er ist ein faszinierender Mensch, mit einem unbesiegbaren Humor, einer wunderbaren Ehefrau und einem adoptierten Kind. Wer seine strahlenden Augen, seine durch alle Mühen und Leiden seiner Behinderung ungebrochene Fröhlichkeit, aber auch die Kraft seiner Reden erlebt hat, weiß, dass er einem außergewöhnlichen Menschen begegnet ist. Ich empfehle seine Autobiographie "Auch Schildkröten brauchen Flügel" (Ueberreuter Verlag) oder seine liebevollen Gedichte und Texte in „Auf der Seite des Lebens“ (Ibera-Verlag).

Franz-Josef Huainigg im O-Ton: "Es gibt viele behinderte Menschen, die ein glückliches, zufriedenes Leben haben. Lebensglück kann man nicht durch das Mikroskop feststellen". Die PID hat nur einen Zweck: Selektion, das heißt Tötung, von angeblich "lebensunwertem Leben". Gehen wir auf eine Gesellschaft zu, die nur mehr "fehlerlose" Menschen erträgt, die Behinderte ausgrenzt, sie gar nicht erst leben lässt, von Anfang an? Heute berät die Ethikkommission. Wohin geht die Fahrt in unserem Land?

1 Kommentar von unseren Lesern

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Reiba (1)
21.09.2012 11:52

Recht auf ein Kind?
Ich bin froh darüber, dass die Kirche in Österreich die Grenzüberschreitungen in Sachen PID beim Namen nennt und sich zum Leben in all seinen Facetten bekennt!
Ein Kind ist und bleibt ein unverdientes Geschenk; Das Bekommen eines Kindes darf doch nicht zu einer Dienstleistung wie das Haareschneiden werden!
Bei all den Konsequenzen - würde die Empfehlung der Ethikkommission eine gesetzliche Verankerung finden - schlottern mir die Knie.


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